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Gemässigt islamistische Regierungspartei gewinnt Wahl in Marokko

08.10.16, 04:04 08.10.16, 07:04


In Marokko hat die gemässigt islamistische Regierungspartei PJD die Parlamentswahl gewonnen. Das geht aus vorläufigen Ergebnissen der Wahl vom Freitag hervor, die das marokkanische Innenministerium am Samstag veröffentlichte.

Die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) lag nach den Resultaten mit 99 Sitzen klar vor ihrer Hauptrivalin, der dem Königshaus nahestehenden liberalen Partei für Authentizität und Modernität (PAM), mit 80 Sitzen.

Die PJD regierte bisher in einer Koalition mit Kommunisten, Liberalen und Konservativen. Ihre Anhänger kommen vor allem aus der städtischen Mittelschicht, während sich die PAM vor allem auf Bewohner der ländlichen Gebiete und die marokkanische Elite stützt.

In ihrem Wahlkampf präsentierte sich die PAM als «Verteidigerin der bürgerlichen Freiheiten» und der Frauenrechte. Zugleich kritisierte sie eine schleichende Islamisierung der Gesellschaft. Die PJD unter Ministerpräsident Abdelilah Benkirane versprach ihrerseits, die von ihr begonnenen Wirtschafts- und Sozialreformen fortzusetzen.

Steigende Arbeitslosigkeit

Zwar ist es der PJD seit 2011 gelungen, das Haushaltsdefizit zu senken und einige Reformen einzuleiten. Kritiker aber machen sie für eine steigende Arbeitslosigkeit verantwortlich und werfen ihr vor, zu wenig gegen die Korruption im Land zu unternehmen. Zudem leidet Marokkos wichtiger Agrarsektor unter der schweren Dürre in diesem Jahr.

Unter dem Eindruck massiver Strassenproteste im Gefolge des «Arabischen Frühlings» hatte König Mohammed VI. im Sommer 2011 in einer Verfassungsänderung die Rolle des Parlaments sowie die Position des Ministerpräsidenten gestärkt. Nach Einschätzung von politischen Analysten trifft der König aber weiter in allen wichtigen strategischen Fragen die Entscheidungen.

Zur Wahl am Freitag aufgerufen waren knapp 16 Millionen Stimmberechtigte. Um die 395 Mandate hatten sich Kandidaten von rund 30 Parteien beworben. Rund 4000 Beobachter, darunter 92 aus dem Ausland, überwachten den Urnengang. (sda/afp)

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59Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Posersalami 08.10.2016 12:23
    Highlight Wenn man sich Wikipedia zur Partei durchliesst, klingt deren Programm doch ganz vernünftig!
    4 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 13:10
      Highlight Schön wärs!
      Die Realität sieht leider etwas anders aus.
      Aber wer weiss, viell. bessert es dort (Ich glaube kaum daran). Immerhin haben sie einen einigermassen pragmatischen König.
      Trotzdem wurden und werden diverse Minderheiten und Regimekritiker verfolgt und Pressefreiheit gibt es natürlich auch keine, dafür eine immense Arbeitslosigkeit und Korruption.
      2 1 Melden
    • Posersalami 08.10.2016 13:18
      Highlight Gibts dazu Berichte? Woher sind deine Infos, vor allem in Bezug auf die Partei? Weil sooo schlecht können sie es ja nicht macben, wenn sie die Wahlen gewonnen haben.
      3 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 08.10.2016 14:26
      Highlight Das hab ich auch gedacht und mich dann gewundert, warum es aus Marokko Flüchtlinge gibt.
      Quelle: div. Zeitungsartikel über Fluchtgründe von Marokkanern.
      2 0 Melden
  • sergi 08.10.2016 11:17
    Highlight Da wundern sich Europäer wie ein Land mit einer muslimischen Bevölkerung eine islamistische Partei wählen kann :-)
    5 2 Melden
  • rodolofo 08.10.2016 08:26
    Highlight "Gemässigt Islamistisch" klingt eigentlich wie CVP...
    Marokko scheint also tatsächlich auf dem Weg zur Europäischen Normalität zu sein.
    Wenn wir Tomaten aus Spanien beziehen, dann können wir auch noch einen kleinen Schritt weiter gehen, bis nach Marokko, wo das Klima im Winter noch trockener ist und weniger Fäulnis-Erreger vorhanden sind.
    Die Marokkaner, die ich kennengelernt habe, waren mir jeweils sehr sympathisch! Von einem Einwanderer weiss ich, dass er sich hier bestens integriert hat und zusammen mit seiner Frau (eine selbstbewusste Schweizerin) zwei herzige und lebenslustige Kinder hat.
    18 3 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 10:02
      Highlight <"Gemässigt Islamistisch" klingt eigentlich wie CVP...>

