Iran

Letzter Tag vor Fristablauf

Die Verhandlungen um Irans Atomprogramm könnten in die Verlängerung gehen

24.11.14, 05:52

Die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm gehen in Wien am Montag in die entscheidende Runde. Angesichts der Blockade bei den Gesprächen diskutierten Teheran sowie Vertreter der sogenannten 5+1-Gruppe am Sonntagabend über eine Verlängerung der Frist für ein endgültiges Abkommen.

Eigentlich läuft diese am Montag um Mitternacht aus. Die beiden grössten Streitpunkte blieben die Urananreicherung und die westlichen Sanktionen.

Verlängerung ist eine «Option»

Ein US-Diplomat sagte am Sonntagabend, zwar bleibe das Hauptaugenmerk weiter auf Schritte in Richtung eines endgültigen Abkommens gerichtet. Es sei aber klar, dass 24 Stunden vor dem Ablauf der Frist «eine Reihe von Optionen» diskutiert werde. «Eine Verlängerung ist eine der Optionen.»

Gequältes Lächeln: US-Aussenminister John Kerry (links) und der iranische Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif sind noch weit von einer Einigung im Atomstreit entfernt. Bild: HANDOUT/REUTERS

Den Angaben des US-Vertreters zufolge wurde die Möglichkeit einer Fristverlängerung am Sonntagabend sowohl innerhalb der Gruppe der fünf UNO-Vetomächte und Deutschlands (5+1) als auch mit dem Iran diskutiert. Der US-Vertreter äusserte sich nach einem Gespräch von US-Aussenminister John Kerry mit seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif.

Zwischenabkommen in Diskussion

Beide Verhandlungsseiten hatten ursprünglich vereinbart, bis Montag um Mitternacht ein endgültiges Abkommen über das umstrittene Atomprogramm Teherans zu schliessen. Sie stützten sich auf ein vor einem Jahr vereinbartes Übergangsabkommen. Aus verschiedenen Delegationen hiess es, dass auch eine Art Zwischenabkommen denkbar sei, weil man sich über viele Details noch nicht einigen kann.

Die Vereinbarung soll dem Iran die friedliche Nutzung der Atomtechnologie erlauben, zugleich aber verhindern, dass er in kurzer Zeit Atomwaffen entwickelt. Im Gegenzug für die Einschränkung des Atomprogramms sollen die internationalen Sanktionen aufgehoben werden, die im Iran eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst haben.

Zeitpunkt der Sanktionsaufhebung umstritten

Gestritten wurde nun in den vergangenen Tagen in Wien darüber, in welchem Umfang Teheran zur zivilen Nutzung Uran anreichern darf und wie schnell die Sanktionen aufgehoben werden. Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sagte dazu, beide Seiten lägen «in vielen Punkten noch auseinander». 

Das Verhandlungsteam des Westens: Laurent Fabius (Frankreich), John Kerry (USA), Catherine Ashton (EU), Philip Hammond (Grossbritannien) und Frank-Walter Steinmeier (Deutschland).  Bild: EPA/AFP

Steinmeier traf sich am Abend mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, der wiederum danach mit Kerry zusammenkam. Anschliessend trafen sich Steinmeier, Kerry, der britische Aussenminister Philip Hammond, der Franzose Laurent Fabius und die EU-Vermittlerin Catherine Ashton zu einem Arbeitsessen.

Hammond sagte zu den festgefahrenen Gesprächen, alle Seiten konzentrierten sich nun auf eine «letzte grosse Anstrengung» am Montagmorgen. Von einer Lösung seien die Verhandlungspartner indes noch «ein ganzes Stück entfernt». Es gebe einige komplexe Punkte, die noch geklärt werden müssten. Chinas Aussenminister Yang Yi wurde erst am Montag in Wien erwartet. (trs/sda/afp/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 24.11.2014 10:53
    Highlight Solange Russland atomar im Iran helfend mitmischt, wird es keine Übereinkunft in der Frage einer effektiven Nuklearkontrolle geben. An dieser Tatsache kommt nichts und niemand vorbei. Und deshalb sind die Verhandlungen überflüssige Show-Veranstaltungen, die keine brauchbaren Ergebnisse liefern werden. Bei den Iranern und den Saudis gibt es kriegslüsterne Falken, die ihr Gegenüber weiterhin als Todfeind betrachten. Gerade KSA hat kein Interesse an einem starken Iran, egal ob atomwaffenfrei oder nicht, und deshalb wird es keinen Frieden geben in der Region.
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