Islamischer Staat (IS)
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Dem Erschiessungstod entronnen

Die bewegende Geschichte von Ali Hussein Kadhim, dem einzigen Überlebenden des bislang schlimmsten IS-Massakers

04.09.14, 16:47 04.09.14, 17:33

Am 11. Juni näherten sich Kämpfer des Islamischen Staats (IS), der sich damals noch Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS) nannte, einem Stützpunkt der irakischen Armee in Tikrit. Einige Soldaten entschieden sich zur Flucht – ein tragischer Fehler, denn draussen warteten die Terroristen.

Sunnitischen Soldaten erlaubten sie, der Regierung in Bagdad abzuschwören und so ihr Leben zu retten. Ali Hussein Kadhim hatte weniger Glück und wurde wie alle anderen Schiiten abgeführt. Er ist der einzige bekannte Überlebende des Massakers, das der IS im Anschluss verübte.

Gegenüber der «New York Times» hat der 23-jährige Mann seine bewegende Geschichte erzählt. Er lag gefesselt auf dem Boden und wäre als Vierter an der Reihe gewesen. Schon nach den ersten Schüssen spritzte ihm Blut ins Gesicht. «Ich dachte an meine Familie», sagte er. Dann merkte er, wie eine Kugel an seinem Kopf vorbeipfiff. «Ich stellte mich tot.» Einen Augenblick später hörte er einen der Terroristen sagen: «Lass ihn leiden, er ist ein ungläubiger Schiit, lass ihn bluten.»

Sunniten halfen ihm auf der Flucht

Ali Hussein Kadhim verharrte mehrere Stunden bewegungslos, bis die Nacht hereinbrach und alles still wurde. Er schaffte es zum nahen Ufer des Tigris, doch die Strömung war zu stark, um ihn zu überqueren. Zudem war er immer noch gefesselt. Im schützenden Schilf stiess er auf einen weiteren Überlebenden. Der schwer verletzte Abbas durchschnitt ihm die Fesseln. Ali Hussein Kadhim gelang nach drei Tagen die Flucht an einer Stelle, wo die Strömung weniger stark war. Abbas musste er zurücklassen.

An dieser Stelle überquerte Ali Hussein Kadhim den Tigris.

Auf seiner abenteuerlichen Flucht hatte Ali Hussein Kadhim viel Glück. In den Dörfern, die er durchquerte, verrieten ihn die Sunniten nicht an den IS, sondern gewährten ihm Unterschlupf und gaben ihm zu essen. Ein Fluchthelfer schleuste ihn an mehreren IS-Checkpoints vorbei in die Kurdenstadt Erbil, wo sein Onkel auf ihn wartete. Nach einer langen Fahrt mit vielen Umwegen erreichte er schliesslich sein Heimatdorf im Süden Iraks.

«Meine Familie weinte, ich lachte», erinnert sich Ali Hussein Kadhim an den Moment des Wiedersehens. Seit er Lokalmedien von seinen Erlebnissen berichtete, bekommt er ständig Telefonanrufe von Angehörigen seiner vermissten Kameraden. Den Soldatenberuf hat er an den Nagel gehängt. Bis auf weiteres arbeitet er auf den Dattelfeldern seines Onkels. (kri)



Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 05.09.2014 12:33
    Highlight "Was der IS tut, verkörpert genau das, was wir in der Schule gelernt haben", twitterte ironisch der saudische Intellektuelle Ibrahim Al-Shaalan. "Wenn unsere Curricula gut sind, dann handelt der IS richtig. Wenn das aber alles falsch ist, wer trägt dann die Verantwortung?"

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-08/islamischer-staat-nahost-diskussion
    1 0 Melden
  • Oberon 04.09.2014 17:16
    Highlight So lange wir solchen Gruppierungen erlauben im Deckmantel einer Religion so zu agieren sind wir auch nicht viel besser als sie.

    1 0 Melden

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Weltweit gab es seit 1970 über 156'000 Terroranschläge. In der Schweiz ist seit 20 Jahren niemand mehr einem Attentat zum Opfer gefallen. Doch in den 70er- bis 90er-Jahren ermordeten Terrorgruppen teils Hunderte Menschen jährlich in Westeuropa. Eine Übersicht von 1970 bis Manchester 2017.

Zusammenfassung: In den 70er- bis 90er-Jahren töteten meist europäische Terrorzellen jährlich 100 bis 400 Menschen in Europa. Seit der Jahrtausendwende nehmen die Attentate in Westeuropa und in der Schweiz stark ab. Von 2001 bis 2015 entfielen nur 0,3 Prozent der Terroropfer auf Westeuropa. Hauptsächlich aufgrund der Attentate in Paris und Nizza stieg die Opferzahl zuletzt wieder auf rund 150 Menschen pro Jahr, sprich auf das Niveau der 80er-Jahre. Weltweit nimmt der Terrorismus seit 2005 zu …

Artikel lesen