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Ein Pakistani mit seinem Sohn vor seinem Haus in einem Aussenbezirk von Islamabad. bild: keystone

Studie zeigt, was sich arme Leute leisten, wenn sie Geld geschenkt bekommen

14.12.16, 16:44 15.12.16, 01:39


«Was nützt es, armen Leuten Geld zu geben?! Sie kaufen damit eh nur Alkohol und Zigaretten!»

So lautet das gängige Urteil, wenn es um die finanzielle Unterstützung von Armen geht.

Eine neue Studie der World Bank und der Stanford University hat sich darum der Untersuchung dieses Vorurteils gewidmet. Anhand von Daten aus Afrika, Lateinamerika und Asien haben sie die Wirksamkeit von sogenannten Conditional und Unconditional Cash-Transfer-Programmen (CCT und UCT) untersucht. Das sind Wohlfahrtsprogramme vom Staat oder von Hilfswerken, bei denen Unterstützungsgelder an arme Familien ausgezahlt werden. Beim UCT ist der Verwendungszweck des Geldes nicht vorgegeben. Die CCTs werden hingegen an bestimmte Bedingungen geknüpft: Der Empfänger muss beispielsweise seine Kinder an einer öffentlichen Schule einschreiben oder gewisse Impfauflagen erfüllen.

In this April 12, 2016 photo, a boy who migrated from drought hit areas of the western Indian state of Maharashtra, carries water to his family's makeshift hut in Kukse Borivali, 85 kilometres (53 miles) north-east of Mumbai, India. Decades of groundwater abuse, populist water policies and poor monsoons have turned vast swaths of central and western India into a dust bowl, driving distressed farmers to suicide or menial day labor in the cities. (AP Photo/Rafiq Maqbool)

Ein indischer Junge trägt Wasser nach Hause, 85 Kilometer von Mumbai entfernt. Bild: AP

Kritiker solcher Sozialleistungen warnen davor, dass vor allem mit den bedingungslosen Geldtransfers nicht richtig umgegangen werde. Dass die Betroffenen sich damit einfach mit Alkohol und Zigaretten eindecken würden.

Doch die Meta-Analyse von David K. Evans und Anna Popova zeigt: Betroffene Familien lassen die Unterstützungsgelder vorrangig in die Bildung und Gesundheit ihrer Kinder fliessen.

Die beiden Studienleiter stützten sich bei ihrer Untersuchung auf 19 verschiedene Studien, die alle belegen, dass die finanziellen Zuschüsse in den untersuchten Haushalten keineswegs den Konsum von Tabak oder Alkohol erhöhen. Im Gegenteil. Es zeigte sich sogar, dass der Gesamteffekt der Geldtransfers auf den Konsum der genannten Genussmittel leicht negativ ist. 

Ein Mädchen läuft durch eine verlassene Strasse von Agadez, Niger. bild: ap

Warum? Dafür haben Evans und Popova drei verschiedene Erklärungen:

  1. Die Geldtransfers sorgen dafür, dass die betroffenen Familien mit ihren Finanzen anders umgehen. Vor dem finanziellen Zuschuss scheinen sich Investitionen in Bildung oder Gesundheit für sie nicht zu lohnen, danach aber umso mehr. Um den Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen zu können, reduzieren die Eltern womöglich ihren Alkohol- und/oder Tabakkonsum.
  2. Der «Fliegenpapier-Effekt»: So nennen Verhaltens-Ökonomen das Phänomen, dass geschenktes Geld vom Adressaten für den dafür vorgesehenen Zweck verwendet wird – selbst wenn er nicht dazu gezwungen wird. Geldtransfers, die also nicht an genaue Bedingungen und Kontrollen geknüpft sind, sondern einfach dem «Wohle der Familie» dienen sollen, werden folglich auch wirklich dafür eingesetzt.
  3. Solche Entwicklungsgelder werden generell an Frauen ausbezahlt. Und wenn diese über die Ausgaben des Haushalts entscheidet, wird das Geld auch nachweislich öfter für gesundes Essen, den Schulbesuch der Kinder und ärztliche Untersuchungen verwendet.

(rof)

Weitere Alltagsbeobachtungen aus der Welt: Von A bis Z

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • crik 14.12.2016 20:14
    Highlight Allen, sie sich fuer dieses Thema interessieren, empfehle ich das Buch "Poor Economics" von Abhijit Banerjee und Esther Duflo. Dort sind noch viel mehr solcher Studien und zahlreiche Beispiele beschrieben.
    19 0 Melden
  • Freddie 14.12.2016 17:39
    Highlight Werum ich Obdachlose kei Geld gibe
    1. Sie bruchets für Alkohol und Droge
    2. Ich bruchs für Alkohol und Droge.

    En ned konstruktive witz am rande.
    113 6 Melden
  • Tschiger 14.12.2016 17:33
    Highlight "Wenn das Geld an die Frauen ausbezahlt wird"
    Genau da liegt das Problem. Solange Männer unbestraft Gewalt an Frauen ausüben dürfen, ist die Effektivität dieser Spenden fraglich
    5 50 Melden
    • Salz & Pfeffer 14.12.2016 18:30
      Highlight Nicht nur das. Fraglich ist auch, wieviel % des gespendeten Gelds kommt tatsächlich dort an.

