Irak
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Wozu?

Während der Staat auseinanderbricht, plant Irak ein neues Parlamentsgebäude für eine Milliarde Dollar

27.06.14, 11:49 27.06.14, 14:18

Nächsten Dienstag, knapp drei Monate nach den letzten Wahlen, soll in Bagdad endlich das irakische Parlament zusammenkommen, um eine neue Regierung zu bilden. Der amtierende schiitische Premierminister Nuri al-Maliki steht angesichts des Chaos im Land unter Druck, einer neuen Führung der nationalen Einheit Platz zu machen. Ob er einwilligt ist ungewiss – ebenso wie eine Einigung der zerstrittenen religiösen und ethnischen Volksgruppen. 

Momentan stehen die Zeichen im Irak eher auf Auflösung. Vor diesem Hintergrund mutet das Vorhaben der Regierung bizarr an, dem Parlament einen neuen Palast zu bauen. Die Pläne für den eine Milliarde teuren Gebäudekomplex stammen von der irakischen Stararchitektin Zaha Hadid. Eine Realisierung erscheint angesichts der prekären Sicherheitslage aber unwahrscheinlich.

Zaha Hadid. Bild: Getty Images AsiaPac

Zudem hatte nicht Hadid, sondern das britische Architekturbüro Assemblage den 2012 durchgeführten Wettbewerb für das neue Parlamentsgebäude gewonnen. Obwohl sie das Preisgeld von 250'000 Dollar entrichteten, sahen sich die irakischen Abgeordneten nicht an das Resultat gebunden. Sie gaben ihrer prominenten Landsfrau den Vorzug, die mit ihrem Projekt auf Platz 3 gelandet war. 

Siegerprojekt von Assemblage

Hadids Pläne sind bislang entgegen der Usanz nicht veröffentlicht worden. Die 1950 in Bagdad geborene Architektin zeichnet bereits für das neue Gebäude der irakischen Zentralbank verantwortlich. Angesichts des Chaos in ihrer Heimat soll sie sich bereit erklärt haben, ihr Honorar von 46 Millionen auf 30 Millionen britische Pfund zu senken.

Zaha Hadids Plan für die neue irakische Zentralbank. Bild via Zaha Hadid Architects

Bekannt ist einzig der Standort des Milliardenbaus: Ein verlassener Luftwaffenstützpunkt im Westen Bagdads, wo Saddam Hussein ebenfalls ein Riesenprojekt geplant hatte. Die Bauarbeiten an der Megamoschee kamen mit der US-Invasion 2003 zum Erliegen. Bis heute zeugen ein paar einsame Säulen von der Frömmigkeit des Diktators.

Die Überreste von Saddam Husseins geplanter Megamoschee. via skyscrapercity.com

Zaha Hadid geriet zuletzt für ihre Gleichgültigkeit gegenüber den hunderten tödlich verunfallten Bauarbeitern unter Druck, die in Katar die Stadien für die Fussball-WM 2022 bauen. Sie entwarf eine der Stätten, das Al-Wakrah-Stadion.

Geplantes Al-Wakrah-Stadion in Katar. Video: Youtube/AECOM

Bis der Prachtbau in der irakischen Hauptstadt steht, dürften die 325 Abgeordneten weiterhin im Baghdad Convention Center tagen. Dieses befindet sich wie alle Ministerien und ausländischen Botschaften in der wie eine Festung bewachten Grünen Zone.

US-Kampfhelikopter bewachen eine Session des irakischen Parlaments 2004 in der Grünen Zone Bagdads. Bild: AP

(kri via «Quartz»)

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Hören wir auf, dem Westen die Schuld an allen Problemen in Nahost zu geben

Zahlreiche Beobachter aber auch Orientalisten stellen sich auf den Standpunkt, dass die Würzel allen Übels im Nahen Osten in den Interventionen des Westens seit dem Ersten Weltkrieg liegen und sich letztlich immer alles ums Erdöl dreht. Das ist historisch falsch und für die aktuellen Probleme wenig zielführend.

Für den Flüchtlingsstrom aus Syrien und dem Irak gibt es laut dem deutschen Orientalisten Michael Lüders eine Erklärung: Der Westen ist selbst schuld. Indem er sich seit Jahrzehnten immer wieder politisch und militärisch einmischt, hat er die Region nachhaltig zerrüttet. Früher die europäischen Kolonialmächte, heute vor allem die USA. Stellvertretend für diese Haltung der Kommentar eines watson-Users:

Dazu sieben gängige Thesen, entsprechend sieben Gegenthesen und eine deprimierende Konklusion:

Mal …

Artikel lesen