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Schmutzige Geschäfte: Schweizer Raffinerien sollen illegales Gold aus Peru bezogen haben

07.10.15, 07:30 07.10.15, 09:05

Die Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (GFBV) wirft Schweizer Edelmetallraffinerien ungenügende Sorgfalt bei Goldeinkäufen vor. Die Raffinerie Metalor soll bis heute illegales Gold aus Peru beziehen.

Während die Organisation den heutigen Bezug illegalen Goldes nach ihren Recherchen für höchstwahrscheinlich hält, ist sie sich sicher, was den vergangenen Bezug angeht: Sowohl die Firma Metalor mit Sitz in Neuenburg als auch die Goldraffinerie Pamp aus dem Tessin hätten in der Vergangenheit illegales Gold aus Peru verarbeitet, schreibt GFBV in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Die Polizei fliegt während einer Operation mit einem Helikopter über eine illegale Goldmine in Peru. 
Bild: STRINGER/PERU/REUTERS

Peru ist einer der weltweit grössten Goldproduzenten. Seit einigen Jahren geht die peruanische Regierung mit verschiedenen Massnahmen und neuen Gesetzen gegen den illegalen Goldhandel vor. Der illegale Goldhandel geht laut GFBV etwa mit Geldwäscherei, Zwangsarbeit, Steuerhinterziehung und Umweltproblemen einher.

Dabei wurden Verfahren wegen Geldwäscherei gegen verschiedene Goldlieferanten von Metalor eingeleitet, wie GFBV mit Berufung auf Untersuchungen der peruanischen Zollbehörde Sunat und der für Geldwäscherei zuständigen Staatsanwaltschaft ausführt.

Ermittlungen gegen heutige Lieferanten

Zwar stoppte Metalor vor zwei Jahren die Geschäftsbeziehungen zu einiger dieser Firmen, einige gaben zudem ihre Goldexporte auf. GFBV fand jedoch Hinweise darauf, dass andere Firmen die entstandene Lücke füllten. Noch heute handle Metalor weiterhin mit Firmen mit fragwürdigem Geschäftsgebaren, heisst es im GFBV-Bericht «Geschäfte mit illegalem Gold – Schweizer Raffinerie Metalor unter Verdacht».

Derzeit werde gegen drei peruanische Firmen ermittelt, von denen Metalor noch heute Gold beziehe, schreibt die Menschenrechtsorganisation. Das Exportunternehmen Minerales del Sur exportiere beispielsweise mehr Gold an Metalor, als die Region, aus der das Gold stammt, offiziell produziere.

Vom Zeitpunkt der Goldbeschlagnahmung bei dubiosen Firmen anfangs 2014 nahmen die Goldexporte von Minerales del Sur massiv zu, wie GFBV anhand der peruanischen Exportstatistik errechnete. Von 2008 bis Ende Juli 2015 importierte Metalor 49 Tonnen Gold im Wert von 1.85 Mrd. Dollar von Minerales del Sur.

Gold beschlagnahmt 

Als Hinweis auf dubiose Geschäfte nennt GFBV weiter folgendes Beispiel: Im Januar 2014 beschlagnahmte die peruanische Staatsanwaltschaft für Metalor bestimmtes Gold der Firma Famyr. Nachdem der Fall an die peruanischen Medien gelangte, reichte Metalor in der Schweiz im April eine Verdachtsmeldung an die Meldestelle für Geldwäscherei ein.

Das Verfahren befindet sich zurzeit bei der Bundesanwaltschaft. Diese wartet auf weitere Informationen aus Peru und will anschliessend entscheiden, ob sie eine Voruntersuchung gegen Metalor einleitet. Im Zusammenhang mit dem konfiszierten Gold von Famyr entschied die Staatsanwältin gegen Geldwäscherei in Peru zudem, einen Antrag auf Rechtshilfe an die Schweizer Behörden zu stellen.

Menschenrechtsorganisation übt nicht das erste Mal Kritik

Metalor ist eine von fünf in der Schweiz ansässigen grossen Goldraffinerien. Metalor verarbeitet etwa Edelmetalle aus Minen oder Produktionsabfälle aus der Industrie zu Goldbarren oder Goldkörnern, die für Luxus- und Hightechprodukte benötigt werden. 2013 setzte das Unternehmen 337.1 Mio. Fr. um und verdiente rund 30 Mio. Franken. Das Unternehmen beschäftigt rund 1700 Menschen in 17 Ländern.

Menschenrechtsorganisationen haben in der Vergangenheit bereits mehrmals die Herkunft von importiertem Gold in der Schweiz angeprangert. Die Schweiz ist einer der weltweit grössten Player in der Goldverarbeitung. Aus Peru importierte die Schweiz 2014 laut Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung insgesamt 143 Tonnen Gold im Wert von 2.6 Mrd. Franken.

GFBV verlangt von den Raffinerien, die Sorgfaltsprüfung all ihrer Goldlieferanten rigoros durchzuführen. Die Resultate dieser Prüfung und Informationen zu den Goldlieferanten müssten zugänglich gemacht werden. Von der Schweiz fordert die Menschenrechtsorganisation die gesetzliche Einführung einer Sorgfaltsprüfungspflicht. (sda)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AL:BM 07.10.2015 07:48
    Highlight Was?! Edelmetalle werden mit zwielichtigen Methoden beschafft?
    Ich bin schockiert....
    7 0 Melden
    • trio 12.10.2015 06:04
      Highlight Obwohl es jeder weiss, vergehen immer Jahre oder gar Jahrzehnte bis so was bis vor Gericht kommt (wenn überhaupt).
      Wie beim VW Abgasskandal, da wurde doch auch schon vor Jahren über manipulierende Software berichtet. Und trotzdem können sich die Chefs rausreden.
      Ich hoffe das in diesem Fall endlich mal die Verantwortlichen verurteilt werden!
      0 0 Melden

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