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Dass ein US-Präsident auf der Insel so warm empfangen werden würde, war lange unvorstellbar.
Bild: EPA/EFE

Run auf Kuba: Die Amis hoffen auf ein Ende der Eiszeit (und fette Geschäfte)

Als erster US-Präsident seit 88 Jahren reist Barack Obama nach Kuba. In seiner Delegation befinden sich viele Top-Manager – sie haben einen Milliardenmarkt im Visier.

20.03.16, 21:39

Marc Pitzke, New York

Ein Artikel von

Für Saul Berenthal ist es eine späte Heimkehr. Der 72-jährige Unternehmer aus Alabama wurde auf Kuba geboren. Als Teenager kam er in die USA, arbeitete lange als Software-Ingenieur für IBM, machte sich selbstständig, ging in den Ruhestand - und gründete 2015 mit seinem Partner Horace Clemmons dann noch mal eine Traktorfirma.

CleBer tauften sie die, die ersten Buchstaben ihrer Nachnahmen. Sie gaben sich ein ganz spezifisches Ziel – Landmaschinen für Berenthals Geburtsland, das er in den vergangenen Jahren immer wieder besucht hatte. Und jetzt geht dieser Traum endlich in Erfüllung: Als erstes US-Unternehmen seit 1959 darf CleBer auf Kuba eine Treckerfabrik bauen.

Im Februar genehmigten beide Regierungen ihren Antrag. Ab 2017 soll CleBer am Hafen von Mariel bei Havanna pro Jahr 1000 Maschinen produzieren. Was Berenthal mehr als Hilfsleistung versteht denn als reines Geschäft: «Die Farmer sind entscheidend für Kubas Wirtschaft.»

US-Firmen auf der Lauer

Noch sind solche Fälle eine Ausnahme. Weshalb das Thema Wirtschaft nun auch mit ganz oben auf der Tagesordnung steht, wenn Barack Obama an diesem Sonntag nach Kuba fliegt, als erster US-Präsident seit 88 Jahren: Obwohl die diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt sind, sind die ökonomischen Beziehungen weiter nur rudimentär.

Seit Obama die Tür zu Kuba aufgestossen hat, liegen viele US-Firmen auf der Lauer. Telekommunikationsunternehmen, Start-ups, Grosskonzerne wie Coca-Cola und Bacardi, die einst von der Insel vertrieben wurden: Alle gieren auf den letzten unerschlossenen Markt dieser Hemisphäre. Seit Dezember 2014, als Obama die Öffnung verkündete, reisten nach Angaben des US-Cuba Trade and Economic Councils mehr als 500 amerikanische Geschäftsleute nach Kuba, um die Lage auszuloten.

Jahrzehntelang herrschte zwischen den Ländern diplomatische Eiszeit. Erst im vergangenen Jahr eröffneten die USA in Havanna wieder eine Botschaft und nahmen damit wieder diplomatische Beziehungen zu Kuba auf.
Bild: EPA/EFE

Deal mit Symbolkraft

Manche feiern bereits erste Erfolge. Die US-Hotelfirma Starwood zum Beispiel, die am Sonntag verkündete, sie habe einen Auftrag zur Renovierung von drei kubanischen Hotels ergattert. Der Deal hat durchaus Symbolkraft: Vor gut 50 Jahren waren alle US-Hotelbetreiber auf der Insel von Fidel Castro enteignet worden.

Doch wegen grosser Hindernisse auf beiden Seiten sind bisher nur wenige Deals zustande gekommen. «Die Situation bleibt extrem kompliziert», sagt Stephen Propst von der Washingtoner Anwaltskanzlei Hogan Lovells, die Kuba-Investoren berät. Das liege nicht nur am US-Embargo, auf dem die Republikaner im Kongress bestehen – sondern auch an kubanischen Restriktionen: «Trotz Reformen ist das Umfeld immer noch nicht besonders attraktiv.»

Dennoch hoffen nun mindestens drei US-Multis, im Windschatten des Obama-Besuchs in Kuba Fuss zu fassen. Darunter AT&T, Amerikas zweitgrösster Mobilanbieter: Der verhandelt nach Informationen des «Wall Street Journal» gerade ein Roaming-Abkommen für Kuba, wie es die Konkurrenten Sprint und Verizon bereits abgeschlossen haben.

Amerikaner dürfen mit kubanischen Staatsfirmen handeln

Auch die Hotelkette Starwood (Sheraton, Westin, W) bemüht sich um die Genehmigung, «unsere Marke auf Kuba auszuweiten». Rivale Marriott zeigt sich ebenfalls «optimistisch, dass wir bald grünes Licht bekommen, in Kuba Hotels unter der Marriott-Flagge zu führen».

Die Tourismusindustrie ist schliesslich eine der vielversprechendsten Branchen: Zurzeit hat Kuba nur 62'000 Hotelzimmer, Las Vegas hat zweieinhalbmal so viele. 13'600 weitere sind dieses Jahr geplant.

