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In diesen 13 Ländern könnt ihr euch legal einen Pass kaufen – Österreich ist schweineteuer

Wer Bürger von Kambodscha werden will, muss 310'000 Dollar im Land investieren. Dafür gibt es nicht nur einen Pass, sondern auch einen kambodschanischen Namen. 13 Länder bieten solche Deals an, darunter auch zwei EU-Staaten.

09.02.17, 21:54 11.02.17, 11:01

Samuel Schumacher / az

Euch passt euer Pass nicht mehr? Kein Problem! Mit dem nötigen Kleingeld und etwas Geduld könnt ihr euch relativ einfach einen anderen kaufen. Und zwar nicht bloss einen dieser Fake-Pässe, die im Darknet für 2000 Euro über den digitalen Tresen gehen oder die man in den Vorstadtquartieren Bangkoks für ein paar hundert Dollar bestellen kann. Sondern richtige, international anerkannte Staatszugehörigkeiten.

Österreicher wird man nicht einfach so – im Bild die Hauptstadt Wien. Bild: APA

13 Nationen stehen derzeit auf der Liste jener Länder, deren Pässe man sich ganz offiziell kaufen kann. Neben exotischen Inselstaaten wie Vanuatu, Grenada, St. Kitts & Nevis, Antigua & Barbuda oder den Komoren haben auch die drei europäischen Staaten Österreich, Malta und Zypern das monetäre Potenzial des Pass-Handels erkannt.

Und das ist enorm. Auf über zehn Milliarden Dollar dürften sich die Umsätze der Pass-Verkäufe jährlich belaufen. Malta, das seinen Pass seit 2014 feilbietet, hat alleine in den ersten sechs Monaten seines Pass-Verkauf-Programms rund 330 Millionen Euro an Investitionen erhalten. (Wer Malteser werden will, muss 500'000 Euro in den Mittelmeerstaat investieren und darüber hinaus 650'000 Euro an eine Stiftung überweisen.)

Günstiger geht es in der Karibik

Damit ist der maltesische Pass einer der teuersten auf dem Markt. Nicht ganz so teuer wie der Österreichische zwar (10 Millionen Euro an Investitionen oder 2 bis 4 Millionen an eine österreichische Stiftung), aber deutlich kostspieliger als jener der Dominikanischen Republik, den man schon für fast läppische 35'000 Dollar kaufen kann.

Viel Geld braucht's nicht, um sich Dominikaner nennen zu können. Im Bild das Naturreservat Lagunas Redonda. Bild: AP

Sollten die derzeit laufenden Verhandlungen des Karibik-Staates mit Brüssel über den visafreien Zutritt zu allen EU-Staaten erfolgreich ausgehen, könnte der Preis auf 150'000 Dollar hochschnellen, sagt Christian Reeves von Premiere Offshore der «Nordwestschweiz». Reeves’ Arbeitgeber ist auf den Handel mit sogenannten «second passports» spezialisiert. «Ich schätze, dass jedes Jahr weltweit rund 14'000 Pässe verkauft werden», sagt Reeves. Tendenz steigend.

«Für Iraner, Pakistanis, Iraker und Syrer ist es praktisch unmöglich, einen Pass zu kaufen – ausser sie haben längere Zeit in den Arabischen Emiraten gearbeitet.»

«second passports»-Experte Christian Reeves

Der Experte hat einen Geheimtipp

Sehr gefragt ist derzeit der Pass des Karibikstaates Dominica, den man schon für 140'000 Dollar kriegt. Der kambodschanische Pass ist mit 250'000 Dollar deutlich teurer. Dafür kann man sich einen kambodschanischen Namen aussuchen und in den Pass eintragen lassen. Reeves’ Geheimtipp ist aber der Pass des Inselstaates Santa Luzia. «Für 100'000 Franken kriegt man visafreien Zutritt zu 125 Staaten weltweit, darunter alle EU-Mitglieder», erklärt Reeves. Dazu komme, dass Santa Luzia erst seit kurzem auf dem Markt mitmische.

Wie wär's mit Kambodscha? Bild: Thomas Schlittler

Staatszugehörigkeiten von Ländern wie St. Kitts & Nevis, das seit Mitte der 80er-Jahre mit Pässen handelt, haben jüngst an Attraktivität verloren. Nach einer Intervention von Kanada 2014 musste St. Kitts & Nevis alle zwischen 2012 und 2014 verkauften Pässe zurückbeordern und darin das Geburtsland der jeweiligen Passkäufer vermerken. Internationales Versteckis-Spielen ist mit dem St.-Kitts-&-Nevis-Pass seither nicht mehr uneingeschränkt möglich. Gefragter sind «second passport»-Neulinge.

