International

Ölpreis sackt unter 50 Dollar – ist das alte Energiekartell entmachtet?

Der Ölpreis ist wieder unter 50 Dollar gefallen, obwohl die OPEC-Staaten und weitere Länder ihre Förderung reduziert haben.

09.05.17, 18:29 10.05.17, 17:20

Stefan Schultz

Der Fracking-Trend hält an. Bild: EPA

Ein Artikel von

Es war ein historischer Schulterschluss. Mitte Dezember 2016 trafen sich Vertreter von 24 Staaten in Wien und beschlossen, ihre Ölförderung bis Ende 2017 um gut 1,8 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen. Der Pakt von Wien, initiiert von der OPEC, hatte ein Ziel: Das seit Jahren anhaltende Preistief beenden, jenes Tief, das die globale Ölindustrie in die Krise gestürzt und die Welt politisch unstabiler gemacht hatte. Tatsächlich erholten sich die Ölpreise bald darauf, sie stiegen auf bis zu 58 Dollar.

Doch der Erfolg der Weltölallianz weilte nur kurz. Seit vergangener Woche liegt der Ölpreis wieder auf dem Niveau von Mitte Dezember: bei unter 50 Dollar. Die Wirkung der konzertierten Förderkürzung lässt spürbar nach.

Es gibt dafür drei Gründe. Erstens ist die Ölproduktion in den USA gestiegen. Mitte Dezember lag sie noch bei rund 8,8 Millionen Barrel pro Tag, inzwischen sind es gut 9,3 Millionen Barrel. Ursache dafür ist das Wiedererstarken der US-amerikanischen Fracking-Industrie. Bei dieser Fördertechnik wird Öl unter Hochdruck und Einsatz von teils giftigen Chemikalien aus dem Gestein gepresst. Diese Art der Förderung ist recht teuer. Als die Ölpreise zu Jahresbeginn stiegen, nahmen die Fracking-Firmen nach und nach wieder ihre Produktion auf.

Auch im für den europäischen Markt so wichtigen Libyen soll die Ölförderung bald zulegen. Ungeachtet der politischen Situation will die Regierung die Tagesproduktion von derzeit 700'000 Barrel bis Ende August 2017 auf 1,1 Millionen Barrel steigern.

Drittens ist Öl zurzeit etwas weniger gefragt. Die Internationale Energieagentur, die den Markt im Auftrag von 29 Industriestaaten beobachtet, weist in ihrem aktuellen Monatsbericht darauf hin, dass sich die Ölnachfrage in Russland, Indien, im Mittleren Osten, in Südkorea und in den USA schwächer entwickelt als erwartet.

«Das Ölangebot in den USA steigt unverdrossen, die Nachfrage wächst anscheinend nicht so schnell wie erwartet – in einem solchen Datenumfeld ist es kaum verwunderlich, dass die Preise immer wieder einmal nachgeben», sagt Steffen Bukold, Chef des Hamburger Beratungsbüros Energycomment.

Ein kompletter Misserfolg war die gemeinsame Förderkürzung vom Dezember 2016 dennoch nicht. Denn ohne die Aktion läge der Ölpreis wohl noch auf deutlich niedrigerem Niveau. Wenigstens rechnet derzeit kaum ein Analyst damit, dass die Preise wieder in Richtung 30 Dollar fallen, so wie es Anfang 2016 der Fall war.

Die Frage ist, ob die ein oder andere Fördermacht nun bald nachlegt. Am Montag gaben Saudi-Arabien und Russland bekannt, man könne die aktuelle Rohöl-Fördergrenze womöglich über das Jahr 2017 hinaus verlängern.

Vor allem Saudi-Arabien hat daran ein gesteigertes Interesse. Das Königreich will voraussichtlich Anfang 2018 fünf Prozent seines staatlichen Ölkonzerns Aramco an die Börse bringen. Der Wert des Unternehmens hängt stark vom Ölpreis ab. Die Saudis dürften viel dafür tun, um den Börsengang nicht zu gefährden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • FlowLander 10.05.2017 07:56
    Highlight Wenn der ganze Aufwand und die ganzen Geldmittel um Erdöl und Erdgas zu fördern, und Kriege zu finanzieren (unter dem Vorwand 'Terrorismusbekämpfung' versteht sich), sollte besser mal damit begonnen werden erneuerbare Energien zu fördern. Das Pentagon verprasst über 600 Milliarden Dollar pro Jahr. 2 Milliarden Dollar pro Tag für erneuerbare Energien. Drum herum kommen werden wir sowieso nicht. Also wieso nicht heute damit beginnen?
    8 3 Melden
  • amei 10.05.2017 00:05
    Highlight Der Ölpreis ist nun fest im Würgegriff des technischen Fortschritts. Förderkosten sinken, Öl wird zunehmend substituiert, Effizienz steigt, Bevölkerungswachstum beginnt sich etwas abzuflachen, China wächst vermehrt qualitativ. Vielleicht werden noch Indien und Afrika für einen kleinen Preisimpuls sorgen. Aber diese Weltregionen werden wohl nicht mehr das ölintensive Wachstum wie China durchmachen. Zudem lässt sich Strom für ca. 5ct oder weniger pro kWh produzieren. Das Preishoch von 2008 bis 2013 dürfte kaum nochmals kommen.
    7 0 Melden
  • Fabio Kunger 09.05.2017 19:55
    Highlight Jeder Ölstaat schaut auf das eigene Portemonaie. Es wird gefördert was geht, vorallem wenn der Preis hoch ist.
    44 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 09.05.2017 19:53
    Highlight "jenes Preistief, das die globale Ölindustrie in die Krise gestürzt und die Welt politisch unstabiler gemacht hatte."