      Ist es nicht besser, wenn man gleich freiwilige Ärzte, Lehrer etc dorthin schickt?
      4 34 Melden
    • Tilman Fliegel 14.12.2016 18:52
      Highlight Freiwillige schicken?
      12 2 Melden
    • phreko 14.12.2016 21:31
      Highlight Salz&Pfeffer arbeitet auch gratis.
      12 3 Melden
    • lipangalala 14.12.2016 21:40
      Highlight @Salz & Pfeffer: Genau darum geht es ja, das Geld an Frauen verringert deren Abhängigkeit unter anderem von den Entscheidungen des Mannes im Bezug auf den haushalt, die Kinder, aber auch auf sie. Und nein, es ware nicht besser, Ärzte, Lehrer etc. "dorthin" zu schicken und die Abhängigkeit vom Westenr zu verlängern. Es ware eben besser, den Menschen zu ermöglichen, ihre Kinder zur Schule und an die Universität zu schicken, dass sie selbst Ärzte und Lehrer warden können.
      40 0 Melden
    • René Obi 15.12.2016 09:25
      0 0 Melden
  • Tilman Fliegel 14.12.2016 17:23
    Highlight Hauptursache Nr. 1 für Armut ist Mangel an Geld.
    57 5 Melden
    • Theor 14.12.2016 18:35
      Highlight Und Krankheiteh lassen sich ebenfalls Primär durch Geld heilen.

      Verrückter Zufall.
      31 0 Melden
  • René Obi 14.12.2016 17:14
    Highlight "...werden generell an Frauen ausbezahlt." Braucht es noch mehr dazu zu sagen?

    Eines der Hauptprobleme auf unserer Welt ist die wachsende Überbevölkerung. Bildung, nicht-religiös, vor allem für Mädchen, vor allem in patriarchischen Gesellschaften, ist meiner Meinung der Schlüssel.
    55 3 Melden
    • phreko 14.12.2016 21:32
      Highlight Als Faustregel kann man sagen, dass Männer an allem Übel auf dieser Welt schuld sind.
      13 1 Melden
    • lipangalala 14.12.2016 21:44
      Highlight Das Bevölkerungswachstum ist nicht mehr exponentiell, der Zuwachs hat inzwischen abgenommen. Je besser es Menschen geht, desto weniger Kinder haben (und brauchen) sie. Das nennt man demografische Transition. Dabei hilft Bildung für Mädchen, die sich an den allermeisten Orten stark verbessert hat. Die Mär der Bedrohung durch enormes Bevölkerungswachstum ist jedoch hartnäckig. Nützliche Daten finden sich hier: https://www.gapminder.org/ignorance/
      10 4 Melden
    • Dunning Krüger Effekt 15.12.2016 07:24
      Highlight @lipangala: Beat the chimps! Beat the chimps! (non litteraly)
      3 0 Melden
  • Nicola Sigg 14.12.2016 16:58
    Highlight Denn gönned de arme lüüt doch wenigstens das. Wenn soscht sho nüt hend, denn gahts ne wenigstens för es paar Stunde guet
    20 21 Melden
    • Calvinandboby 14.12.2016 17:08
      Highlight Frage:
      Gibt es irgendwelche Aufzeichnungen oder ähnliches für deine Schriftsprache? Ich sehe das immer wieder, was logisch ist da dass eine Schweizer App ist, doch ist diese Mundart irgendwie Dokumentiert? Im Schweizer Duden vielleicht?
      12 75 Melden
    • lilie 14.12.2016 17:13
      Highlight @Nicola: Ich finde persönlich, dass die untersuchten Leute intelligenter gehandelt haben und das Geld in die Zukunft investierten.

      Saufen und rauchen kann man, wenn man wwiss, daas man auch morgen noch zu leben hat - oder wenn man auch durch Anstrengung nicht vorwärts kommt.
      19 1 Melden
    • Chihirovocale 14.12.2016 18:28
      Highlight @Calvinandboby
      Wenn du schon die schweizer Mundart kritisiert - warum steht Dir das eigentlich zu? - Erwarte ich ein korrektes Standarddeutsch von dir, siehe: "...da dass [sic!] eine Schweizer App ist..."
      Zur Erläuterung http://www.das-dass.de

      Übrigens verschwindet die schweizer Mundart sowieso immer mehr oder verliert ihre regionaltypischen Ecken und Kanten, was ich persönlich schade finde. Vor der Standardisierung der deutschen Sprache hat auch jeder geschrieben wie er es für richtig hielt... Was genau ist daran schlimm?
      27 12 Melden
    • Marry.Daveson 14.12.2016 19:31
      Highlight @calvinandboby

      https://www.idiotikon.ch
      5 0 Melden
    • Simon Kopp 14.12.2016 21:01
      Highlight @Calvin
      Lass ihn doch! Solange wir ihn verstehn soll er schnurre wie em de Schnabel gwachse isch 😜
      7 1 Melden
  • guby 14.12.2016 16:54
    Highlight Kann es sein, dass ihr im Artikel CCTs und UCTs verwechselt habt? "Unconditional" sollte doch eher ohne Bedingungen sein? Würde ich zumindest intuitiv sagen.
    29 0 Melden
    • Anna Rothenfluh 14.12.2016 17:07
      Highlight Du hast intuitiv und auch sonst vollkommen recht. Da ist mir was durcheinander geraten, habs korrigiert. Danke!
      24 2 Melden
  • Hexentanz 14.12.2016 16:53
    Highlight lol:

