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Cameron-Plan für den Eurotunnel: Mit Hunden gegen Flüchtlinge

Tausende Flüchtlinge wollen über den Ärmelkanal nach Grossbritannien - Premier Cameron versucht mit drastischen Mitteln, dies zu verhindern. In Deutschland steigt die Zahl der Asylbewerber auf einen Rekord.

31.07.15, 15:20

Flüchtlinge in Calais

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Die britische Regierung unterstützt in der Flüchtlingskrise in Calais die französischen Sicherheitskräfte mit zusätzlichen Zäunen und Spürhunden. Zudem werde das Verteidigungsministerium in Südengland Gelände zur Verfügung stellen, um den Rückstau vor dem Tunneleingang aufzulösen, sagte Premierminister David Cameron nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London.

Er wolle noch am Donnerstag mit dem französischen Präsidenten François Hollande über die «inakzeptable» Lage sprechen. Grossbritannien sei bereit, mehr zu helfen, «um den Druck auf jener Seite der Grenze zu mindern». In der Nacht zum Freitag hatten erneut Hunderte Migranten in Calais versucht, durch den Eurotunnel illegal nach Grossbritannien einzureisen - Sicherheitskräfte hatten sie davon abgehalten, indem sie etwa 200 Asylbewerber umstellten und fortschickten.

«Menschen versuchen illegal, in unser Land zu kommen, und hier gibt es Behinderungen für Fernfahrer und Urlauber», sagte Cameron. «Wir werden mehr Zäune, mehr Mittel, mehr Spürhunde-Staffeln schicken.» Die Flüchtlingskrise werde «den gesamten Sommer über ein schwieriges Thema» bleiben. Grossbritannien hat bereits umgerechnet 32 Millionen Euro zugesagt, um die Sicherheitsvorkehrungen auf der französischen Seite des Eurotunnels zu verstärken.

Auch Österreich erwägt neue Massnahmen im Umgang mit der Flüchtlingskrise - allerdings sollen nicht die Asylbewerber in die Pflicht genommen werden, sondern die Kommunen: Gemeinden ab 2000 Einwohnern sollen per Gesetz verpflichtet werden, Flüchtlingskontingente von ein bis zwei Prozent ihrer Bevölkerung aufzunehmen, kündigten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) an. Die Unterkünfte sollen auf Grundstücken und in Gebäuden entstehen, über die der Bund verfügt.

Bislang hatten sich die Städte und Gemeinden geweigert, genügend Flüchtlinge aufzunehmen, um das völlig überfüllte Aufnahmezentrum bei Wien zu entlasten. Dort mussten zuletzt über 2000 Menschen unter freiem Himmel übernachten. Mit dem Gesetz will Österreich nun 80'000 bis 160'000 Plätze schaffen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres kamen bereits 28'300 Asylwerber in das Land, täglich kommen im Schnitt weitere 250 dazu. Für das Gesetz, das in die Kompetenzen von Ländern und Gemeinden eingreift, benötigt die Regierung die Zustimmung einer Oppositionspartei.

mxw/Reuters/dpa

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 01.08.2015 11:08
    Highlight Grossbritannien handelt richtig. Den Engänder Ausländerfeinlichkeit vorzuwerfen ist unsinnig, ein Land, was schon aufgrund seiner ehemaligen Kolonien ein Vielvölkerstaat ist. Hier geht es darum, dass England nie dem Schengen-Abkommen beitrat und dass die Flut von illegalen Einwanderern, von Armutsflüchtlingen in die Sozialsysteme Englands auch deren Sozialsysteme, deren sozialen Zusammenhalt sprengen würden. England hat eine hohe Kriminalität, es gibt schlimme Zustände, weil diese Menschen arbeitsmässig zu grossen Teilen nicht vermittelbar sind.
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    • zombie1969 01.08.2015 11:32
      Highlight 2)Ein Problem, mit dem derzeit auch das sehr aufnahmewillige Schweden kämpft, wo es inzwischen zu Ghettobildungen kommt und der Unmut der Bevölkerung gegen illegale Wirtschaftflüchtlinge stark zunahm. An welcher Stelle sollte denn ein Stop verhängt werden? Ab 1 Mio. oder 10Mio.? Der Rest von 50 Mio. auf der Flucht, wo soll der dann verbleiben? Derzeit ist es doch so, dass es nur die nach Europa schaffen, die genügend Geld für die Flucht haben. Die Ärmsten, die Kinder, die Kranken, Alten vegetieren in riesigen Flüchtlingscamps und interessieren hier niemanden, ihnen sollte mehr Hilfe zukommen.
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  • Addi 31.07.2015 18:05
    Highlight Flüchtlingsheime? Jedenfalls nicht bei uns. Baue 100, und 1000 kommen. Baue 1000, und 100.000 kommen..

    Hier ist nur die britische Linie erfolgreich. Außer, Du willst jedes Jahr 5 % Deiner Bevölkerung aufnehmen, in 10 Jahren dann 50 %, so lange, bist Du zustände wie im Busch hst - eben da, wo diese Menschen herkommen. Du hilfts niemand damit.
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  • blueberry muffin 31.07.2015 16:08
    Highlight Fuer 32 Millionen koennte man wohl auch Fluechtlingsheime bauen. Aber Zaeune sind auch etwas.
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    • TomTurbo 31.07.2015 16:14
      Highlight Für 32 Millionen könnte man in deren Herkunftsland noch weit mehr als nur ein paar Flüchtlingsheime organisieren-
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    • dä dingsbums 31.07.2015 16:30
      Highlight In deren Herkunftsland herrscht Chaos und Krieg. Da organisierst Du erst mal gar nichts. Ausser Waffen vielleicht.
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    • TomTurbo 31.07.2015 17:00
      Highlight Du meinst so Krieg wie momentan in Albanien dem Kosovo oder Mazedonien herrscht?!
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    • Anded 31.07.2015 18:07
      Highlight @tronco: Die Migranten "flüchten" von Frankreich nach England. Ja, es gibt ab und zu Unruhen in Frankreich, aber Chaos und Krieg finde ich etwas übertrieben.
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