      Gab ja mal welche, die gedacht haben die Erdogans AKP sei so etwas wie die CDU/CSU. Offensichtlich habe manche Sie und die Herzchenverteilen noch immer nicht begriffen, dass "gemässigt" bei islamistischen Parteien nur heisst, dass sie die Islamisierung eines Landes langsam angehen, d.h. die Freiheit scheibchenweise abschaffen wollen. Ein Vergleich mit der CVP, bei der manche Vertreterinnen z.B. für die Fristenlösung gestimmt haben, geht nicht auf. Wenn schon könnte man das eher mit einer evangelikalen Partei wie der EDU vergleichen.
      9 8 Melden
    • rodolofo 08.10.2016 11:48
      Highlight @ Maracuja
      Gestern hätte ich Dir noch recht geben können.
      Heute muss ich Dir aber leider sagen, dass die CVP unter der Leitung von Gerhard Pfister scheibchenweise an den Rechtsnationalen Kurs der SVP herangeführt wird.
      Dabei zeichnet sich - ähnlich wie bei einem 2-Komponenten-Kleber- eine ungeniessbare Mischung aus Nationalismus und Christlichem Getue ab.
      Wenn der Rechtsbürgerliche Leim dann aushärtet, haben wir den steinharten Bürgerblock, an dem sich "die Anderen die Zähne ausbeissen werden", wie Gartenzwerg Merz (FDP) hämisch grinsend kommentieren würde, währenddem er seine Fünfliber zählt.
      1 2 Melden
    • Fabio74 08.10.2016 12:28
      Highlight nun ja man müsste dann noch den dunklen Fleck "Westsahara" klären
      3 0 Melden
    • Rukfash 08.10.2016 13:42
      Highlight Den Marokanern ist es auch egal das 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Nazi Partei gewählt hat.. jetzt lasst es Blitzli regen :)
      4 2 Melden
    • Maracuja 08.10.2016 14:07
      Highlight @Rodolofo

      Ich habe nie CVP gewählt, da ich mich von bürgerlichen Parteien nicht vertreten fühle. Dass sich die CVP zurzeit weg von der "Mitte" bewegt, gebe ich Ihnen Recht. Ich zweifle aber daran, dass Pfister alttestamentarisches Strafrecht wieder einführen möchte. Wer islamistische Parteien mit Parteien wie CDU oder CVP vergleicht, ist sich offenbar nicht bewusst, dass Islamismus langfristig immer auf die Einführung der Scharia abzielt. Islamismus kann man eher mit amerikanischen Evangelikalen vergleichen, die unbedingt an der Todesstrafe festhalten.
      2 0 Melden
    • rodolofo 08.10.2016 14:41
      Highlight Ich wollte das auch nicht 1:1 gleichsetzen.
      Ausserdem sollten wir mit berücksichtigen, dass Arabische Gesellschaften sich (noch) in anderen Entwicklungs-Phasen befinden, als die Unsrige.
      Ich möchte das jetzt gar nicht werten!
      Gewisse Qualitäten sind in einem Gesellschafts-System besser ausgebildet worden, andere weniger.
      Trotzdem können wir hier festhalten, dass Marokko ein erfreulicheres Beispiel nach dem "Arabischen Frühling" abgibt, als z.B. Syrien und dass dieses Land in absehbarer Zeit an die EU "andocken" könnte.
      Eine "Europäische Perspektive" wiederum könnte für Marokko attraktiv sein.
      1 1 Melden

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