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Nach der Bombenexplosion in Mogadischu sind zahlreiche Fahrzeuge in Flammen aufgegangen.  Bild: EPA/EPA

Opferzahl steigt: Mehr als 200 Tote bei Selbstmordanschlag in Mogadischu

15.10.17, 05:25 15.10.17, 18:03

Einen Tag nach dem verheerenden Selbstmordanschlag in der somalischen Hauptstadt steigen die Opferzahlen immer weiter. Medien berichten von weit über 200 Toten, nachdem ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen am Samstag in der Innenstadt explodiert war.

Angaben über die Zahl der Opfer gingen teils weit auseinander: Die Nachrichtenagentur AFP berichtete am Sonntag unter Berufung auf Polizeiangaben auf mindestens 137 Tote und rund 300 Verletzte. Die Nachrichtenagentur dpa schrieb von mehr als 231 getöteten und rund 300 verletzten Menschen; sie berief sich auf Aussagen eines Polizeifunktionärs und zwei Spitälern.

Der Polizeibeamte Ibrahim Mohamed sagte, es handle sich um «das schlimmste Attentat» in der Geschichte Somalias. Laut ihm könnte die Zahl der Toten noch weiter steigen, da einige der Verletzten in Lebensgefahr schwebten.

Der Leiter des Sanitätsdienstes von Mogadischu, Abdukadir Hadschi Aden, sagte, alle Spitäler seien voll mit Opfern. Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Auf belebter Kreuzung explodiert

Augenzeugen berichteten, ein Camion sei mit hoher Geschwindigkeit eine Strasse entlang gerast und habe im Stau stehende Motorräder sowie Autos überrollt oder aus dem Weg geschoben. Sicherheitskräfte hatten versucht, auf den Fahrer zu schiessen; er erreichte dennoch eine der belebtesten Kreuzungen in Mogadischu und sprengte sich und den Lastwagen dort in die Luft.

Der Anschlag hinterlässt Tod und Verwüstung. Bild: AP/AP

Die Explosion habe umliegende Gebäude massiv beschädigt, berichtete ein dpa-Reporter, der sich zur Zeit des Anschlags in der Nähe befand. Auch die diplomatische Vertretung Katars wurde beschädigt. Noch in Hunderten Metern Entfernung gingen Fenster zu Bruch, Türen wurden aus den Angeln gerissen.

Einige Gebäude stürzten teilweise ein. Der Bürgermeister von Mogadischu, Thaabid Abdi, eilte zum Anschlagsort und forderte Bagger an, um Trümmer wegräumen und Opfer bergen zu können.

Präsident macht al-Shabaab verantwortlich

Was genau das Ziel des Anschlags war, war zunächst unklar. In Hodan befinden sich zahlreiche Hotels, Restaurants und Geschäfte. Das Hotel «Safari», vor dem der Camion explodierte, ist bei Somaliern sehr beliebt, Regierungsvertreter sind dort aber nur selten anzutreffen.

Zielscheibe von Anschlägen der in Somalia aktiven Terrormiliz al-Shabaab sind in der Regel eher Hotels, in denen Regierungsmitarbeiter verkehren. Dennoch machte Präsident Mohamed die radikalen Islamisten für den Anschlag verantwortlich.

Zielscheibe des «schrecklichen Angriffs der Shabaab» seien unschuldige Zivilisten und nicht Regierungsvertreter gewesen, sagte er in einer Fernsehansprache.

Kein Frieden seit Jahren

Die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete al-Shabaab-Miliz kämpft im Land am Horn von Afrika seit Jahren gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats und hat sich den Sturz der von der internationalen Gemeinschaft unterstützten Regierung zum Ziel gesetzt.

Truppen der Afrikanischen Union (AU) hatten die Miliz 2011 aus Mogadischu vertrieben. Die bewaffneten Rebellen sind aber weiterhin im Land aktiv. Neben Angriffen auf somalische oder ausländische Militärstützpunkte verüben sie immer wieder auch Anschläge in Mogadischu. (cma/sda/dpa/afp)