Schon die Römer taten es

Die Idee, mit Bürgerrechten zu handeln, ist uralt. Schon im Römischen Reich konnten sich vermögende Herren die Fürsprache einflussreicher Römer erkaufen und dadurch auf der Überholspur zum «civis romanus» werden. Damit erwarben sie sich das Recht, in der Volksversammlung mitzureden, die Toga zu tragen und von der Todesstrafe verschont zu bleiben – ausser bei Hochverrat. Und selbst dann war ihnen der verhältnismässig milde Tod durch das Schwert garantiert.

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Die Todesstrafe ist weltweit auf dem Rückzug, die Toga komplett aus der Mode. Wer also kauft heute überhaupt noch fremde Pässe? Christian Reeves definiert drei Kundengruppen. Erstens: Reiche Nordamerikaner und Europäer, die einen Zweitpass wollen, um frei zu reisen (als US-Bürger ist man derzeit beispielsweise im Nahen Osten nicht gerne gesehen). Zweitens: Personen mit wirtschaftlichen Interessen, die eine Staatsbürgerschaft (zum Beispiel in einem EU-Staat wie Malta oder in einem Steuerparadies wie Vanuatu) aus finanzpolitischen Gründen anstreben. Und drittens: Menschen aus dem globalen Süden (etwa Pakistanis oder Iraker), die aufgrund ihrer Staatszugehörigkeit in ihrer globalen Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt sind.

Die meisten Personen, die Christian Reeves auf seinem Blog um Rat bitten, gehören zur dritten Gruppe. Der Iraker Mansour fragt, welchen Pass er kaufen müsse, um möglichst viele Orte auf der Welt bereisen zu können. Der Syrer Shihab Al-Atassi will wissen, wie lange die Verhandlungen der Dominikanischen Republik mit Brüssel über die visafreie Einreise in die EU-Staaten noch dauern. Die Türkin Ayca Balkir sucht nach einer passenden Lösung, «falls die Dinge in der Türkei schlimmer werden». Und der Marokkaner Oussama El Alaoui will wissen, welchen Pass er kaufen müsse, um problemlos nach Australien reisen zu können.

«Deshalb schlage ich Kunden aus bestimmten Ländern grundsätzlich vor, sich für Santa Luzia oder Dominica, aber eher nicht für Malta zu bewerben.»

«second passports»-Experte Christian Reeves

Geld allein reicht für Syrer und Iraker nicht

Ganz so einfach ist der Pass-Kauf aber auch für vermögende Kunden nicht. Das Herkunftsland ist in vielen Fällen entscheidend, ob man seinen Wunschpass kriegt oder nicht. «Für Iraner, Pakistanis, Iraker und Syrer ist es praktisch unmöglich, einen Pass zu kaufen – ausser sie haben längere Zeit in den Arabischen Emiraten gearbeitet», erklärt Reeves. Der Grund: Länder, die ihre Pässe verkaufen, lassen die Bewerber vorgängig einem Sicherheits-Check unterziehen. Dafür benötigen sie Strafregisterauszüge der kaufwilligen Kundschaft. Und die sind je nach Herkunftsland nur schwer zu kriegen oder kaum verlässlich.

Ganz so genau schauen manche Pass-Verkäufer dann aber doch nicht hin. «Deshalb schlage ich Kunden aus bestimmten Ländern grundsätzlich vor, sich für Santa Luzia oder Dominica, aber eher nicht für Malta zu bewerben», sagt Reeves. Dann könne es klappen mit dem Wunsch nach dem Traumpass. (aargauerzeitung.ch)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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21
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    Alle Leser-Kommentare
  • Saraina 10.02.2017 10:39
    Highlight Visafreies Reisen für Angehörige der Dominikanischen Republik? Exgüsi, für was ist das gut?
    4 11 Melden
  • flyingdutch18 10.02.2017 03:46
    Highlight Mehrere Pässe zu haben, ist von gestern. Wir brauchen im Zeitalter der (totalen) Überwachung mehrere Online-Identitäten. Und die kann man sich ja gratis einrichten.
    26 2 Melden
  • suchwow 10.02.2017 00:17
    Highlight Juhuu, wir haben visafreien Zugang zu 172 Destinationen!
    Dachte bei Santa Luzia: jesses, 125 ist aber noch recht viel :)
    24 1 Melden
  • The fine Laird 09.02.2017 22:54
    Highlight Wieviel Pässe darf man eigentlich haben? Nimmt mich Wunder...
    40 0 Melden
    • atomschlaf 09.02.2017 23:26
      Highlight Sofern nicht ein Land dabei ist, das Doppelbürgerschaft verbietet, beliebig viele.
      Bist Du Sammler? 😉
      41 0 Melden
    • Jaing 09.02.2017 23:46
      Highlight Das kommt darauf an, ob die jeweiligen Staaten Doppelbürgerschaften akzeptieren. Andere Regeln gibt's meines Wissens nicht.
      14 0 Melden
    • Yannik Tschan 09.02.2017 23:50
      Highlight Grundsätzlich ist mir keine “Limite“ bekannt. Allerdings wird es eher schwierig, wenn du nebst deinen anderen 5 Pässen noch einen neuen beantragen möchtest. Es gibt Staaten, welche dir die Staatszugehörigkeit entziehen, wenn du zu viele andere Pässe hast (Bürgerrechtsgesetzgebung). Es gibt sicherlich auch Staaten, welche sich gegenseitig ausschliessen.

