Islam

Impressionen aus Chinas muslimischem Westen

Die Welt der Uiguren

Die Region Xinjiang im äussersten Westen von China taucht fast nur dann in den Nachrichten auf, wenn es zu Ausschreitungen zwischen der ursprünglichen uigurischen Bevölkerung und den zugewanderten Han-Chinesen kommt. Diese Bilder zeigen den Alltag des unterdrückten Volks.

10.08.14, 18:10 11.08.14, 11:49

Allmählich werden die Uiguren zu einer Minderheit im eigenen Land: Durch die verstärkte Zuwanderung aus dem chinesischen Kernland seit den Neunzigerjahren stehen sich in der riesigen, aber dünn besiedelten Region mittlerweile rund zehn Millionen Uiguren und 8,4 Millionen Han-Chinesen gegenüber. 

Fototermin: Ein Junge wird hoch zu Ross vor der Id-Kah-Moschee in Kaschgar abgelichtet.  Bild: Getty Images AsiaPac

Zwischen den beiden Volksgruppen kommt es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen. Erst Anfang August wurden bei gewalttätigen Unruhen beinahe hundert Menschen getötet. Das muslimische Turkvolk wehrt sich gegen die systematische Ansiedlung von Han-Chinesen in seiner Heimat. 

Strassenszene in Kaschgar: Der Mann auf dem Roller führt ein Kamel und ein Pferd an der Leine.   Bild: Getty Images AsiaPac

Schwere Ausschreitungen gab es im Sommer 2009. Damals attackierten mit Messern und Knüppeln bewaffnete uigurische Demonstranten in der Hauptstadt Ürümqi Han-Chinesen, zündeten Autos an und stürmten Geschäfte. Bei den schlimmsten Zusammenstössen seit Jahrzehnten kamen fast 200 Menschen zu Tode. 

Warten auf den Bus in der Altstadt von Kaschgar.  Bild: Getty Images AsiaPac

Das früher Ostturkestan genannte Gebiet wurde 1949, nach der Machtübernahme der Kommunisten in Peking, friedlich in die Volksrepublik eingegliedert. Mittlerweile fühlen sich die Uiguren jedoch wirtschaftlich, politisch und kulturell von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Peking bezeichnet dagegen uigurische Demonstranten und Rebellen als Separatisten, religiöse Extremisten und Terroristen. 

Verschleierte Musliminnen vor einer Mao-Statue in Kaschgar. Bild: Getty Images AsiaPac

Das «Chinesische Wirtschaftswunder», Folge der wirtschaftlichen Liberalisierung Chinas unter Deng Xiaoping, hat auch Xinjiang erreicht. Nach wie vor profitieren aber vornehmlich zugewanderte Han-Chinesen vom steigenden Lebensstandard.

Hochzeitsfeier: Eine uigurische Braut mit einer Freundin.  Bild: Getty Images AsiaPac

Von 1964 bis 1996 führte China in Xinjiang (chin. für «neue Grenze») insgesamt 45 Atomtests durch. Nach den oberirdischen Atomtests – der letzte fand erst 1980 statt – berichteten Anhänger der uigurischen Unabhängigkeitsbewegung von mysteriösen Erkrankungen im Südwesten der Region. Von offizieller Seite wurden solche Fälle jedoch nie bestätigt. 

Gebet vor dem Essen: Uigurische Familie beim Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadans.   Bild: Getty Images AsiaPac

Das mit Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle gesegnete Xinjiang ist mit 1,66 Millionen km² – knapp ein Sechstel der Fläche der gesamten Volksrepublik – Chinas grösste Provinz. Die Bevölkerung ist seit den Fünfzigerjahren stark gewachsen; heute leben hier rund 22 Millionen Menschen. Das sind weniger als zwei Prozent der insgesamt 1,3 Milliarden Einwohner Chinas.

Unruheprovinz: Chinesische Soldaten vor der Id-Kah-Moschee in Kaschgar.  Bild: Getty Images AsiaPac

Festlich gekleidet für das Eid-al-Fitr-Fest: Eine uigurische Frau in der Altstadt von Kaschgar. Bild: Getty Images AsiaPac

Anprobe einer neuen Mütze: Uigurische Männer sind selten ohne Kopfbedeckung anzutreffen.  Bild: Getty Images AsiaPac

Freiluftrasur in Kaschgar. Bild: Getty Images AsiaPac

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • MediaEye 11.08.2014 15:31
    Highlight Mit Rohstoffen "gesegnet"? Wohl eher bestraft, denn darum ist das Interesse der Chinesen so gross.
    Leider passiert ihnen hier genau das Gleiche wie den Tibetern, sie werden von den Han-Chinesen dominiert und als völkische Minderheit zu Zirkusnummern für die Touristen umerzogen.
    Das Gleiche könnte auch den umliegenden Anreinerstaaten blühen, siehe Diskussionen um Einflussgebiet, resp. Ansprüche im chin. Meer (Japan, Vietnam, Philipinen, Malaysia, Indonesien)
    2 0 Melden
  • Frausu 11.08.2014 14:11
    Highlight Interessanter Beitrag mit tollen Bildern
    2 0 Melden
  • Nope 10.08.2014 18:31
    Highlight Schöne Bilder
    10 1 Melden

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