Islamischer Staat (IS)
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Uralte Statuen werden von IS-Terroristen innerhalb weniger Minuten zerstört. Bild: REUTERS TV/REUTERS

UNESCO interveniert

IS zerstört mit Pressluftbohrer und Hämmern 3000 Jahre alte Kulturgüter aus assyrischer Zeit



Die IS-Terrormiliz hat im Norden des Iraks einzigartige Kulturgüter aus altorientalischer Zeit zerstört. Dies belegen sowohl Filmaufnahmen der Terrormiliz wie auch Quellen vor Ort.

26.02.15, 21:28 27.02.15, 08:22

Das assyrische Ninive war vor rund 2600 Jahren ein Zentrum der antiken Welt. Statuen aus der Metropole hatten die Jahrtausende überlebt. Viele von ihnen dürften jetzt für immer verloren sein.

Die UNO-Kulturorganisation UNESCO forderte eine Krisensitzung des UNO-Sicherheitsrats. Die Organisation betrachtet die Vorgänge als Sicherheitsproblem. «Dieser Angriff ist weit mehr als eine kulturelle Tragödie – dies ist auch eine Sicherheitsfrage, da er Sektierertum, gewaltsamen Extremismus und den Konflikt im Irak befördert», erklärte die UNESCO-Direktorin Irina Bokova am Donnerstag.

Bild: REUTERS TV/REUTERS

Ein Internetvideo der Terrormiliz zeigt, wie IS-Anhänger laut Fachleuten im Museum der Stadt Mossul und an der Grabungsstätte Ninive im Norden Iraks bedeutende Bildwerke aus der Antike zertrümmern. Auch Quellen vor Ort berichteten von der Zerstörung. Experten bestätigten der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass es sich bei vielen der zerstörten Stücke um Originale handelt.

Die mehr als 2600 Jahre alte sogenannte Türhüterfigur sei eine «Ikone der altorientalischen Bildkunst», sagte Markus Hilgert, Direktor des Vorderasiatischen Museums in Berlin, am Donnerstag. «Das ist so, als würde jemand die Sphinx in Ägypten zerstören.» Der Verlust sei eine Katastrophe.

Die sunnitischen Extremisten zerstörten die Figur mit einem Presslufthammer. Die Statue stellt ein Mischwesen mit menschlichem Gesicht dar, das die Assyrer als Schutzgottheit verehrten. Sie ist laut Experten Teil des assyrischen Nergal-Tores aus dem siebten Jahrhundert vor Christus. Es gehörte zur Befestigung der Stadt Ninive, des Zentrums des assyrischen Reiches.

Bild: AP/Islamic State group social media account

Restaurierung kaum möglich

Unter den zerstörten Kulturgütern sind auch zahlreiche weitere assyrische Statuen, teilweise grösser als ein Mensch. Der etwa fünf Minuten lange Film zeigt, wie IS-Terroristen im Museum in der IS-Hochburg Mossul mit grossen Hämmern auf die Stücke einschlagen oder sie umstürzen, so dass sie zu Bruch gehen. Zu sehen sind auch Reliefs. Ob sie ebenfalls zerstört wurden, ist unklar.

«Das ist so, als würde jemand die Sphinx in Ägypten zerstören.»

«Das waren sehr wichtige historische Stücke», sagte Peter A. Miglus, Professor für Vorderasiatische Archäologie an der Universität Heidelberg. Angesichts der massiven Zerstörung werde es kaum möglich sein, sie zu restaurieren.

Der irakische Antikenminister Adil Fahd Scharschab sprach von einem der grössten Verbrechen der Gegenwart. Die Tat der Terrormiliz bedeute nicht nur für den Irak einen riesigen Verlust, sondern für die gesamte Menschheit, sagte er am Donnerstag irakischen Medien zufolge.

Am Donnerstag wurde laut Augenzeugen und Wissenschaftlern ausserdem die Chudr-Moschee in Mossul gesprengt, weil in der Moschee aus dem zwölften Jahrhundert ein Grabmal war. Radikale Islamisten lehnen die Verehrung von Gräbern als unislamisch ab.

