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Tunesiens Ex-Diktator Ben Ali: Lebensabend mit 1,5 Tonnen Gold

Ben Ali war vor fünf Jahren der erste Autokrat, den das Volk aus dem Amt jagte – es war der Beginn des Arabischen Frühlings. Mit angeblich 1.5 Tonnen Gold floh Diktator aus Tunesien nach Saudi-Arabien. Was macht er dort eigentlich?

27.01.16, 22:02

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Unmittelbar vor der Flucht aus Tunis liess Gattin Leila angeblich noch rasch 1.5 Tonnen Gold in das Privatflugzeug bringen. Dann entschwand Diktator Zine el-Abidine Ben Ali aus seiner Heimat Tunesien – vermutlich für immer. Ziel: Saudi-Arabien. Von dem Schatz soll die Familie nun im Exil zehren.

Ben Ali war der erste arabische Autokrat, der von seinem Volk aus dem Amt gejagt wurde, zu Beginn des Arabischen Frühlings vor fünf Jahren. Am 14. Januar 2011 setzte sich der damals 75-Jährige ab.

Der frühere Herrscher residiert mit Gattin, seiner 22-jährigen Tochter Halima und seinem 11-jährigen Sohn Mohamed unter dem Schutz der Königsfamilie in einer Luxussiedlung in der saudischen Hafenmetropole Dschidda. Dort lebte schon der ehemalige ugandische Diktator Idi Amin nach seinem Sturz 24 Jahre lang unbehelligt bis zu seinem Tode im Jahr 2003.

Gestürzte Machthaber: Ben Ali mit Muammar al Gaddafi 2003.
Bild: EPA

Die Saudis schirmen ihren Gast nach allen Seiten ab. Nur zwei Lebenszeichen des Ex-Diktators sind seither nach aussen gedrungen: Im Oktober 2011 nahm er an der Trauerfeier für den verstorbenen saudischen Kronprinzen Sultan ibn Abd al-Aziz teil.

«Herr Ben Ali möchte keine Details preisgeben»

2013 postete Ben Alis Sohn Mohamed mehrere Bilder auf Instagram, auf denen der gestürzte Machthaber zu sehen war. Sie zeigten einen zufrieden und gesund wirkenden Endsiebziger mit schwarzgefärbten Haaren. Auf einem Foto trägt Ben Ali einen gestreiften Pyjama, inzwischen hat Ben Ali Junior den Instagram-Account gelöscht.

«Herr Ben Ali möchte keine Details über sein Leben preisgeben», teilt sein libanesischer Anwalt Akram Azoury mit. Tunesische Medien berichten, dass der Exilant über das Internet regelmässig in Kontakt mit Geschäftsleuten in seinem Heimatland stehe und über die Entwicklungen auf dem Laufenden sei. Auch seine drei erwachsenen Söhne aus erster Ehe leben noch immer in Tunesien.

Zurück kann er nicht, jedenfalls nicht als freier Mann. Schon 2011 verurteilte ein Gericht in Tunis Ben Ali und seine Frau in Abwesenheit zu jeweils 35 Jahren Gefängnis und einer Strafzahlung von umgerechnet mehr als 45 Millionen Euro. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich die Präsidentenfamilie über Jahre Reichtümer angeeignet hatte, die schliesslich ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes umfassten.

Ben Ali im Jahre 2007.
Bild: EPA

In einem weiteren Verfahren wurde Ben Ali 2013 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er während der Revolution 2011 die Sicherheitskräfte zum Mord an Demonstranten angestiftet haben soll. Nach offiziellen Angaben wurden bei den Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstranten vor fünf Jahren 388 Menschen getötet.

Saudi-Arabien verweist auf «islamische Barmherzigkeit»

Die ehemalige First Lady Leila veröffentlichte 2012 ihre Memoiren «Meine Wahrheit», in denen sie alle Anschuldigungen brüsk zurückwies und die 24 jährige Alleinherrschaft ihres Mannes als Zeit des Wohlstands und der Stabilität für alle Tunesier verklärte. In einem Interview bestritt sie zudem Gerüchte, die seit dem Sturz immer wieder kursierten: Ihr Mann habe weder einen Schlaganfall erlitten noch sei er ins Koma gefallen. Und um die Ehe stehe auch alles zum Besten. Von Trennung könne keine Rede sein.

Tunesiens Justiz hat zwei internationale Haftbefehle gegen den einstigen Staatschef und seine Gattin ausgestellt. Saudi-Arabien weigert sich jedoch, Ben Ali auszuliefern. Das Königshaus verweist auf seine Gastfreundschaft und «die islamische Barmherzigkeit».

Vom einstigen Wirtschaftsimperium ist hingegen nicht mehr viel übrig. Früher kontrollierten Angehörige der First Lady Supermarktketten, Telekommunikationsfirmen und Medienunternehmen. Ein Teil wurde inzwischen privatisiert, der Rest steht unter der Kontrolle von Treuhändern, die vom Staat eingesetzt wurden.

Ein Überblick über die Staaten des Arabischen Frühlings, fünf Jahre danach:

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Furosimo 28.01.2016 09:06
    Highlight Die reden von "islamischer Barmherzigkeit" und im gleichen Atemzug werden Opositionelle Schiiten hingerichtet. Wie können wir es uns nir erlauben mit solch einem Staat Geschäfte zu machen?!
    10 1 Melden
  • ramonke 27.01.2016 22:21
    Highlight diese ungerechtigkeit ist doch schon zum kotzen. Leute wie Idi amin haben es verdient am strick oder im gefängniss zu sterben und nicht mit millionen den lebensabend zu verbringen
    23 3 Melden

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