    [...]
    Entwicklungsgelder werden generell an Frauen ausbezahlt. Und wenn diese über die Ausgaben des Haushalts entscheidet
    [...]

    Also 80% der Armen, meist konservativ religiösen Länder ausgeschlossen, ja?
    9 64 Melden
    • Hoppla! 14.12.2016 17:09
      Highlight Da sieht man, dass du wohl noch selten in solchen Ländern warst. Meist ist die Frau die Innenministerin und nicht häufig auch die Schatzmeisterin.

      Und, dass 80% konservativ religiös sind, finde ich interessant. Quellen?
      66 3 Melden
  • xorox 14.12.2016 16:51
    Highlight Ist das effektiv so, dass CCT an keine Bedingung geknüpft ist? Denn conditional heisst abhängig, vorbehaltlich etc. Siehe auch Wikipedia Eintrag zu CCT / UCT.
    11 0 Melden
    • Anna Rothenfluh 14.12.2016 17:08
      Highlight Du hast recht, ich habs zunderobsi gebracht, tschuldigung. Ist korrigiert. merci!
      12 2 Melden
  • Marco4400 14.12.2016 16:49
    Highlight Ich muss dem leider widersprechen. Gesternmittag sprach mich ein junger Mann vor der Migros an. Er fragte mich ob ich ihm vielleicht 20.- geben könnte, im Umtausch sollte ich einen 20.- Gutschein der Migros bekommen, den er am Morgen vom Sozialamt bekam. Raten Sie doch bitte mal was er sich kaufen wollte.
    Tipp: Es ist nicht in der Migros erhältlich.
    33 67 Melden
    • Saraina 14.12.2016 16:57
      Highlight In der Schweiz sind Schnorrer meist Randständige oder/und abhängig von Alkohol und Drogen. Im Artikel geht es um wirklich arme Menschen, wie es sie in Niger oder Indien gibt, nicht aber hier, wo jeder zu einem Dach über dem Kopf und einer warmen Mahlzeit kommt, wenn er wirklich will, und wo die Schulbildung gratis, Kinderarbeit aber verboten ist.
      104 3 Melden
    • Sandro Lightwood 14.12.2016 16:59
      Highlight Wow, jetzt hast du eine einzelne persönliche negative Erfahrung gemacht und scheinst daraus auf die Menge zu schliessen? Tipp: Als Populist würdest du Kariere machen so.
      115 10 Melden
    • Gigi,Gigi 14.12.2016 17:01
      Highlight Es geht hier nicht um die spezifisch Abhängigen hier in der Schweiz. Sondern um die generell Armen in der Welt.
      44 2 Melden
    • saukaibli 14.12.2016 17:05
      Highlight Lies den Artikel nochmal durch und überdenke denen Kommentar noch einmal.
      44 1 Melden
    • Calvinandboby 14.12.2016 17:16
      Highlight Unglaublich deine Generalisierung.
      "Hast du davon gehört das ein Ausländer ein deutsches Mädchen umgebracht hat?" - "Ja wir sollten ihre Heime anzünden und die alle abschieben " - Dummheit.
      Und wie Saraina bereits richtig erwähnt hat hast du den Artikel nicht ganz verstanden.
      45 4 Melden
    • Silent_Revolution 14.12.2016 17:33
      Highlight Wie willst du dem jetzt widersprechen? Selbst wenn du den Handel eingegangen wärst, hättest du ihm absolut nichts geschenkt und er hätte sich von seinem und nicht von deinem Geld die Drogen gekauft.
      29 2 Melden
    • DrPop 14.12.2016 18:24
      Highlight Natürlich wird ein Drogensüchtiger den nächsten Fix als oberste Priorität haben. Hier geht es aber um unterpriviligierte Familien und wie diese mit unkonditionellem Geld umgehen. Wie immer ist also jede Lösung dem spezifischen Problem zuzuschreiben: gebt armen Familien, welche Nahrung, Kleidung und Bildung brauchen Geld in die Hand und gebt Süchtigen Gutscheine in die Hand.
      16 0 Melden
    • Gelegentlicher Kommentar 14.12.2016 19:08
      Highlight Marco4000: abgesehen davon, dass in diesem Artikel offensichtlich diese Art von Armut in der Schweiz gemeint ist (was deinen Kommentar sowieso überflüssig macht):

      Du hast dieser Person die 20.- wohl kaum mit der Zielbestimmung "zum Wohle der Familie" gegeben?
      5 0 Melden

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