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Andi Amo 15.10.2017 20:24
    Highlight Der Mensch kann schon ein krass krankes Wesen haben! Vor allem wenn man einigen noch ein heiliges Buch an die Hand gibt, dass das ganze kranke Treiben noch legitimiert.
    9 0 Melden
  • Menel 15.10.2017 18:47
    Highlight Was viele nicht sehen ist, dass vor allem Muslime unter dem islamischen Terror leiden. Dieser Anschlag verdeutlicht dies mal wieder. Leider. Und egal wo so etwas passiert, es ist eine menschliche Katastrophe. Man muss nicht aus der Kultur stammen, um zu verstehen, wie viel Leid dadurch Menschen angetan wird. Wir verspüren alle den selben Schmerz, wenn wir geliebte Menschen verlieren.
    Einfach nur traurig...
    10 1 Melden
  • Posersalami 15.10.2017 16:17
    Highlight RIP :(
    16 9 Melden
  • Nuka Cola 15.10.2017 12:21
    Highlight Tragisch, klar aussergewöhnliche Dimension, aber dennoch, ist doch in solchen Staaten "Daily Business", ich mein wie sollen die sowas verhindern, zumal der Nährboden für solchen Terror nunmal in den afrikanischen Ländern so fruchtbar ist, wie in keinem anderen Kontinent. Inwiefern wir, oder auch die Geschichte unserer europäischen Nationen daran Schuld haben darf jeder für sich selbst bestimmen.
    33 43 Melden
  • Radiochopf 15.10.2017 06:57
    Highlight Pray for Mogadischu in den Sozialen Medien und der Eiffelturm in Paris wird sicher auch für Mogadischu leuchten nächste Nacht und alle Politiker in Europa werden in den Medien ihr Mitleid bekunden -nicht! Hier sieht man wiedermal das ein Menschenleben nicht gleich viel Wert hat bei den Medien, bei den Politiker und uns... dabei sind das genauso unschuldige Opfer wie in Las Vegas, Barcelona oder Berlin... interessieren tut‘s aber niemanden und es ist ja auch so weit weg und hat nichts mit uns zu tun.. das ist leider total falsch!
    138 49 Melden
    • Hoppla! 15.10.2017 10:40
      Highlight Der Mensch ist nun mal sehr regionalbezogen und alles ausserhalb des persönlichen Umfelds interessiert nicht. Umso mehr als, dass Afrika für viele völlig unbekannt ist und einen viel zu schlechten Ruf besitzt.

      Ich behaupte auch, dass der Durchschnittsbürger gar nicht weiss wo und was Mogadischu ist.
      74 16 Melden
    • Lukas Küng (1) 15.10.2017 11:16
      Highlight Es bringt aber auch nichts, wenn wir Anteilnahme heucheln. Wir sollten uns nur bewusst werden, das wir in Europa nicht die einzigen sind welche unter dem Terror im Namen des Islams leiden. Die Hauptbetroffenen sind diejenigen, welche in den Ländern dieser Terrorgruppen leben und dort tagtäglich ihrem viel massiveren Terror leiden müssen.

      111 2 Melden
    • Hierundjetzt 15.10.2017 12:29
      Highlight Radiochopf: In Somalia herrscht Krieg. Das ist nicht einfach so ein Terroranschlag. Sonst Bitte auch Pray for Juba (Südsudan), Pray vor Bangui (ZAF) oder Pray for Nyamei (Niger) Orte die Du wohl jetzt zuerst mal auf google maps nachschauen musst.

      In der gesamten Subsahara von Mali bis Somalia herrscht ein mörderischer Krieg. Ist alles nachzulesen in internationale Medien. Deutschland, Frankreich und die pöse pöse USA helfen mit Soldaten den Staaten dort gegen die Schlächter von Boko Haram und den IS. Das kuhle Russland überfällt dagegen lieber Nachbarländer und unterstützt den Assad.
      29 30 Melden
    • 's all good, man! 15.10.2017 14:49
      Highlight Ganz so einfach ist das nicht. Die Medien schreiben ja auch nur darüber, was wir alle anklicken. Artikel über Anschläge in Somalia oder Afghanistan oder sonstwo verschwinden beispielsweise immer ziemlich rasch wieder von der Frontseite von watson und erhalten oft nur sehr wenige Kommentare. Warum? Weil es scheinbar vor allem auch die Leser nicht interessiert...
      49 1 Melden
    • Hptm Arnold Schick 15.10.2017 16:16
      Highlight Danke für diesen Kommentar Radiochopf. Man kann sich auch durch die TV-Sender zappen, ohne irgendwo auf breaking news zu stossen...
      3 0 Melden
    • Posersalami 15.10.2017 16:22
      Highlight @Hierundjetzt: Ja genau, der gute Westen kämpft gegen den bösen Terror!

