International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Britain's Prime Minister, David Cameron, arrives to address the Conservative Spring Forum in central London, Britain April 9, 2016.   REUTERS/Neil Hall

Grossbritanniens Premier wehrt sich mit ungewöhnlichen Mitteln. 
Bild: NEIL HALL/REUTERS

Cameron wehrt sich gegen Vorwürfe – und veröffentlicht seine Steuererklärung

Der britische Premier Cameron gerät im Zuge der Enthüllungen um die Panama Papers weiter unter Druck – und macht nun seine Steuererklärungen öffentlich. Der deutsche Finanzminister hat derweil eine komplette Offenlegung von Briefkastenfirmen gefordert.

10.04.16, 10:05 10.04.16, 10:20


Ein Artikel von

Der britische Premierminister David Cameron wehrt sich gegen Rücktrittsforderungen mit einem ungewöhnlichen Schritt: Er hat am Sonntag eine Zusammenfassung seiner Steuererklärungen der vergangenen sechs Jahre veröffentlicht.

Diesen Angaben zufolge zahlte der durch die Panama Papers unter Druck geratene Cameron im Fiskaljahr 2014/2015 knapp 76'000 Pfund Steuern. Zugrunde lag ein zu versteuerndes Einkommen von gut 200'000 Pfund (240'000 Euro). Die Zahlen für 2013/2014 lagen in der selben Grössenordnung.

Am Samstag hatte Cameron Fehler im Umgang mit den Enthüllungen über die Beteiligung seiner Familie an der Investmentfirma seines verstorbenen Vaters in einer Steueroase eingeräumt. Auf einer Veranstaltung seiner konservativen Partei in London versprach er, seine Steuererklärungen öffentlich zu machen. Vor dem Regierungssitz forderten Hunderte Demonstranten seinen Rücktritt.

Demonstrators hold placards during a protest outside Downing Street in Whitehall, central London, Britain April 9, 2016. British Prime Minister David Cameron said on Saturday he should have handled scrutiny of his family's tax arrangements better and promised to learn the lessons after days of negative media coverage and calls for his resignation  REUTERS/Neil Hall      TPX IMAGES OF THE DAY

Protest gegen britischen Premier Cameron.
Bild: NEIL HALL/REUTERS

Dem Premierminister wird kein illegales Verhalten vorgeworfen. In der Kritik steht er aber, weil er nach Bekanntwerden der Offshore-Geschäfte seines Vaters an vier Tagen vier unterschiedliche Stellungnahmen abgegeben hatte. Erst nach tagelangem Zögern gestand er ein, Geld in einem Offshore-Trust seines Vaters in Panama angelegt zu haben.

«Die Tatsachen sind folgende», sagte er am Samstag. «Ich habe Aktien eines Investmentfonds gekauft. Aktien, die wie alle anderen Arten von Aktien sind, und ich habe auf sie in der gleichen Weise Steuern bezahlt.» Weiter führte er aus: «Tatsächlich habe ich alle Aktien, die ich besass, verkauft, als ich Premierminister wurde.» Nach seinen Angaben hatten er und seine Ehefrau die Anteile im April 1997 für 12'497 Pfund gekauft und im Januar 2010 für 31'500 Pfund verkauft.

«Das war keine gute Woche»

Den nun veröffentlichten Daten zufolge erhielt Cameron in den vergangenen sechs Jahren 200'000 Pfund von seiner Mutter geschenkt – zusätzlich zu einer Erbschaft über 300'000 Pfund von seinem Vater. Die Angaben dürften zu Fragen führen, ob das Geschenk seiner Mutter aus den Offshore-Geschäften seines verstorbenen Vaters stammte.

«Das war keine gute Woche», sagte Cameron am Samstag. «Ich weiss, dass ich damit besser hätte umgehen müssen.» Er kündigte die Einsetzung einer Taskforce ein, um den Berichten eines weltweiten Recherchenetzwerks um die «Süddeutsche Zeitung» zu der panamaischen Finanzkanzlei Mossack Fonseca nachzugehen. Laut dem Finanzministerium soll die Taskforce prüfen, ob sich Kunden der Kanzlei der Geldwäsche oder Steuerhinterziehung schuldig gemacht haben.

Schäuble fordert Offenlegung von Briefkastenfirmen

Finanzexperten der deutschen Grossen Koalition haben Cameron unterdessen aufgefordert, Steuerschlupflöcher im britischen Hoheitsgebiet zu schliessen. Unions-Fraktionsvize Ralph Brinkhaus sagte der «Welt am Sonntag», Grossbritannien müsse auf seine Überseegebiete Einfluss nehmen. «Dies müssen wir den Briten in den jetzt anstehenden Gesprächen ganz deutlich machen.»