Erinnerung an Buddha-Statuen

In dem Video erklärt ein IS-Anhänger, die Statuen hätten Assyrern und anderen Völkern der Vielgötterei gedient. Auch der Prophet Mohammed habe alle Götzenfiguren zerstört, als er nach Mekka gekommen sei. Der Islamische Staat (IS) beruft sich dabei auf eine Interpretation des Islams, die die bildliche Darstellung von Menschen und Gott verbietet.

Zerstörung von Kulturgütern in Mosul. Bild: AP/Militant Video

Der Fall erinnert an die Buddha-Statuen von Bamian, die den Taliban in Afghanistan zum Opfer fielen. Am kommenden Sonntag vor genau 14 Jahren begann das damals in Kabul herrschende radikalislamische Regime damit, die beiden 38 und 55 Meter hohen Statuen aus dem 6. Jahrhundert zerstören zu lassen.

Auch weltweite Proteste konnten die Taliban nicht stoppen. Die UNESCO erklärte die Überreste der Buddhas 2003 zum Weltkulturerbe. Die Statuen wurden nicht wiederaufgebaut. (kad/sda/afp/dpa)

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Brikne, 20.7.2017
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41
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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • quark 27.02.2015 12:02
    Highlight ich lese hier immer wieder die Aussage "daran sind wir selbst Schuld". Das macht mich wütend, warum suchen wir immer krankhaft schuldig zu sein? Ich glaube auch nicht wir haben sie herangezüchtet. Wir waren eher zu Tolerant und kämpfen mit "Verstehen und Menschenrechten" gegen Barbaren, die sowas noch nie gehört haben und schlichtwegs bloss Killen. Die "Waffen" sind ungleich. Ein Dilemma. Bloss, warum muss jener der "versteht" auch gleich der "Schuldige" sein? Ich wechsle immer mehr zur Intoleranz, weil ich fürchte und sehe, dass Toleranz nicht Toleranz schafft. Zudem müssten endlich die "Glaubensbrüder" gegen die IS was tun. Nicht der Westen. Sonst sind wir in ein paar Jahren aus irgend welchen Gründen wieder die Schuldigen.
    8 3 Melden
  • quark 27.02.2015 11:41
    Highlight Der grösste Feind der IS müssten doch die Islamisten sein. Bloss, wo sind sie geblieben?
    3 3 Melden
    • pun 27.02.2015 11:57
      Highlight Quark...
      1. Bezeichnet man extremistische Muslime als "Islamisten", nicht die normalen.
      2. Sind die grössten Feinde des IS tatsächlich genauso fundamentalistische schiitische Islamisten.
      3. Sind die zweitgrössten Feinde des IS zu einem riesigen Teil Muslime.
      4. Sind die allermeisten Opfer des IS Muslime.
      4 0 Melden
  • danbla 27.02.2015 10:09
    Highlight Interessanterweise scheint es aber die gesamte Arabische und Islamische Welt nicht zu kümmern.
    Kein Aufschrei der Empörung, keine Kampfansage und kein sich Abwenden von diesen Barbaren. Und irgendwie auch keine richtige Politische Verurteilung aus dieser Ecke.
    Wie wäre es wohl wenn es Christen od. Juden wären?