    Ist das so? Hat das Ölpreistief die Welt unstabiler gemacht?
    Ich glaube nicht. Vielleicht eher im Gegenteil.

    Ausser Venezuela. Da frage ich mich überhaupt, ob das Ölpreistief womöglich eine grossangelegte Aktion ist, die direkt auf die sozialistische Regierung in Venezuela abzielt.
    Dass die USA, grösster Abnehmer venezolanischen Öls, trotz tiefen Weltmarktpreisen das Fracking wieder ankurbelt, geht eigentlich auch genau in die Richtung.
    14 40 Melden
    • Hoppla! 09.05.2017 21:18
      Highlight Ein Multimilliardendollarmarkt manipulieren um einen Clown von der Macht zu putschen? Mutig...
      38 2 Melden
    • Ruffy 09.05.2017 21:41
      Highlight Oje oje ich hoffe du glaubst das nicjt wirklich...

      Alle wollen und müssen Ihr Öl verkaufen , sonnst machen die Fracking Unternehmen kein Geld und die Staaten haben Probleme mit den Staatsfinanzen.

      Wenn nun die Nachfrage nachlässt aufgrund von effizienteren Motoren, nachhaltigen Energieen usw. kommen wir irgendwann an einen Punkt an dem der Preiszerfall auch durch künstlich reduzierte Fördermengen, von einigen Marktteilnehmern, nicht mehr zu stoppen ist.
      16 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.05.2017 02:12
      Highlight easy easy ... 32 Blitze?

      Das war ja nur ein Gedanke. Habe nicht gesagt, dass ich das glaube oder behaupte.

      Bloss: Dass die USA Fracking wieder ankurbeln (habe ich nur aus dem Artikel), IST verwunderlich, ob der kontroversen Umweltfolgen und dem tiefen Ölpreis auf dem Weltmarkt.

      Und dass die Maduro Regierung wegen "sozialistisch" als Versager dargestellt wird, wo doch wg. tiefem Ölpreis jede venezolanische Regierung in Schwierigkeiten stecken würde, egal welcher Partei oder Ideologie, ist auch KLAR.

      Jedenfalls kommt der tiefe Ölpreis den ultra-Nationalkatholiken in Venezuela sehr gelegen.
      3 2 Melden
    • meine senf 10.05.2017 07:52
      Highlight Seit wann interessieren sich die USA für die Umwelt.

      Das nennt man Fluch der Rohstoffländer. Andere Länder haben ja gar kein Öl und kommen trotzdem über die Runden.
      Egal mit welchem "-istisch" sich die Regierung bezeichnet, wenn es Öl gibt und der Preis hoch ist, ist die Versuchung gross, nur davon zu leben, statt zu versuchen die Gewinne dazu zu nutzen, zusätzliche Wirtschaftszweige aufzubauen. Leider erlag auch Chavez dieser Versuchung.

      Und wenn der Preis sinkt ist es dafür zu spät und es kommt das böse Erwachen.
      2 1 Melden
    • Pius C. Bünzli 10.05.2017 13:11
      Highlight Fracking macht die Natur kaputt, das mögen die Amis halt gerne =)
      1 0 Melden
    • Hoppla! 10.05.2017 16:14
      Highlight Nein, Benot. nicht jede, nur die total unproduktiven Volkswirtschaften (könnte in Venezuela eventuell auch etwas mkt dem Sozialismus zu tun haben) und die die sich nur auf ein Gut konzentrieren.
      0 1 Melden
    • meine senf 10.05.2017 18:31
      Highlight Nur mit dem "sozialistisch" hat das nichts zu tun.

      Diverse andere eher rechtsgerichtete Regierungen in Venezuela machten früher genau den gleichen Fehler.
      1 0 Melden
    • Ruffy 10.05.2017 19:53
      Highlight Maduro ist ein Versager egal wie tief oder hoch der Ölpreis ist..
      1 0 Melden
  • Toerpe Zwerg 09.05.2017 19:45
    Highlight Peak oil?
    7 19 Melden
    • Fabio Kunger 09.05.2017 20:02
      Highlight Seitdem es Fracking gibt, kann es kein peak oil mehr geben. Je teurer der Ölpreis, desto mehr Fracking wird betrieben. Öl wird man ewigs durch Fracking fördern können, die Frage ist nur zu welchem Preis.
      21 16 Melden
    • Ruffy 09.05.2017 21:42
      Highlight Frackingvorkommen sind endlich.

