International

Darum hat Ecuador Assange das Internet abgedreht 

19.10.16, 13:49 19.10.16, 14:22

Ecuador hat bestätigt, dass es die Internetverbindung des Wikileaks-Gründers Julian Assange gekappt hat. Dies, nachdem die Enthüllungsplattform gehackte Dokumente von Hillary Clintons Wahlkampfmanager veröffentlicht hatte.

Ecuadors Aussenministerium erklärte am Dienstag, es habe entschieden, die Internetverbindung Assanges in der Londoner Botschaft «vorübergehend einzuschränken». Er betonte, Ecuador sei gegen die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten.

Julian Assange ist derzeit offline. Bild: EPA/DPA

Nichteinmischung in den US-Wahlkampf

«Die Regierung Ecuadors respektiert das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten», erklärte das Ministerium. «Sie mischt sich nicht in externe Wahlprozesse ein und bevorzugt auch keinen bestimmten Kandidaten.» Die zeitweilige Kappung von Assanges Internetverbindung bedeute aber nicht die «Verhinderung von Wikileaks journalistischen Aktivitäten».

Entsprechend seiner «Tradition der Verteidigung von Menschenrechten» stehe Ecuador weiter zum Asylrecht für Assange, hiess es weiter in der Erklärung. Quito bekräftige seine Absicht, Assanges «Leben und physische Integrität zu schützen», bis er an einen sicheren Ort gelangen könne.

Am Montag hatte Wikileaks dem südamerikanischen Staat vorgeworfen, Assanges Internetverbindung unterbrochen zu haben. Zugleich beschuldigte Wikileaks US-Aussenminister John Kerry, Druck auf Ecuador ausgeübt zu haben.

USA weisen Vorwurf zurück

Der US-Aussenamtssprecher John Kirby wies diese Vorwürfe am Dienstag zurück. Zwar sei die US-Regierung seit langem über Wikileaks «besorgt», doch habe sie mit dem Vorgang nichts zu tun.

Die Behauptung von Wikileaks, dass Kerry mit Ecuadors Präsident Rafael Correa am Rande der Zeremonie zur Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen Kolumbiens Regierung und der FARC-Guerilla am 26. September über dieses Thema gesprochen habe, sei falsch.

Assange lebt seit Juni 2012 in einem kleinen Zimmer von Ecuadors Botschaft in London, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen, wo ihn die Justiz zu Vorwürfen der Vergewaltigung befragen will. Der 45-jährige Australier befürchtet nach eigenen Angaben, von Stockholm in die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm ein Prozess wegen Geheimnisverrats drohen würde.

Whistleblower

Keine Lösung in Sicht

Auch vier Jahre nach Assanges Flucht in die Botschaft ist keine Lösung der Situation absehbar.

Wikileaks hatte zuletzt Dokumente vom E-Mailkonto von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta veröffentlicht, darunter drei bezahlte Reden, die die demokratische US-Präsidentschaftskandidatin für die Investmentbank Goldman Sachs gehalten hatte.

Clintons Wahlkampfteam wirft Russland vor, hinter dem Hackerangriff auf Podestas E-Mailkonto zu stecken. Zugleich beschuldigte es Wikileaks, Clintons republikanischen Rivalen Donald Trump zu begünstigen.

(sda/afp)

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8
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MikoGee 19.10.2016 15:55
    Highlight Wirklich? Der sich selbst ernannte, profilierte Retter der Meinungs- und Infortmationsfreiheit, welcher Wikileaks über sich identifizierte & mit in den Abgrund riss lässt sich von einer deaktivierten Leitung in die Schranken weisen? Wie ironisch, hatte er doch nach der Flucht und Asyl in der Botschaft noch die Demokratie Equadors angepriesen Dabei wird der Bevölkerung den Zugang zum Internet mehr als nur erschwert: Nur 4,2 % der Ecuadorianer nutzen das Internet, es gibt lediglich 11 Festnetz-Anschlüsse pro 100 Einwohner – weniger als halb so viele wie in Chile, Argentinien oder Brasilien!
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    • JayPi 19.10.2016 17:10
      Highlight Er hat etwa 90GB verschlüsselte Daten über bittorrent verbreitet und wird den Schlüssel herausgeben wenn nötig. Er wurde also nicht in die Schranken gewiesen denn selbst wenn er ausgeliefert werden sollte, sind die Daten bereits auf der ganzen Welt verfügbar und er muss nur kurz den key hochladen.
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    • MikoGee 19.10.2016 20:40
      Highlight Ich habe nicht behauptet dass WikiLeaks eingeschränkt wurde, auch wenn man den Namen gern über Assagne identifiziert, was im ürigen ein grosser Fehler war und immernoch ist.
      Das Enthüllungs-Netzwerk ist selbstverständlich weiterhin tätig, ich behauptete nur dass Assange wohl persönlich eingeschränkt sein wird!
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  • sheimers 19.10.2016 15:22
    Highlight Falls er ein Handy von Samsung hat kann er immerhin noch mit Rauchzeichen kommunizieren. :-)
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  • Bluetooth 19.10.2016 14:13
    Highlight Also in anderen Worten ist das ganz einfach Zensur. Es wird nur damit legitimiert, dass man sich nicht in fremden Angelegenheiten einmischen sollte.
    Nächstes Mal wenn ein Komiker sich über die Türkei lustig macht, stellt ihm das Internet ab. Ob nun Trump-Gegner oder nicht, dieses Thema hätte eine Schlagzeile verdient. Bei China und Russland würden jetzt alle aufschreien.
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    • MikoGee 19.10.2016 16:11
      Highlight Die Ironie dabei ist, dass er von Equador Asyl erhalten hatte, weil er eben genau wegen veröffentlichung solcher Daten verfolgt wurde.
      Und jetzt drehen Sie ihm den Saft ab weil er, Überraschung, einfach weiter tut, wofür Sie ihn in erster Linie in Schutz genommen haben! xD
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    • Echo der Zeit 19.10.2016 20:19
      Highlight Könnt mir vorstellen das sie ihn einfach langsam los haben möchten - der hängt da auch schon lange rum.
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    • MikoGee 19.10.2016 20:30
      Highlight Die britische Justiz hat angekündigt ihn wegen des internationalen Haftbefels, weil die schwedische Justiz wegen Verdachts der zweifachen Vergewaltigung ihn sprechen möchte, sofort verhaften und das Auslieferungsverfahren einleiten wird.
      Es ging also in erster Linie nicht um die Enthüllungen, vor deren Ermittlungen er floh, sondern um die Flucht vor den schwedischen Behörden. Aber 'stattlich-instrumentalisierte Verfolgung aufgrund von Enthüllungsjournalismus' klingt eben mächtiger und auch für die Medien interessanter als 'potentieller Vergewaltiger flüchtet vor ein paar heiklen Fragen'! ;)
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