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Wie die USA die Chinesen am Welt-Klimagipfel austricksen wollen

Die USA steigt aus dem Klimavertrag aus, jetzt greift China nach der Hauptrolle - und droht, in eine Falle zu tappen. Was sonst auf der Uno-Klimatagung geschieht: die wichtigsten Themen im Überblick.

06.11.17, 09:52 06.11.17, 10:18

Axel Bojanowski

Ein Artikel von

Was passiert in Bonn?

Zwei Wochen lang treffen sich 25'000 Vertreter aus allen Staaten der Welt zur Welt-Klimakonferenz. Es handele sich um die grösste zwischenstaatliche Tagung, die es je in Deutschland gegeben habe, meldet die Bundesregierung. Hinzu kommen Abertausende Aktivisten von etwa 500 Nichtregierungsorganisationen und mehr als tausend Journalisten.

Bild: EPA/EPA

Die Präsidentschaft der Konferenz hat Fidschi inne - weil der Inselstaat aber nicht die erforderlichen Kapazitäten bieten konnte, übernahm die Deutschland die Leitung als Gastgeber.

Was ist das Ziel der Klimakonferenz?

Ziel ist es, Regeln für den Welt-Klimavertrag von Paris zu präzisieren; um neue Einsparungsziele für Treibhausgase geht es nur am Rand. Das Pariser Abkommen legt fest, dass sich die Staaten zur Eindämmung ihrer Abgase verpflichten - auf welche Weise die Ambitionen aber überprüft und verbessert werden sollen, muss noch geklärt werden.

Ausserdem geht es ums Geld: Wie können Industrieländer, die den Grossteil der Treibhausgasemissionen zu verantworten haben, ärmeren Staaten bei der Umstellung auf Erneuerbare Energien und dem Schutz gegen Wetterkatastrophen helfen?

Warum sind alle so optimistisch - trotz Trumps Klima-Ausstieg?

Alle dabei - ausser den USA. Bild: EPA/EPA

Der Präsident der USA, Donald Trump, hat den Ausstieg der USA aus dem Weltklimavertrag zum nächst möglichen Termin angekündigt - Ende 2020 wären die USA draussen. Dennoch herrscht gute Stimmung bei den Klima-Delegierten, denn der Welt-Klimavertrag wurde so schnell von so vielen Staaten rechtsgültig unterschrieben wie nie zuvor ein Uno-Abkommen.

Ausserdem hat sich der globale Ausstoss von Treibhausgasen seit drei Jahren nicht erhöht - auch das stärkt den Optimismus.

Zudem nehmen neben den Staatenvertretern diesmal auch Delegierte von Metropolen, Bundesstaaten und Regionen an der Klimatagung teil. Jene aus den USA wollen Pläne zur Eindämmung des CO2-Ausstosses präsentieren, die Trumps treibhausgasintensive Kohlekraft-Förderung ausgleichen sollen.

Warum zerfällt die Welt in zwei Lager?

Die Klimaverhandlungen fussten von Anfang an auf der Trennung der Welt in Industrieländer, die den Klimawandel wesentlich verantworten, und Entwicklungsländer. Seit China, Indien und andere Staaten aber ebenfalls riesige Mengen Treibhausgase produzieren, gibt es Streit: Inwieweit müssen auch die Schwellenländer in die Pflicht genommen werden?

Bild: AP/AP

China und Indien beharren auf der alten Zweiteilung - und geraten damit zunehmend in die Defensive. In Bonn wird sich zeigen, ob Bewegung in den grossen Klimakonflikt kommt.

Blockieren die USA die Verhandlungen?

Auf den Klimaverhandlungen der G7 und G20 verhielten sich die Delegierten der USA chaotisch - Verhandler wurden getauscht, oder sie agierten ohne Mandat. Vor der Bonner Tagung geheimniskrämert das Weisse Haus, wer für die USA diesmal verhandeln wird.

