Islamischer Staat (IS)
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An Australian Federal Police (AFP) officer (front) and a New South Wales policeman stand near a suspect (L) who was detained during a raid on a house in western Sydney, in this handout picture from the AFP September 18, 2014. Intelligence showed that militants connected with radical group Islamic State were planning to behead a member of the public in Australia, Prime Minister Tony Abbott said on Thursday after hundreds of police raided homes in a sweeping counter-terrorism operation. More than 800 police were involved in the pre-dawn security operation in Sydney and Brisbane, described as the largest in Australian history. At least 15 people had been detained, police told a news conference.  REUTERS/Australian Federal Police Handout via Reuters (AUSTRALIA - Tags: POLITICS CRIME LAW TPX IMAGES OF THE DAY) ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. NO SALES. NO ARCHIVES. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Beim grössten Anti-Terror-Einsatz in der Geschichte Australiens waren am Donnerstag 15 mutmassliche Islamisten verhaftet worden. Bild: X00503

Nach grossem Anti-Terror-Einsatz

Mohammed, 33, IS-Kommandeur aus Sydney: Wer er ist und wie er in die Falle tappte

Der Australier Mohammed Barjalei rekrutiert Kämpfer für den "Islamischen Staat". Nun soll er einen Anschlag in seiner Heimat angeordnet und den größten Anti-Terror-Einsatz in der Geschichte des Landes ausgelöst haben. Wer ist der Mann?

raniah salloum

Ein Artikel von

Spiegel Online

Irgendwo zwischen Aleppo in Syrien und Iraks Hauptstadt Bagdad versteckt sich, so wird vermutet, Mohammed Barjalei, 33 Jahre alt, Australier, gut aussehend, durchtrainiert, ein Mann mit Charisma - und ein gefährlicher Islamist. Von dort aus soll er seinen Anhängern in Sydney einen Auftrag erteilt haben, der den bisher größten Anti-Terror-Einsatz der australischen Polizei auslöste.

Am Donnerstag waren 800 Polizisten zu Razzien in Sydney und Brisbane ausgeschwärmt, nahmen 15 Verdächtige fest, manche erst 17 Jahre alt. In Gewahrsam ist derzeit nur noch einer, der 22-jährige Australier Omardschan Azari. Zwei Tage vor den Razzien hatte Azari mit Barjalei telefoniert. Seit Mai hätten die beiden in Kontakt gestanden, berichtet die australische Polizei.

Ein Moment der Unprofessionalität

Barjalei hatte am Dienstag in einem Telefongespräch Azari einen Befehl erteilt - ein überraschend unprofessionelles Vorgehen. Der 22-Jährige sollte in Sydney einen Passanten entführen und vor laufender Kamera enthaupten. Das Video sollte er Barjalei senden, der es dann im Internet über die Propagandaabteilung der Miliz "Islamischer Staat" (IS) verbreiten wollte. Die Tat wäre der erste IS-Anschlag in Australien gewesen. In Brüssel hatte im Mai ein Anhänger der Extremisten vor dem jüdischen Museum vier Menschen getötet.

Mohammed Barjalei ist nach Erkenntnissen des australischen Geheimdienstes der wichtigste Australier in den Reihen von IS. Geboren in Afghanistan, aufgewachsen in Sydney, hat er eine rasante Radikalisierung hinter sich. Seine Eltern aus der afghanischen Aristokratie waren Ende der Siebzigerjahren nach Australien geflohen. Mohammed Barjalei wollte dort Schauspieler werden.

A man detained during a raid sits on the ground between police officers in Sydney, in this still image taken from a police handout video September 18, 2014. Intelligence showed that militants connected with Islamic State were planning to behead a member of the public in Australia, Prime Minister Tony Abbott said on Thursday after hundreds of police raided homes in a sweeping counter-terrorism operation. More than 800 police were involved in the pre-dawn security operation in Sydney and Brisbane, described as the largest in Australian history. At least 15 people had been detained, police told a news conference. Face masked at source.  REUTERS/Australian Federal Police Handout via Reuters TV  (AUSTRALIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CRIME LAW) ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO SALES. NO ARCHIVES. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Einige der Verhafteten waren minderjährig. Bild: HANDOUT/REUTERS

2008 hatte er denn auch in der australischen TV-Serie "Underbelly - Krieg der Unterwelt" einen kurzen Auftritt als Sanitäter - ein Mann mit markantem, glattrasierten Gesicht. Nebenher arbeitete Barjalei als Türsteher in Kings Cross, Sydneys Partymeile, um seinen Traum zu finanzieren.

Doch mit dem Traum von der großen Karriere klappte es nicht so recht. Barjalei wusste nicht, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Die Partys, Drogen, Alkohol und Sex - all das widerte ihn nun an. Eine neue Aufgabe für sich fand Barjalei in der australischen Salafistenbewegung. Als Chef der Gruppe Street Dawah, die versucht, Leute auf der Straße zu konvertieren, stieg er schnell zum Star der Szene auf.

Plötzlich mit langem Bart

Propagandavideos der Gruppe zeigen, wie Barjalei junge Australier anspricht. Er ist dabei Hauptdarsteller und Regisseur zugleich. Aufnahmen vom November 2012 zeigen ihn neben einen jungen Australier mit dem Koran in der Hand. Barjalei, hellgrünes T-Shirt, immer noch muskelbepackt, aber nun mit langem Bart, referiert minutenlang. Der Konvertit neben ihm guckt verlegen.

«Wir machen hier was», sagt Barjalei. «Wir sitzen nicht nur zu Hause rum, ohne was zu tun oder nur an der Playstation zu spielen. Wir erfüllen unseren Sinn des Lebens und verbreiten die Botschaft des Islam.» Dann weist Barjalei den Kameramann an, die jungen Männer zu filmen, die in seinem Auftrag an diesem Tag Passanten ansprechen. «Sechs Konvertiten an einem Tag» heißt es ganz unbescheiden in der Video-Beschreibung.

epa04404959 A handout image provided by the New South Wales (NSW) Police of an arrest following the execution of search warrants across Sydney's north-west suburbs, Australia, 18 September 2014. Fifteen people have been detained and one person charged with terrorism offences, following pre-dawn raids across Sydney and Brisbane.  EPA/NSW POLICE / HANDOUT AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Nicht bei allen Verhafteten ist klar, in welchem Verhältnis sie zu Mohammed Barjalei standen. Bild: EPA/NSW POLICE

Im April 2013 scheinen Barjalei australische Fußgängerzonen nicht mehr auszureichen, eine größere Bühne muss her. Er reist nach Syrien und schließt sich dort dem IS an. Mit der Unterstützung einer Terrororganisation macht er sich strafbar.

Eher Motivator als Kämpfer

Ob Barjalei selbst in Syrien oder im Irak kämpft, ist unklar. Er scheint er sich auf das zu konzentrieren, was er am besten kann: andere überzeugen. Nach Erkenntnissen des australischen Geheimdienstes hat er bereits 60 Australier für den IS nach Syrien gelockt. Manche von ihnen kämpfen offenbar bereits dort und im Irak. Auf sozialen Netzwerken zeigten sie sich mit abgetrennten Köpfen ihrer Opfer.

Wahrscheinlich wollte Barjalei auch Omardschan Azari, der nun verhaftet wurde, nach Syrien locken. Doch dann verkündete Australiens Premierminister Tony Abbott, sein Land werde auf Anfrage der USA für den Kampf gegen den IS 600 Soldaten entsenden. Zwei Tage später rief Barjalei bei Azari an und befahl ihm, den Anschlag in Sydney zu verüben.



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