Islam
BEVERLY HILLS, CA - MAY 05:  Comedian Jay Leno attends the Coalition Of Women's Rights, LGBT And Human Rights Groups Rally to protest Brunei's "Kill-A-Gay and Flog-A-Woman" Penal Code, on May 5, 2014 in Beverly Hills, California.  (Photo by Valerie Macon/WireImage)

TV-Star Jay Leno wettert gegen die Einführung der Scharia in Brunei. Bild: WireImage

Menschenrechte

Hollywood-Protest gegen Scharia in Brunei: «In welchem Jahr leben wir? 1814?»

Brunei hat das Scharia-Strafrecht eingeführt, in Hollywood formiert sich Protest: Dem Sultanat gehört das glamouröse «Beverly Hills Hotel», wo die Stars am Pool entspannen. Jetzt wird zum Boykott aufgerufen.

06.05.14, 20:13

Ein Artikel von

Das «Beverly Hills Hotel» ist vor allem für seine glamourösen Geschichten bekannt, es gehört mit den Legenden seiner mehr als hundertjährigen Historie zum Inventar Hollywoods.

Hier stiegen Elizabeth Taylor und Richard Burton ab; hier ignorierte Marlene Dietrich die Vorschrift, dass Frauen im Restaurant keine Hosen tragen dürfen; hier betrachtete Faye Dunaway nach der Oscar-Nacht ihre Goldstatue im Bademantel am Swimmingpool.

Marlene Dietrich auf einem undatierten Bild in der Polo Lounge des Beverly Hills Hotel. Bild: AP Beverly Hills Collection

Nun müssen die Hotel-Manager jedoch mit einer äusserst unangenehmen Geschichte umgehen. Am Montag versammelten sich Dutzende Demonstranten, um gegen den Besitzer des Hotels und dessen Politik zu protestieren.

Seit Jahren gehört die noble Herberge einer staatlichen Investmentgesellschaft aus Brunei. In dem Sultanat auf der Insel Borneo wurde in der vergangenen Woche das Scharia-Strafrecht eingeführt, was Sultan Hassanal Bolkiah als «grossartigen Fortschritt» pries. Auf Ehebruch und homosexuelle Handlungen können demnach in Brunei künftig der Tod durch Steinigung stehen.

Hotelmitarbeiter bringen Kekse und Wasser 

Zum Protest vor dem Hotel hatten unter anderem Feministinnen und Homosexuellenverbände aufgerufen. Unter den Teilnehmern war auch Jay Leno. «In welchem Jahr leben wir? 1814? Kommt schon, Leute. Es ist 2014», sagte der berühmte Moderator laut Variety. «Das Böse blüht, wenn gute Leute nichts tun.»

«Wir gehen nicht weg», sagte ein anderer Demonstrant. «Wir werden bei jedem Event und jeder Party hier sein. Entweder verkauft er das Hotel, oder wir werden weiter hier sein.» Laut Los Angeles Times begrüssten Hotelmitarbeiter die Demonstranten höflich und boten ihnen Wasser und Kekse an.

Jay Leno als prominenter Demonstrant am 5. Mai in Beverly Hills. Bild: Getty Images North America

Bild: Getty Images North America

Seit Bekanntwerden der Scharia-Einführung haben mehrere Organisationen angekündigt, die Dorchester-Hotelgruppe der Investmentgesellschaft Bruneis zu boykottieren.

(Film-)Industrie hält dagegen

Niemand aus seinem Unternehmen werde in einem der Hotels übernachten, ehe der Sultan die Menschenrechte achte, teilte Virgin-Boss Richard Branson auf Twitter mit. Der «Hollywood-Reporter» will sein prestigeträchtiges «Women in Entertainment»-Frühstück dort nicht länger abhalten.

Am Montag schloss sich auch der Motion Picture & Television Fund dem Protest an. Man werde die jährliche Spendensammlung vor der Oscar-Verleihung nicht mehr im Beverly Hills Hotel durchführen, hiess es in einer Mitteilung. Der einflussreiche Fonds setzt sich für hilfsbedürftige Mitglieder der Filmindustrie ein.

In diesem Jahr hatten unter anderem Robert de Niro und Will Smith an der Veranstaltung teilgenommen. Man könne die brutalen und repressiven Gesetze nicht tolerieren und damit die Geschäfte des Sultans unterstützen, heisst es in dem Statement der Organisation.

Bruneis Sultan ist 20 Milliarden Dollar schwer

Sultan Bolkiah  Bild: AP

Der Chef der Hotelgruppe, Christopher Cowdray, bezeichnete den Protest als «fehlgeleitet». Das werde die Einführung der neuen Gesetze nicht verhindern, sondern nur den Angestellten der Hotels schaden. Es gebe keine Pläne, das Hotel zu verkaufen.

Sultan Bolkiah herrscht seit 1967 über seine 420'000 Untertanen in Brunei. Er gilt mit einem geschätzten Vermögen von 20 Milliarden Dollar (knapp 17,5 Milliarden Franken) als einer der reichsten Männer der Welt. 

Das islamische Scharia-Strafrecht gilt seit dem 1. Mai im südostasiatischen Sultanat. «Einige Theorien behaupten, dass Allahs Gesetz grausam und ungerecht sei, aber es ist Allah selbst, der verkündet, dass sein Gesetz gerecht ist», wurde der Sultan in der «Brunei Times» zitiert.

Scharia soll in drei Phasen eingeführt werden

Er sprach von einer Wiederbelebung islamischer Gesetze, die in dem Sultanat schon vor Jahrhunderten angewendet worden seien. Den Berichten zufolge soll die Scharia in dem ölreichen Sultanat im Nordwesten der Insel Borneo über drei Jahre in drei Phasen eingeführt werden: 

Zunächst sollen allgemeine Vergehen mit Haft oder Geldbussen belegt werden. Dazu zählen zum Beispiel die Missachtung des Fastenmonats Ramadan oder das Fehlen beim Freitagsgebet.

In der zweiten Phase kämen körperliche Strafen wie Auspeitschen oder das Amputieren von Gliedmassen für Vergehen wie Diebstahl hinzu. In der dritten Phase die Todesstrafe durch Steinigung, die unter anderem für Ehebruch und homosexuelle Handlungen verhängt werden soll.

Bislang wurden die Scharia-Grundsätze in Brunei nur im Familienrecht angewendet, etwa bei Eheschliessungen. Zwei Drittel der Einwohner Bruneis sind Muslime, aber es gibt auch grössere buddhistische und christliche Gemeinschaften.

Das Sultanat Brunei (Mitte) auf einer Karte aus der Zeit zwischen 1898 und 1914. Die rosafarbene Gebiete gehörten zum britischen Kolonialreich, die gelben sind niederländischer Besitz gewesen. Das heutige Vietnam war französische Einflusssphäre, Siam (Thailand) mehr oder weniger unabhängig. Bild: Gemeinfrei

(hut/AP/dpa/phi)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Surfdaddy 06.05.2014 23:14
    Highlight Die Scharia macht durchaus Sinn in einem kulturell zurückstehenden Land. Leider wahr. So hält man Recht und Ordnung aufrecht. Da der Schah von Brunei eher ein dürftiger Regier war und leider immer noch ist, wird sich an der neuen Gesetzgebung nichts ändern.
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