Zwei Szenarien scheinen möglich:

Vor allem China könnte Ziel von Attacken der USA sein. Während Präsident Trump bei seinem Besuch in China diese Woche Staatschef XI Jinping trifft, könnte seine Mannschaft in Bonn strengere Verpflichtungen von China und anderen grossen Staaten im Rahmen des Pariser Vertrags fordern.

China wäre damit in der Falle, denn auch arme Länder - eigentlich Chinas Verbündete - fordern mittlerweile heimlich grössere Unterstützung von dem neuen Wirtschaftsriesen. Würde China ablehnen, könnten nicht nur die USA beim Klimaschutz auf Dauer vergrault werden.

Andere sehen eine Chance: Sollten sich neben China auch Indien und Russland zu strikteren Emissionszielen und höhere Klimaschutzhilfen verpflichten, könnten die USA womöglich ihren Rückzug aus dem Klimavertrag überdenken.

Ist China die neue Weltmacht?

Einen «Plan zur Brückenbildung» hat China für die Klimaverhandlungen angekündigt - und damit seine neue Führungsrolle reklamiert. Doch anders als die USA unter ihrem früheren Präsidenten Barack Obama, die den Klimavertrag wesentlich voranbrachten, sehen Delegierte wenig Opferbereitschaft bei China: Es beharre in Sachen Klima auf seinem Status als Entwicklungsland und wolle keine Verpflichtungen eingehen. Ohne grösseres eigenes Engagement dürfte China allerdings kaum die Führungsrolle bei den Klimaverhandlungen überlassen werden.

Warum müssen die Verhandler jetzt auf die Couch?

Fidschi, das die Klimaverhandlungen leitet, will mit einer heimischen Tradition Konflikte lösen: mit Talanoa. In kleinen, gemütlichen Gruppen sollen - wie in Fidschi üblich - die Staatenvertreter Streit besprechen; erst später im grossen Plenum. Welche Ziele zur Abgasverringerung bietet welcher Staat? Verhandlungen um diese zentrale Frage heissen ab jetzt Talanoa-Dialoge.

Wie teuer wird es?

Ab 2020 wollen die Industrieländer arme Staaten mit jährlich 100 Milliarden Dollar bei der Umstellung der Energieversorgung und dem Schutz gegen Wettergefahren unterstützen; die Hälfte des Geldes soll von Firmen kommen.

Die grössten Klimasünder

Deutschland will dann pro Jahr vier Milliarden aus Steuergeld beisteuern (3.4 Milliarden sind es bereits jetzt) und mehr noch aus Geldern öffentlicher Banken. Bereits jetzt ist Deutschland mit insgesamt 8.5 Milliarden Euro dabei.

Die Investitionen sollen keine Einbahnstrasse sein, sie ebnen oft den Weg für deutsche Firmen und deutsche Interessenpolitik. In Bonn will die Bundesregierung Erfolge im Katastrophenschutz in Afrika vorstellen.

Was ist der ewige Streit?

Der Hauptkonflikt jeder Klimakonferenz ist die Frage, auf welche Weise Geld für den Klimaschutz transferiert wird. Die armen Staaten wollen quasi Blankoschecks für Schäden, die durch Wetterkatastrophen oder den anschwellenden Meeresspiegel entstehen - als Wiedergutmachung für den Klimawandel, der wesentlich von den Industrieländern zu verantworten ist.

Die reichen Staaten lehnen strikt ab, sie bevorzugen Fonds: Arme Länder müssen Anträge für konkrete Projekte stellen, die geprüft werden - erste Hilfen sind bereits geflossen. In Bonn sollen die Finanzierungssysteme verbessert und neue Gelder aufgetrieben werden.

Hat sich die Türkei verzockt?