      Leider ist es so, dass BH und der IS undenkbar gewesen wären ohne dass der gute Westen herumbombrn musste. Boko Haram hätte es mit einem stabilen Lybien nicht gegeben, den IS hätte es mit einem stabilen Irak nie gegeben. Beide Länder wurden geundlos vom Westen ins Chaos gebombt. Und jetzt kommt das aller beste, man versucht mit weiteren Bomben das Problem zu lösen! Dass das nicht klappen kann muss jedem denkenden Menschen klar sein.
      20 22 Melden
    • Rendel 15.10.2017 16:33
      Highlight Die meisten Leser interessiert es nur dann, wenn Flüchtlinge vor unserer Haustür stehen und dann wird noch behauptet es sind Wirtschaftsflüchtlinge.
      28 22 Melden
    • Hierundjetzt 15.10.2017 16:49
      Highlight Poser: Boko Haram heisst Bildung ist schei*** die sind nicht in Lybien sondern im Niger. Soviel zum Thema.

      Ich fasse zusammen:

      es ist Dir also herzlich egal, dass ein Killerkommando ganze Dörfer niedermetzelt?

      Es ist Dir egal, dass Niger, ZAR oder Südsudan keine starke Staaten sind und daher hoffnungslos überfordert mit diesen Terrorkommandos? Die Ihre eigenen Landsleute umbringen

      Genozid in Darfur schon wieder vergessen?

      Einfach weil selber schuld weil vor 200 Jahren mal Frankreich dort war?

      Eine unglaubliche Arroganz die Du da an den Tag legst 😡

      20 5 Melden
    • _kokolorix 15.10.2017 16:50
      Highlight Selbstverständlich sind 200 Bewohner von Mogadischu nur den Bruchteil von 50 Konzertbesuchern in Las Vegas wert. Auch wenn alle das verleugnen, ist es eine Tatsache. Stellt euch vor es würden jährlich ein paar tausend Europäer sterben weil ihre Regierung tatenlos zusieht wie sie von Verbrecherbanden getötet werden. Undenkbar. Keine demokratische Regierung kann sich das Leisten. Aber im Fall der Mitelmeerflüchtlinge ist das absolut kein Problem, sind ja alles Fremde die man sowieso nicht hier haben will...
      8 6 Melden
    • Posersalami 15.10.2017 18:47
      Highlight @Hierundjetzt: Ein grossteil ihrer modernen Waffen hat BH aus den Arsenalen von Lybien. Die wurden verkauft nachdem Lybien ins Chaos gebombt wurde.

      In wir fern kämpft der Westen eigentlich gegen Boko Haram?
      1 0 Melden
    • Ollowain 15.10.2017 20:19
      Highlight Hierundjetzt mit seiner ewiggestrigen USA-Propaganda... Lies mal Brzezinski (ehem. Berater des weissen Hauses), dann weisst du was du von deinen heroischen Freunden aus dem US-Imperium halten kannst... Vielleicht nützt bei dir aber auch das nicht viel.
      2 1 Melden
    • Eine_win_ig 15.10.2017 20:33
      Highlight Kokolorix: ja, jetzt reklamieren Sie den Einsatz von westlichen Truppen und Regierungen. In 10 Jahren dann posaunen Sie à la Posersalami "war ja klar, so wie sich der Westen verhalten hat".
      Das positive daran: man hat immer Recht.
      Länder wie Ruanda zeigen, dass es auch anders gehen kann. Da hat sich übrigens der Westen (die UNO), als es 1994 wirklich heiss wurde und 13 Belgier starben, praktisch komplett zurückgezogen. Also war das Eigenleistung dort unten.

      1 0 Melden
    • Posersalami 15.10.2017 22:17
      Highlight @Eine_win_ig: Dummerweise lassen sich Ruanda, Somalia oder der Irak ziemlich schlecht vergleichen. Alle diese Konflikte haben andere Akteure mit unterschiedlichen Interessen, andere Bevölkerungsstrukturen usw.
      2 0 Melden
    • _kokolorix 15.10.2017 22:25
      Highlight @Eine_win_ig
      Kann dir nicht ganz folgen. Wo reklamiere ich 'den Einsatz von westl. Truppen und Regierungen'?
      Ich weise wirklich nur darauf hin, dass das Leben eines Nichtweissen weniger Wert hat, was sich in der Berichterstattung eindeutig niederschlägt.
      1 0 Melden

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