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Schlangenalarm in Bangkok – warum Panarat Chaiyapoon nie mehr ruhig auf der Toilette sitzt



Vor Schlangen hat fast jeder Angst. Aber der Gedanke, auf der Toilette gebissen zu werden, ist eine besondere Horrorvorstellung. In Bangkok muss man damit rechnen: Thailands Hauptstadt leidet unter einer Schlangenplage wie lange nicht mehr.

In this Nov. 3, 2017, photo, fireman Phinyo Pukphinyo catches a python on a garage roof in Bangkok, Thailand. When the latest distress call came into Phinyo Pukphinyo’s fire station in Bangkok, it was not about a burning home or office building. Instead, the caller needed urgent help with a far more common problem facing Thailand’s capital: snakes. City authorities say the number of snakes caught in Bangkok homes has risen exponentially in recent years, from 16,000 reported cases in 2013 to about 29,000 in 2016. Figures for the first half of 2017 are over 30 percent higher than last year.  (AP Photo/Sakchai Lalit)

Ein Feuerwehrmann fängt eine Schlange ein, die sich unter einem Garagendach in Bangkok versteckt hat. Bild: AP/AP

Die Zeiten, in denen sich Panarat Chaiyapoon seelenruhig aufs Klo setzte, sind ein für alle Mal vorbei. Seit jenem Tag im Juli schaut die Thailänderin jedes Mal genau in die Schüssel, bevor sie sich niederlässt – egal, wo.

Damals, in ihrem Haus in Bangkok, auf der Toilette im Erdgeschoss, tat sie das noch nicht. Und erschrak wie nie zuvor, als sie von unten in den Hintern gebissen wurde: von einer zweieinhalb Meter langen Python.

Die Schlange wurde zwar gleich geschnappt, aber Panarat musste blutend ins Spital. Die Ärzte stellten Abdrucke von acht Schlangenzähnen fest, einige anderthalb Zentimeter tief. Damit nicht genug: Eine Woche später fand Panarats 15 Jahre alte Tochter in derselben Toilette noch eine Python. Zum Glück ging das glimpflicher ab. Die Tochter zog trotzdem für eine Weile zu Verwandten.

In this Nov. 3, 2017, file photo, fireman Phinyo Pukphinyo holds a python on garage roof in Bangkok, Thailand. When the latest distress call came into Phinyo Pukphinyo’s fire station in Bangkok, it was not about a burning home or office building. Instead, the caller needed urgent help with a far more common problem facing Thailand’s capital: snakes. City authorities say the number of snakes caught in Bangkok homes has risen exponentially in recent years, from 16,000 reported cases in 2013 to about 29,000 in 2016. Figures for the first half of 2017 are over 30 percent higher than last year. (AP Photo/Sakchai Lalit, File)

Eine Python wird in Bangkok eingefangen. Bild: AP/AP

Damit hat es Panarats Familie besonders arg erwischt. Aber auch viele andere Bewohner von Thailands Hauptstadt bekamen es in diesem Jahr häufiger mit Schlangen zu tun als ihnen lieb sein kann.

Bis Anfang Dezember musste die Feuerwehr in der Neun-Millionen-Stadt mehr als 32'000 Mal ausrücken, um Kriechgetier einzusammeln, kleines, grosses, harmloses, gefährliches. So schlimm war es in einem einzigen Jahr noch nie.

In this Nov. 2, 2017, photo, an officer of  Department of National Parks and Wildlife prepares python in Bangkok, Thailand to release in the wild. City authorities say the number of snakes caught in Bangkok homes has risen exponentially in recent years, from 16,000 reported cases in 2013 to about 29,000 in 2016. Figures for the first half of 2017 are over 30 percent higher than last year.   (AP Photo/Sakchai Lalit)

Die Zahl der Schlangen, die in Thailands Hauptstadt gefangen wurden, ist von 16'000 im Jahr 2013 auf 29'000 im Jahr 2016 gestiegen.  Bild: AP/AP

Kürzlich gingen an einem einzigen Tag 173 Anrufe wegen Schlangen-Sichtungen ein. Feueralarm gab es hingegen nur fünfmal. Der Vizechef der Hauptstadt-Feuerwehr, Prayul Krongyos, klagt, dass der Kampf gegen die Schlangenplage inzwischen sogar Hauptaufgabe seiner Leute geworden sei: 

«Wenn wir ähnlich viele Feuer hätten wie Schlangen, würden wir nicht überleben.»