    8 5 Melden
    • blueberry muffin 27.02.2015 10:47
      Highlight "Der irakische Antikenminister Adil Fahd Scharschab sprach von einem der grössten Verbrechen der Gegenwart."
      Stand da oben im Artikel.
      8 3 Melden
    • danbla 27.02.2015 12:37
      Highlight Ach so, dann ist ja gut. Der Rest wird warten bis der Westen eingreift damit sie weiterhin ihr Feindbild aufrecht erhalten können.
      2 0 Melden
  • blueberry muffin 27.02.2015 10:00
    Highlight Im Namen Gottes kennen sie nur Zerstoerung. Wie man Glauben kann das irgend ein Gott so etwas erfreut, ist mir schleierhaft.
    9 2 Melden
    • saukaibli 27.02.2015 10:40
      Highlight Glauben hat leider nichts mit denken zu tun, im Gegenteil, es widerspricht sich grundsätzlich.
      10 3 Melden
  • Zeit_Genosse 27.02.2015 09:43
    Highlight Stell dir vor die IS zerstört Kulturgut und niemand schaut hin. Oder sie ermordet Geiseln und wir schauen weg. Wir wollen es mit eigenen Augen sehen. Dieses Dilemma nutzt IS und schafft es mit ihren extremen Aktionen in fast jedes Medium und in unsere Stuben und Köpfe. Die IS wird dadurch ein sichtbares Gebilde mit Ausstrahlung nach innen und aussen. "Schaut, wozu wir fähig sind!" rufen sie aus und wir hören hin. Die stärkste "Waffe" gegen die IS wäre mediale Nichtbeachtung. Speziell im Westen. Es wäre unser Signal, ihr seid nicht so bedeutent, ihr macht uns keine Angst. Würde dann die IS vermehr in unsere Städte kommen und Terror sähen, damit man sie ernst und wahr nimmt? Wahrlich ein Dilemma.
    1 1 Melden
  • _5am_ 27.02.2015 09:29
    Highlight Na ja, diese bildungsferne Menschen mit weniger Verstand als ein Stück Brot können ja nichts anderes als zerstören.
    8 1 Melden
  • Sillum 27.02.2015 09:22
    Highlight Hoffnungsvoll warten bei uns in Europa noch immer viele (gute) Menschen auf diese kulturelle Bereicherung. Und sie tun alles dafür, dass dies möglichst bald passiert. Sie sorgen sogar dafür, dass ich hier niemals meine ungeschminkte Meinung kundtun dürfte.
    1 3 Melden
  • Sandromedar 27.02.2015 09:01
    Highlight diese figuren haben über 2 jahrtausende weltgeschichte überlebt. bis diese jämmerlichen barbaren mit ihrem naiven, verdrehten und völlig idiotischem denken an presslufthammer und maschinengewehre gekommen sind.
    14 1 Melden
  • zombie1969 27.02.2015 08:35
    Highlight Heinrich Heine behält weiterhin Recht!
    Wobei in diesem Fall wohl nicht nur gilt: "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen"
    Es gilt: "Dort, wo man Menschen verbrennt, verbrennt man am Ende auch Bücher"
    Es wird eine der grossen Herausforderungen der nächsten Jahre sein diese Art Zeitgenossen aus den europäischen Sozialgemeinschaften fernzuhalten. Hoffentlich hat man die Kraft und Ausdauer dazu. Wenn nicht, wird es sehr schlimm enden. Insbesondere, da man es in Europa bereits versäumt hat, sich den Anfängen zu erwehren.
    7 1 Melden
    • saukaibli 27.02.2015 10:39
      Highlight Der Grossteil dieser Schlächter wurde ja in Europa "herangezüchtet". Fehlende Integration und keine Perspektiven führen genau dazu, dass Menschen zu einer solchen Barbarei fähig werden.
      6 1 Melden
    • quark 27.02.2015 11:45
      Highlight zuviel Toleranz zerstört das Selbstwertgefühl
      0 3 Melden
  • Der_Die_Das 27.02.2015 07:50
    Highlight Mir kommen die Tränen. Sie zerstören einfach unsere Assyrische Geschichte, einfach so!
    Ich verstehe noch immer nicht warum niemand eingreift. Es kann doch nicht sein dass diese Organisation nicht zu stoppen ist. Sonst schafft man auch alles zu stoppen, überwachen, manipulieren und sonst was. Wo bleibt die UN? Wo bleibt Obama? Putin? Merkel? Ban Ki Moon? Sommaruga? Bei den Anschlägen in Paris haben sie alle am selben Tag Stellung genommen...und hier?