      Der Punkt ist, die Nachfrage ist langsam tiefer als das Angebot.
      24 2 Melden
  • dmark 09.05.2017 19:21
    Highlight Und nun lasst uns mal alle (nur mal rein gedanklich) noch mit Strom oder Wasserstoff fahren, dann ist die Nachfrage noch viel geringer.
    Quasi jedes Solarpanel spart ein paar Tropfen Öl.
    88 2 Melden
  • Billagtrumpicdumpmyass 09.05.2017 18:56
    Highlight Fracking, eines der grössten Verbrechen der Menschheit. Ich bin froh um meinen extrem kleinen ökologischen Fussabdruck
    57 31 Melden
    • Easypeasy 09.05.2017 19:38
      Highlight Wie gross, bzw. klein ist er den?
      20 3 Melden
    • Toerpe Zwerg 09.05.2017 19:45
      Highlight Grosse Worte.
      15 13 Melden
    • Billagtrumpicdumpmyass 09.05.2017 21:03
      Highlight Easypeasy, kein Fleisch, kein Auto Töff etc und in 30 Jahren 3 Flugreisen. Viel zu Fuss oder mit Velo unterwegs und Solar zur Warmwasseraufbereitung, Pelletheizung
      45 9 Melden
  • Döst 09.05.2017 18:49
    Highlight Die Produktion in den USA passt sich einfach dem Ölpreis mit ein paar Monaten Verzögerung an. Sehr schön kann man dies auch an den wöchentlich veröffentlichten Bohrlöchern in den USA sehen.
    Aber das Öl hat eher langfristig ein Problem. Sobald einigermassen absehbar ist, dass die E-Autos die Verbrenner Autos ablösen, werden die Ölpreise kontinuierlich sinken. Ich schätze, dass dieser "point of no return" spät. in 5 Jahren der Fall sein wird
    38 8 Melden
    • Konstruktöhr 09.05.2017 23:41
      Highlight Flugzeuge, Schiffe, Baumaschinen usw. werden nicht in den nächsten Jahren elektronisch betrieben. Öl wird auch in vielen Jahren noch sehr wichtig sein.
      2 1 Melden
  • bingbangbong 09.05.2017 18:39
    Highlight Fracking gehört aus so vielen Gründen verboten! Dabei würde man als rationaler Mensch doch denken, man will die Möglichkeiten um Öl zu befördern doch limitieren... Schade.
    40 5 Melden
  • Hackphresse 09.05.2017 18:38
    Highlight Ich dachte Fracking sei erst ab einem Preis von 50$/B rentabel, darum kam die Produktion ja damals beim Preissturz fast zum erliegen. Hat sich da inzwischen etwa was geändert?
    14 2 Melden
    • zombie woof 09.05.2017 19:28
      Highlight Und ob sich das verändert hat, mittlerweile sind die Produktionspreise pro Fass bei rund 15 USD angelangt, nur noch Kuwait, Iran und Saudi haben tiefere Produktionskosten
      6 4 Melden
    • Hosch 09.05.2017 19:40
      Highlight Du hast Recht mit der ungefähren Grenze von 50$. Die Fracking-Industrie aber braucht längere Zeit um anzulaufen. Anpassungen dann an einen sinkenden Ölpreis brauchen nochmals Zeit und zu guter Letzt konkurrieren verschiedene Fracking-Unternehmen miteinander. Was zur Zeit in den USA bei diesen Unternehmen abläuft ist ein Tanz auf Messers Schneide.
      11 0 Melden
    • AmTuruk 09.05.2017 23:15
      Highlight Die Erdöl-Fördermengen einzelner Fracking-bohrungen nehmen exponentionell ab... nach 5 jahren noch 5% der anfangsfördermenge... dadurch sind fracking-firmen gezwungen die einzelnen bohrungen durch immer noch mehr Bohrungen zu kompensieren. Dadurch steigen wiederum die Förderkosten in einen Bereich wo es nicht mehr rentabel ist und die Firmen dicht machen.

      ...dann sinkt das Angebot, der Preis steigt wieder und das Fracking beginnt von vorne...

      Der Lauf der Zeit;-)
      2 0 Melden
  • Kuunib 09.05.2017 18:35
    Highlight Ich habe wohl zu früh Heizöl liefern lassen.
    26 3 Melden
    • Bongalicius 09.05.2017 20:38
      Highlight Wie wärs mit einem Umstieg auf was nachhaltiges?
      Ihre Portemonnaie und Mutternatur würden danken.
      20 8 Melden
    • Matthias Studer 09.05.2017 22:37
      Highlight @Bongalicius, grundsätzlich stimmt das schon. Nur nicht jedes Gebäude ist dafür gemacht. Schlussendlich entscheidet in einem Sanierungsfall auch das liebe Geld.
      16 1 Melden
    • DrMabuse 09.05.2017 23:09
      Highlight Wenn die Heizung fällig ist, wird bestimmt eine alternative gesucht. Vorsorglich wechseln ist ebenfalls verschwendung....
      1 0 Melden

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