Irak
epa04261798 Iraqi Shiite gunmen carry weapons during a demonstration in Baghdad's Shuala district, Iraq, 16 June 2014. Jihadist militants fighting the Iraqi government on 16 June claimed further advances in the north of the troubled country, as neighboring Jordan doubled its forces on the border. The rapid advance of The Islamic State in Iraq and the Levant (ISIL) and other fighters from Iraq's Sunni minority - who complain of discrimination at the hands of al-Maliki's Shiite-led government - has caused international concern.  EPA/STR

Isis-Kämpfer im Irak: Dutzende Zivilisten getötet Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Irak-Krise

Heftige Gefechte mit Isis-Kämpfern nahe Bagdad

Die Dschihadisten überrennen den Irak: Eine Stadt nahe Bagdad brachten sie kurzzeitig unter ihre Kontrolle, zahlreiche Menschen flohen. Der Regierungschef der Kurden-Provinz erhebt schwere Vorwürfe gegen den irakischen Premier Maliki. 

17.06.14, 14:09

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Das irakische Militär liefert sich heftige Gefechte mit den Isis-Dschihadisten um die Stadt Bakuba. Wie die britische BBC berichtet, wurde die Stadt kurzzeitig von den Rebellen übernommen. Demnach hatten die Rebellen laut Augenzeugen mehrere Stadtteile unter ihrer Kontrolle, bis Regierungstruppen sie zurückgewinnen konnten. Die Gefechte um die Stadt halten offenbar weiter an.

Zahlreiche Anwohner sind den Berichten zufolge inzwischen aus der Stadt geflohen. Bakuba liegt ungefähr 60 Kilometer von der Hauptstadt Bagdad entfernt, die die Dschihadisten als Ziel ihres Feldzugs ausgegeben haben.

Zuvor hatten die Rebellen die nördliche Stadt Tal Afar nach schweren Kämpfen erobert. Tal Afar ist mehrheitlich von Schiiten bewohnt, die Stadt liegt auf einem für die Isis-Miliz strategisch wichtigen Korridor nach Syrien. Die Terrorgruppe – «Islamischer Staat im Irak und in Syrien», kurz Isis – ist eine sunnitische Allianz, die auch in Syrien aktiv ist.

Ban Ki Moon fordert Gespräche

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte den irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki daraufhin auf, Gespräche zu führen um die Gewalt zu stoppen. Regierungen, die die Menschenrechte missachteten, würden einen «Nährboden für Extremismus und Terrorismus» schaffen.

Auch der Regierungschef der kurdischen Provinzen im Nordirak richtete sich an Maliki. Nechirvan Barsani schlägt Autonomie-Regionen für sunnitische Muslime in dem konfliktgebeutelten arabischen Land vor. Der kurdische Ministerpräsident sagte dem Nachrichtensender BBC, der beste Weg aus der Krise wäre die Einrichtung einer eigenständigen Sunnitenregion – ähnlich der autonomen kurdischen Gebiete.

Im Norden des Irak verfügen die Kurden seit langem über grosse Autonomie. Im Zuge der Isis-Offensive haben sie angrenzende Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht. 

«Es gibt im Moment kein Vertrauen»

Barsani warf Maliki vor, die Sunniten mit seiner Politik systematisch ausgeschlossen zu haben. «Es gibt im Moment kein Vertrauen», sagte er und fügte hinzu: «Es ist nahezu unmöglich, dass der Irak zur Politik aus der Zeit vor Mossul zurückkehrt.» Die Millionenstadt im Norden des Landes wurde vor einer Woche von den Isis-Dschihadisten eingenommen.

Diplomatisch hat der Konflikt im Irak zu einer Annährung zwischen Iran und den USA geführt. Laut dem iranischen Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif gab es am Rande der Atomverhandlungen in Wien zwischen den beiden Ländern Gespräche über die Krise im Iran. «Ja, wir haben auch die Brutalitäten der Isis im Irak besprochen», sagte Sarif. Teheran hatte mehrmals beteuert, bei den Gesprächen mit Burns gehe es nur um das iranische Atomprogramm. Dann kam die Irak-Krise aber doch noch auf die Agenda. «Es war logisch, dass auch die Krise im Irak zur Sprache kam», sagte Sarif.

Zuvor hatten bereits US-Vertreter die Gespräche mit iranischen Gesandten bestätigt. Washington sei bereit, sich sowohl mit Teheran als auch mit anderen Mächten in der Region über das Vorgehen gegen die Isis-Kämpfer abzustimmen, sagte Medienberichten zufolge ein hochrangiger Vertreter des US-Aussenamts. Eine Koordinierung militärischer Massnahmen werde es aber nicht geben. (kes/dpa/Reuters/AFP)

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 18.06.2014 11:51
    Highlight Den Isis-Kämpfern scheint es an nichts zu fehlen, um einen ganzen Staat vor sich hertreiben zu können. Wie die Taliban in Afghanistan, Boko Haram in Nigeria etc.
    Eine gefährliche Situation bei der alle genau wissen, wer dahinter steckt, aber keiner es wagt, es auszusprechen.
    Solange die sunnitischen Herrscherhäuser eine derart globale Macht ausüben können, wird die Gewalt noch lange andauern und sich weiter ausbreiten.
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