Nach der Enthüllung von Zehntausenden Briefkastenfirmen hatte bereits die britische Opposition Cameron vergangene Woche aufgefordert, stärker gegen Steuerhinterziehung in britischen Territorien wie den Virgin Islands, Cayman Islands oder auf den Kanalinseln vorzugehen.

«Wenn David Cameron persönlich und politisch bei der Bekämpfung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung noch ernst genommen werden will, muss Grossbritannien jetzt schleunigst die Schlupflöcher im eigenen Land schliessen», sagte SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider. «Deutschland muss den Kampf gegen Steuersünder zum zentralen Anliegen seiner G20-Präsidentschaft machen», forderte er.

Finanzminister Wolfgang Schäuble hat neue deutsche Vorschläge gegen Steuerhinterziehung angekündigt – und eine komplette Offenlegung von Briefkastenfirmen gefordert. «Wir brauchen weltweit völlige Transparenz», schrieb Schäuble in einem Gastbeitrag für die «Bild am Sonntag».

Schäuble forderte darüber hinaus Panama auf, das Steuerabkommen mit Deutschland endlich in Kraft treten zu lassen. «Ein bilaterales Steuerabkommen zwischen Deutschland und Panama ist seit drei Jahren verhandelt, wurde aber von Panama nicht unterschrieben. Ich erwarte, dass die panamaische Regierung nach diesen peinlichen Enthüllungen ins Lager der Ehrlichen wechselt.»

wit/dpa/AFP/Reuters

Panama Papers

«In unseren Investigativraum kam nicht mal die Putzfrau rein» – Datenjournalistin Vanessa Wormer über die Panama Papers

So also sieht eine Briefkastenfirma in Panama aus

Offshore-Insider Elmer zu Gast bei Schawinski: 7 Erkenntnisse aus der gestrigen Panama-Talkshow

Warum gerade Panama? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mega-Datenleck

Panama Papers für Dummies: Offshore-Banking ist wie ein 5-Jähriger, der sein Sparschwein vor seiner Mami versteckt

Panama Papers: Die Ergebnisse sind öffentlich, die Quellen nicht – warum eigentlich?

Die Professorin, die Putin schon vor zwei Jahren entlarvte

Panama Papers: Das grösste Datenleck aller Zeiten enthüllt die Geheimnisse schmutzigen Geldes

Deshalb sind die Panama Papers so wichtig: Video zeigt Opfer des Offshore-Business

«Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen»: Riesiges Leak zu Briefkastenfirmen auf Panama

Panama Papers: Und was hat das mit der Schweiz zu tun?

Panama Papers: Die Offshore-Deals reicher Putin-Freunde

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Rückbauer 10.04.2016 18:43
    Highlight Der Aermste. GBP 200'000! Oje. Da "macht" ein ehemaliger Flachmaler, der zum Börsenhändler mutiert ist, ein Mehrfaches. Der würde dafür nicht seinen A.bend heben. Was kann der, ausser spielen? Also, nichts gegen Flachmaler, gegen Börsenhändler aber schon. In Zürich beträgt der Durchschnitts"lohn" bei UBS, CS, Bär, zwischen CHF 200'000 - 300'000. Jaja, der Median wäre besser, ...
    2 0 Melden
  • Hubertus Herbstlaub 10.04.2016 12:51
    Highlight Lasst den armen doch in Ruhe. Hat ja nichts Illegales getan.
    8 4 Melden
  • Ignorans 10.04.2016 10:18
    Highlight Leider keine Isländer...
    Und ja, geht endlich gegen Steueroase USA vor...
    8 1 Melden
    • Oberon 10.04.2016 11:31
      Highlight und UK
      6 2 Melden

Debakel für CSU und SPD in Bayern – Grüne und AfD räumen ab

CSU 👎 ++ SPD 👎👎 ++ Grüne 👍👍 ++ AfD 👍👍 

Bei der Landtagswahl im deutschen Bundesland Bayern haben die regierenden Christsozialen und die SPD laut ersten Prognosen schwere Verluste erlitten.

Nach Berechnungen der Fernsehsender ARD und ZDF verlor die CSU von Ministerpräsident Markus Söder mehr als zehn Prozentpunkte und landete bei 35,5 Prozent. Sie hatte bisher mit absoluter Mehrheit regiert und bräuchte jetzt zum Weiterregieren einen oder mehrere Koalitionspartner.

Zweitstärkste Kraft wurden die Grünen mit 18,5 bis 19 Prozent (2013: …

Artikel lesen