Prayul Krongyos, Vizechef der Hauptstadt-Feuerwehr

Nun ist es keine Besonderheit, dass es in Bangkok Schlangen gibt. Die verhältnismässig junge Stadt wurde auf Wasser, Sand und Lehm gebaut. Bis heute durchziehen viele Kanäle die Metropole, die sogenannten Klongs.

Manche sichtbar, viele unterhalb der Strassen, aber alle mit einer schmutzigbraungrauen Brühe. Am Rand finden sich immer noch unzählige unbebaute Grundstücke - für Schlangen ein Paradies.

epa05177758 A Buddhist monk dressed in traditional orange colored robes walks along an elevated cement footpath above one of the Thai capital's many canals, passing the reflection in the water of a large city high-rise apartment building, during early morning alms collection, in Bangkok, Thailand, 24 February 2016. Bangkok is a city with a network of canals, nowadays most of them are built over and act mainly as sewers leading to the river, while those not built over, often become clogged with weeds and rubbish. The health of the city's waterways, and important council works to pump out and keep the canals free are vital to prevent flooding and blockages.  EPA/BARBARA WALTON

Ein Mönch spaziert über einem der vielen Kanäle Bangkoks. Bild: EPA/EPA

Von den mehr als 200 Arten, die in Thailand zu Hause sind, kommt etwa die Hälfte auch in der Hauptstadt vor. Pythons sogar im Zentrum - nicht nur am Tempel Wat Arun, wo sich Touristen die Tiere gegen etwas Geld um den Hals legen lassen können - sondern auch in freier Wildbahn. Dass man die Türen geschlossen hält, gehört in Bangkok deshalb zu den Selbstverständlichkeiten.

Manchen Besuch aus Europa muss man darüber aufklären, dass es sich bei dem dünnen grünen Ding unterm Baum keinesfalls um eine Gummischlange handelt, sondern um eine echte Viper.

So fängt der Thailänder Schlangen (Zur Nachahmung aber eher nicht empfohlen)

Selbst die Geschichte mit der Schlange aus der Toilette hatte man früher schon einmal gehört - im eigenen Haus, wenn auch erst, nachdem der Mietvertrag schon unterzeichnet war. Damals hielt man das noch für die Thai-Version einer modernen Grossstadt-Legende.

Dass es gerade jetzt besonders viele Schlangen gibt, liegt zum einen daran, dass 2017 ein ungewöhnlich regenreiches Jahr war. Die Überflutungen zwangen die Tiere dazu, sich höher gelegene Reviere zu suchen.

epa06264571 Vehicles drive through a flooded road in Bangkok, Thailand, 14 October 2017. Several major streets in the Thai capital were submerged by floodwater triggered by heavy rainfall.  EPA/STR THAILAND OUT

Regenreiches Jahr: So sah es beispielsweise am 14. Oktober 2017 in Bangkok aus. Bild: EPA/EPA

Zudem wird vor allem an den Rändern der Stadt gerade viel auf Schlangengebiet gebaut. Und auch Bangkoks chronisches Abfallproblem hat Schuld. Der vielfach offen herumliegende Müll lockt Mäuse, Ratten und Vögel an. Um die wiederum kümmern sich dann die Schlangen.

Der Tierschützer Nonn Panitvong meint deshalb, dass man überhaupt nicht von einer «Schlangenplage» sprechen sollte, weil Pythons & Co. auch viel Gutes tun. «Schlangen sind die am meisten missverstandenen Tiere der Welt», sagte Nonn kürzlich der «New York Times». «Solange sie nicht provoziert werden, verletzen sie nicht.»

Über den Messaging-Dienst Line (eine Art asiatische Ausgabe von WhatsApp) hat Nonn nun eine eigene Gruppe «Snake at Home» («Schlange zu Hause») gegründet. Dort kann man sich sofort informieren, ob eine Schlange gefährlich ist oder nicht. Die Gruppe hat schon 30'000 Mitglieder. Pro Tag gehen 30 Anfragen ein. Für die Idee bekam Nonn eine Auszeichnung als Thailands erster «Held der Biodiversität».

Im Haus von Panarat Chaiyapoon hat sich die Sache inzwischen übrigens geklärt. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass der Boden unter dem erst fünf Jahre alten Gebäude etwas abgesunken war und eines der Abwasserrohre beschädigt hatte.

Das Loch darin war gross genug für eine Python. Seit es dichtgemacht wurde, gab es auf der Toilette keinen unerwünschten Besuch mehr. Panarat schaut trotzdem lieber nach. Immer. (sda/dpa)

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