    #WeAreN #FreeBethNahrin
    8 1 Melden
    • blueberry muffin 27.02.2015 11:01
      Highlight Das Problem ist ja, das der IS durch unser eingreifen entstanden ist. So hart es klingt, aber Sadam Hussein hatte die Extremisten weit besser unter Kontrolle als unsere neue befreite Irakische Regierung.
      3 1 Melden
    • Androider 27.02.2015 12:09
      Highlight Hahaha, Sommaruga? Nicht dein ernst, oder?
      3 0 Melden
  • droelfmalbumst 27.02.2015 07:45
    Highlight ohne witz... da kriegt man so eine wut dass man schon nah dran ist selber zur waffe zu greifen... -.-
    5 2 Melden
  • FlorianH 27.02.2015 06:58
    Highlight Das ist zwar unbeschreiblich dumm, traurig und macht mich wütend, aber, und das ist ein ganz grosses aber, der westen muss die schuld dafür bei sich suchen. Ohne uns gäbe es diese 'barbaren' zu dieser stunde schlicht und einfach nicht. Traurig.
    5 6 Melden
    • danbla 27.02.2015 12:39
      Highlight Ja klar, womöglich waren es noch die bösen Schweizer, od. noch besser gar die Helvetier.
      Sry aber, ne...
      1 0 Melden
  • youdreamdu 27.02.2015 03:36
    Highlight Passend dazu: IS-Kämpfer wissen nicht in welche Richtung sie beten müssen.
    10 0 Melden
  • Surri 27.02.2015 00:58
    Highlight Sprachlos! Dass sowas in der heutigen Zeit passiert!
    3 2 Melden
  • Der Tom 27.02.2015 00:29
    Highlight Ja genau die UNO! Die wird das sicher sehr sehr scharf verurteilen und dann hört das sofort auf!
    5 1 Melden
  • SofaSurfer 26.02.2015 23:32
    Highlight Wenn diese infos wahr sind (wessen man ja zurzeit nicht immer wirklich sicher sein kann) ist für mich persönlich eine grenze überschritten worden. Die IS und ihre anhänger scheinen nicht nur dumm und zu sein sondern auch ihre eigene عليك اللعنة (verdammung) zu provozieren. Allah belanı versin!
    3 1 Melden
  • 足利 義明 Oyumi Kubo 26.02.2015 23:20
    Highlight Traurig aber nicht erstaunlich. Die Länder mit den meisten Analphabeten sind muslimisch. Ungebildete lassen sich am leichtesten manipulieren. Ich hoffe dass diese Hinterwäldler endlich einmal Schulbücher anstatt Waffen auf die Kinder loslassen.
    7 3 Melden
    • Raphael Bühlmann 27.02.2015 15:16
      Highlight Das stimmt einfach nicht! Bei muslimischen Ländern gibt es grosse Unterschiede. Die zehn Länder mit der niedrigsten Alphabetisierungsrate (Religion egal): Südsudan, Mali, Afghanistan, Burkina Faso, Niger, Sierra Leone, Tschad, Äthiopien, Senegal und Guinea.
      Fällt dir etwas auf?
      Bei der höchsten Alphabetisierungsrate belegt Aserbaidschan Platz 9, Tadschikistan Platz 13, Kasachstan Platz 25. Die Schweiz z. B. hat eine leicht tiefere Rate als Kasachstan.
      0 1 Melden
  • Androider 26.02.2015 22:48
    Highlight Da mein erster Kommentar offenbar etwas hart war, hier nochmal milde ausgedrückt: Diese Terroristen & ihr Tun sollten endlich unterbunden werden....
    61 2 Melden
    • SofaSurfer 26.02.2015 23:33
      Highlight Wie lautete dein erster kommentar?
      3 2 Melden
    • saukaibli 27.02.2015 07:18
      Highlight Ich bin mir sicher, dein erster Kommentar hätte mir gefallen.
      Diesen primitiven, zurückgebliebenen, hirnlosen, unterentwickelten, minderwertigen, barbarischen, gottlosen Hunden (ich will nicht Hunde beleidigen, die sind Tausend mal intelligenter und edler, sogar wenn sie sich am Sack lecken) sollte endlich das Handwerk gelegt werden.
      5 0 Melden
    • droelfmalbumst 27.02.2015 07:45
      Highlight zerstört, getötet, ausgelöscht, verbombt.... etc... werden!
      2 3 Melden
  • LubiM 26.02.2015 21:47
    Highlight Was soll man da noch gross schreiben? Einfach nur traurig!
    69 0 Melden
    • Bash Burelli 27.02.2015 08:21
      Highlight Mir fehlen da jetzt auch irgendwie die Worte.....
      2 0 Melden

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