Islamischer Staat (IS)
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Der IS schreckt auch vor brutalster Gewalt nicht zurück.. Bild: AP Militant Website

IS-Vormarsch

Extremistenmiliz IS enthauptet offenbar weiteren US-Reporter

02.09.14, 21:02 02.09.14, 22:23

Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hat offenbar einen weiteren als Geisel genommenen US-Journalisten grausam hingerichtet. Die IS veröffentlichte am Dienstag ein Video, das die Enthauptung des 31-jährigen Reporters Steven Sotloff zeigen soll.

Dies berichtete das auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmens SITE. Der freiberuflich arbeitende Reporter war im August 2013 in Syrien entführt worden.

Auf dem in einer Wüstengegend aufgenommenen Video trägt Sotloff orangefarbene Kleidung und kniet neben einem maskierten Kämpfer, der mit einem Messer bewaffnet ist. Sotloff spricht seinen Namen in die Kamera und erklärt, dass er den «Preis» für die Politik von US-Präsident Barack Obama zahle.

Nach der Enthauptung führt der in schwarz gekleidete Henker eine weitere Geisel vor und droht, den als Briten identifizierten Mann ebenfalls hinzurichten.

«Zweite Botschaft an Amerika»

«Ich bin zurück, Obama, und ich bin wegen deiner arroganten Aussenpolitik gegen den Islamischen Staat zurück», sagt der IS-Kämpfer in dem Video. «So wie deine Raketen weiter unsere Leute treffen, so wird unser Messer weiter die Kehlen deiner Leute treffen.»

Wie schon bei der Ermordung des US-Journalisten James Foley im August spricht der maskierte Mann mit einem britischen Akzent - möglicherweise handelt es sich um dieselbe Person.

Das US-Aussenministerium teilte mit, dass die Echtheit des Videos mit dem Titel «Zweite Botschaft an Amerika» geprüft werde. «Wenn es echt ist, dann sind wir angewidert von diesem brutalen Akt», sagte die Aussenamtssprecherin Jen Psaki. «Unser Mitgefühl gilt Sotloffs Familie

Obamas Sprecher Josh Earnest sagte, die USA hätten viel Zeit und Ressourcen aufgewendet, um Sotloff aus der Geiselhaft zu befreien. Eine Kommandoaktion in Syrien war aber vor einigen Monaten gescheitert.

Grossbritanniens Premierminister David Cameron bezeichnete die mutmassliche Enthauptung Sotloffs als «absolut ekelhafte, verachtenswerte Tat». Der mutmassliche Mörder Foleys soll ein Brite sein, laut Zeitungsberichten ein 24-jähriger früherer DJ.

David Cameron, hier an einer Konferenz vom 29. August, verurteilt die Tat des IS. Bild: X00813

Seit Jahren aus Nahost berichtet

Steven Sotlof hat jahrelang aus dem Nahen Osten berichtet. Unter anderem arbeitete er für das «Time Magazine», die Zeitung «Christian Science Monitor» und das «World Affairs Journal». Er schrieb über die politische Entwicklung in Ägypten, Syrien, Bahrain sowie aus Libyen und aus der Türkei.

Zudem hielt sich der Reporter längere Zeit im Jemen auf, wie die «New York Times» unter Berufung auf Freunde des Toten berichtete. Sotloff habe gut Arabisch gesprochen und tiefe Zuneigung zur islamischen Welt empfunden.

Wie die «New York Times» berichtete, reiste Sotloff immer wieder gezielt in die gefährlichsten Krisengebiete des Nahen Ostens. Freunden habe er immer wieder versichert, dass die Risiken ihm bewusst seien.

Zuvor mit Ermordung gedroht

Vergangenen Monat hatten die IS-Kämpfer den US-Journalisten James Foley enthauptet und ein Video von der Hinrichtung ins Internet gestellt. Anschliessend hatten die Dschihadisten auch mit der Ermordung von Sotloff gedroht, sollten die USA ihre Luftangriffe auf IS-Stellungen im Nordirak nicht einstellen.

Sotloffs Mutter wandte sich darauf in einer emotionalen Videobotschaft an seine Entführer und bat um seine Freilassung. Zuvor hatte die Familie versucht, die Entführung geheim zu halten, um eine Freilassung nicht zu gefährden.

Extremisten setzen Geiseltötungen vor laufender Kamera seit Jahren als Propagandamittel ein. Der sunnitische IS hat weite Teile Syriens und des Iraks unter seine Kontrolle gebracht und wird auch für Taten wie Kreuzigungen oder Amputationen verantwortlich gemacht. Erstmals seit dem Ende der Besetzung des Iraks 2011 hatten die USA im August gegen Stellungen des IS wieder Luftangriffe im Irak geflogen. (sda/dpa/reu/afp/gag)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 03.09.2014 16:23
    Highlight «absolut ekelhafte, verachtenswerte Tat»
    Was denkt sich der eigentlich was krieg heisst ?

    Aber mit dem naechsten atemzug fordern, dass waffen geliefert werden, wie wenn die nicht schon genug haetten. Typisch die reden dieser @#*$#@ fangen mit bla an, hoeren mit bla auf und dazwischen blablablabla.

    2 1 Melden
    • Citation Needed 03.09.2014 21:46
      Highlight Das ist aber kein Krieg. Nicht mal ein bewaffneter Konflikt. Und selbst WENN es Krieg wäre dürften keine Gefangenen (erst recht keine Zivilisten) hingerichtet werden. Es ist und bleibt also eine absolut ekelhafte und widerwärtige Tat. Unabhängig davon, ob Waffen geliefert werden/wurden oder nicht.
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