Dass alles noch sehr schleppend läuft, daran ändern auch die einseitigen Massnahmen wenig, die Obama am Kongress - und Kuba - vorbei veranlasst hat. So dürfen Amerikaner nun mit kubanischen Staatsfirmen handeln und US-Unternehmen Kubaner einstellen - um «Brücken zu bauen», wie US-Sicherheitsberater Ben Rhodes sagte.

Besonders bedeutsam ist der Wandel für Coca-Cola. Kuba ist eines von nur noch zwei Ländern auf der Welt, in dem es zumindest offiziell keine Coke gibt, das andere ist Nordkorea. Der Brausebrauer, der seit 1906 Abfüllanlagen in Kuba gehabt hatte, musste die Insel verlassen, als Fidel Castro die Privatwirtschaft verstaatlichte. Der Cocktail «Bacardi und Coke» war auch der Ursprung des legendären Cuba Libre.

Experten schätzen, dass Kuba für US-Unternehmen als Exportmarkt jährlich 3,5 Milliarden Dollar wert sein könnte.
Bild: EPA/EFE

Viele US-Konzerne halten an teuren Besitzansprüchen fest

Bacardi selbst hat eine noch enger verflochtene Geschichte mit Kuba. 1862 in Santiago de Cuba gegründet, fiel auch die weltberühmte Rum-Destillerie der Castro-Revolution zum Opfer und floh nach Bermuda.

In Obamas Delegation reisen etliche US-Manager mit, darunter der Marriott-Vorstandsvorsitzende Chef Arne Sorenson und Xerox-Chefin Ursula Burns. Auf dem Terminplan steht unter anderem ein Treffen mit kubanischen Unternehmern in Havanna.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele US-Konzerne, die früher in Kuba vertreten waren, an teuren Besitzansprüchen festhalten - nicht nur Coca-Cola und Bacardi, sondern auch Exxon, Texaco, Chevron oder GM. «Dieses Problem muss gelöst werden», sagt Stephen Propst.

Insgesamt belaufen sich diese beim US-Finanzministerium registrierten Forderungen auf sieben Milliarden Dollar – fast doppelt so viel, wie ein jährlicher US-Exportmarkt nach Kuba eines Tages wert sein könnte.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Erode Terribile 20.03.2016 23:05
    Highlight Und wieder geht ein Land unter. Die Kapitalisten oder Investoren wie sie auch heissen machen aus Cuba ein Micky Maus Insel. Schade
    34 11 Melden
    • Gelöschter Benutzer 21.03.2016 03:10
      Highlight Sie wollen also lieber das Kuba behalten, von dem alleine in die USA mehr als 1.1 Millionen Kubaner fliehen mussten, um wieder etwas Wohlstand, Sicherheit und Perspektive im Leben zu haben?
      7 14 Melden
    • Azrag 21.03.2016 08:09
      Highlight @shalashaska Natürlich hat Kuba nicht sein Potenzial ausgeschöpft und die Insel hat etliche Probleme. Dennoch läufts besser als etwa im benachbarten Haiti und der Dominikanischen Republik.
      8 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 21.03.2016 18:03
      Highlight @Jaing Besser als Haiti/DomRep sagt nicht gerade viel aus. Das sind sehr arme Länder, wie Kuba. Vor allem haben sie die Bahamas elegant ausgelassen. Deren Hauptstadt, Nassau, liegt ähnlich weit weg von Miami wie Havanna. Die Bahamas haben aber ein fast viermal höheres Pro-Kopf-Einkommen. Ich mag es den Kubanern gönnen, das sie endlich etwas Aussicht bekommen, auch wieder mitzumachen.
      0 2 Melden
    • Azrag 21.03.2016 18:27
      Highlight Die Bahamas habe ich "elegant" weggelassen, weil sie ein massiv auslandsabhängiger Zwergstaat sind - völlig nicht mit Kuba vergleichbar. Haiti und die Dominikanische Republik sind hingegen gut mit Kuba vergleichbar.
      1 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 21.03.2016 19:57
      Highlight @Jaing Ich finde es etwas egoistisch, wenn man wie @Erode sich wünscht, das die Lage in Kuba so bleibt wie sie ist. Wirtschaftlich mit Haiti und der Dominikanischen Republik grob vergleichbar zu sein ist ein Armutszeugnis für den Status quo in Kuba. Ich bin froh das den Kubanern nun neue Perspektiven gegeben werden. Besser noch: Die enorme kubanische Diaspora wird wieder einfacher Beziehungen zur Heimat pflegen können.
      0 0 Melden
  • Rodolfo 20.03.2016 22:19
    Highlight Heute Abend habe ich mit meinem Freund Eusebio in Havanna telefoniert. Er berichtet, dass in den letzten drei Wochen gegen 500 Oppositionelle ohne Begründung festgenommen wurden.
    Noch heute Morgen - also vor wenigen Stunden wegen der Zeitdifferenz - hätte der kubanische Geheimdienst drei seiner Freunde verhaftet mit der Begründung: "Wir wollen Sicherheit, du kommst später wieder frei!"
    12 5 Melden
    • ramonke 21.03.2016 01:41
      Highlight die wollen wohl nicht das obama irgend etwas passiert. für mich verständlich
      8 5 Melden

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