Die Türkei sorgt in Bonn für eine Posse. Lange war es dem Land wichtig, als Industrieland eingeordnet zu werden. Mittlerweile hat die türkische Regierung allerdings festgestellt, dass ihr damit der Zugang zu Fördertöpfen entgeht. Nun mühen sich die ihre Delegierten um die Anerkennung als Entwicklungsland.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rim 07.11.2017 16:53
    Highlight Kann sein, ich bin nicht upgedatet? Soviel ich weiss, ist die USA zum Klimagipfel gar nicht eingeladen. (Was auch Sinn macht. Wer möchte schon mit unaufgeklärten Verschwörungstheoretikern, ernsthafte Probleme besprechen/verhandeln) Solange Trump im Amt ist, hat das keinen Zweck. Zeitvergeudung.
    1 0 Melden
  • MarquisBS 06.11.2017 17:44
    Highlight *facepalm* Was für ein Kindergarten... Nein tut mir leid. Ich muss mich entschuldigen: Selbst ein Kindergarten kann das Thema ernsthafter diskutieren.
    3 2 Melden
  • Amarama 06.11.2017 14:53
    Highlight Jeder Staat kann noch so viel Geld bei dieser Umweltfrage sparen, eine neue Welt wird man sich trotzdem nie kaufen können.

    Trotzdem lassen viele Staaten lieber jetzt die Industrie boomen, scheinbar denken sie sich lieber reich untergehen statt arm auf der Erde zu bleiben...

    2 3 Melden
    • 4kant 06.11.2017 16:03
      Highlight Gelobt sei das Klima im Himmel. Fürchtet seinen Zorn und dienet ihm ehrfürchtig!
      Auf dass ihr zu den Auswerwählten gehören sollt und verschont werdet, wenn das Klima kommt am jüngsten Tag, die Menschen zu richten mit dem Schwert.

      A M E N !
      3 1 Melden
  • 4kant 06.11.2017 14:51
    Highlight Der Klimagipfel könnte das Klima sehr viel besser schützen, wenn er nicht stattfände.
    Es sollen 25 Tausend Teilnehmehr zum Gipfel gekommen sein. Die grosse Mehrheit kam mit dem Langstreckenflieger. Da wird enorm viel Kerosin verbrannt, um Ärsche auf Sessel zu setzen.
    Dann wird noch tonnenweise Papier vergeudet, dass schon nach wenigen Minuten nur noch Makulatur ist.
    Ohne die Klimagipfel wäre es ganz bestimmt einige Zehntelgrade kühler.
    Für die Optimisten unter Euch: Sorry, der Klimagipfel hat den Zweck griffige CO2-Reduktionsmassnahmen zu verhindern. Darum passiert hinterher nie etwas.
    6 2 Melden
  • Pius C. Bünzli 06.11.2017 13:17
    Highlight Den Ausstoss von Treibhausgasen zu minimieren ist ein sehr wichtiges Ziel und Länder welche führend in solchen Technologien sind, werden zukünftig das Sagen haben. China hat dies längst erkannt ( Bsp. quasi PV-Modul Monopol ). Die Strategie nicht auf erneuerbare Energien zu setzen wie sie die USA verfolgt in dem sie aus dem Abkommen austreten wollen, wird sie früher oder später im Regen stehen lassen.

    Es ist nie zu "teuer" in die Zukunft zu investieren. Je früher man dies begreifft desto besser.
    10 4 Melden
  • geissenpetrov 06.11.2017 11:45
    Highlight Auch sehr sehenswert:
    5 3 Melden
  • m. benedetti 06.11.2017 10:57
    Highlight Hier geht es offenbar weniger um das Klima, sondern viel mehr um Geld und die Frage wer bezahlt, wer erhält und wer profitiert. OK, bezahlen werden die Steuerzahler, also der Mittelstand in den entwickelten Staaten und profitieren werden wohl deren Unternehmen, die Steuern ..... Sie wissen schon.
    29 2 Melden
    • Regas 06.11.2017 15:25
      Highlight Ja und die Korrupten Regierungen der Empfänger Länder Transferieren das Geld dann wiederum zurück auf die Banken der erst Welt Länder. Der Kreis schliesst sich und dem Klima ist nicht geholfen.
      7 0 Melden

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