      Falls du also nicht das nötige Kleingeld oder Vitanimmin B besitzt, wird nach spätestens dem dritten Pass langsam Schluss sein.
      24 2 Melden
    • jjjj 09.02.2017 23:58
      Highlight Ich hab 3... 🤷🏼‍♂️
      17 2 Melden
    • The fine Laird 10.02.2017 02:19
      Highlight Haha neinnein kein Sammler. Habe zwei und die reichen😉
      Als ich diesen Beitrag gelesen habe sind mir die Jason Bourne Filme eingefallen, darum.
      17 0 Melden
    • Matrixx 10.02.2017 05:36
      Highlight 3 Pässe?
      Schade. Mit dem nötigen Kleingeld hätte ich mir möglichst alle holen wollen.
      11 0 Melden
  • Addidi 09.02.2017 22:39
    Highlight Den Schweizer Pass gibts ja umsonst, weshalb so viel ausgeben?
    36 154 Melden
    • Graf Von Mai 09.02.2017 22:58
      Highlight Dank der erleichterten Einbürgerung nun auch ganz einfach ohne mühseliges Arbeiten in den Emiraten!
      29 132 Melden
    • ma vaff... 09.02.2017 23:06
      Highlight Wusste gar nicht, dass meine Vorfahren die schweizer Pass umsonst kriegten...
      Ist ja krass...
      Ahh wart nein doch nicht...Sie haben glaubs geschuftet und dann bei der Einbürgerung noch einen saftigen Batzen abgedrückt...
      Aber easy, gratis...momoll
      135 20 Melden
    • Neruda 09.02.2017 23:07
      Highlight Leider gibt's in der Schweiz keine Gehirne umsonst...
      140 13 Melden
    • ma vaff... 09.02.2017 23:09
      Highlight den schweizer Pass natürlich. Nicht die...🙈
      16 5 Melden
    • Electric Elephant 09.02.2017 23:14
      Highlight Blödsinn! Den Schweizer Pass gibts nicht umsonst. Eine Einbürgerung kostet auch in der Schweiz. Aber Hauptsache ein bisschen Polemik, oder?
      93 9 Melden
    • Fabio74 10.02.2017 07:27
      Highlight Mich kostet der Pass alle 10 Jahre 140 Franken.
      Die Staatsbürgerschaft gabs per Geburt. Die ordentliche Einbürgerung kostet hingegen Zeit und Geld.
      Hat aber auch nichts mit dem Artikel zu tun
      28 2 Melden
  • Kuym 09.02.2017 22:36
    Highlight Ist mit Santa Luzia Saint Lucia gemeint?
    40 4 Melden
    • Der Rückbauer 09.02.2017 23:16
      Highlight Ich glaube, die Pizzeria ist gemeint. Die gibt PP (Pizza-Pässe) raus für 20.-- mit einem Glas Roten.
      63 0 Melden
    • Gebo 10.02.2017 01:49
      Highlight Davon gehe ich aus. Denn Santa Luzia ist kein Staat sonderm eine unbewohnte Insel der kapverdischen Inseln, welche wiederum zu Portugal gehören. St. Lucia würde mehr Sinn ergeben, da sie eine Karibikstaat ist und zum Commonwealth of Nations gehört.
      24 2 Melden
    • Reto Disk 11.02.2017 10:59
      Highlight @Gebo "...kapverdischen Inseln, welche wiederum zu Portugal gehören". Das ist Kreuzfalsch (eine Wikipediainterpretation Deinerseits?). Die Kapverden sind ein eigenständiges Land, für welches - auch für EU Bürger - ein Reisevisum benötigt wird.
      Die Frage bleibt also im Raum: Welches Land ist mit Santa Luzia gemeint?
      1 0 Melden

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