Islamischer Staat (IS)

Für den IS geopfert

Bereits 60 Deutsche im Kampf für Terrormiliz gefallen

23.11.14, 01:24 23.11.14, 10:44

Beim Kampf an der Seite islamischer Extremisten sind bislang rund 60 Menschen aus Deutschland gestorben. Mindestens neun von ihnen hätten sich bei Selbstmordanschlägen getötet, sagte der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maassen, der Zeitung Welt am Sonntag. Inzwischen hätten sich insgesamt rund 550 Menschen aus Deutschland in Richtung Syrien und Irak aufgemacht. Der Verfassungsschutz sei besorgt über die hohe Zahl, die in den letzten sechs Wochen noch stärker angestiegen sei. 

Von den Deutschen, die sich der Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) angeschlossen hätten, seien inzwischen wohl rund 180 wieder zurück in Deutschland. Bei ihnen werde geprüft, welche Massnahmen zur Überwachung eingeleitet werden müssten. Bei den deutschen Anhängern der Extremisten gebe es im übrigen eine grosse Rivalität zwischen der IS und der al-Kaida. Seit dem Sommer sei aber zu beobachten, dass eine deutliche Mehrheit zur IS halte, die als eine Art Erfolgsmodell angesehen werde. 

Dschihadisten töten offenbar 20 Stammeskämpfer 

Im Zuge ihres Angriffs auf die westirakische Stadt Ramadi hat die Dschihadistengruppe Islamischer Staat am Samstag rund 20 Stammeskämpfer getötet. Über den Vorfall in dem Vorort al-Sidscharijah östlich von Ramadi gab es allerdings unterschiedliche Angaben.

Der Polizeihauptmann Kaisar al-Hayani sagte, die Dschihadisten hätten Kämpfer der Stämme Albu Mahal und Albu Fahad so lange belagert, bis diesen die Munition ausgegangen sei. Dann hätten sie 23 Kämpfer hingerichtet.

Ein aktuelles Bild eines IS-Kämpfers aus der Region rund um Ramadi.  Bild: Uncredited/AP/KEYSTONE

Scheich Omar al-Alwani, Kommandant einer Stammesmiliz, sagte seinerseits, rund 15 Dschihadisten seien in den Ort eingedrungen, indem sie sich als Studenten ausgegeben hätten. Sie hätten dort Waffen erhalten und damit 25 Mitglieder des Albu-Fahad-Stammes getötet.

Laut al-Alwani und al-Hayani wurde der Vorort wieder zurückerobert. Bei den Kämpfen seien auch rund 20 IS-Kämpfer getötet worden.

Das irakische Verteidigungsministerium sprach von «schweren Kämpfen» zwischen Sicherheitskräften und Stammesmilizen auf der einen und Dschihadisten auf der anderen Seite. Laut al-Alwani gab es am Samstag auch im Süden von Ramadi schwere Kämpfe.

Waffen für Stammesmilizen

Stammesmilizen kämpfen in Ramadi, rund 100 Kilometer westlich der irakischen Hauptstadt Bagdad, gegen den IS, der Teile des Irak und Syriens kontrolliert. Ramadi ist die Hauptstadt der an Syrien grenzenden Provinz al-Anbar, die fast vollständig unter der Kontrolle des IS ist.

Bereits seit Januar kontrollieren die Dschihadisten mehrere Viertel der Provinzhauptstadt. Am Freitag begannen sie eine gross angelegte Offensive, um die gesamte Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie nahmen die Innenstadt unter Beschuss und liessen Autos explodieren.

IS-Kämpfer richten immer wieder Stammesmitglieder hin, die sich gegen die Dschihadistengruppe stellen. Die irakischen Behörden geben inzwischen Waffen an die Stammesmilizen aus. Diese fordern jedoch weitere Unterstützung im Kampf gegen den IS, auch aus dem Ausland. (feb/sda/reu/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 23.11.2014 07:11
    Highlight Vielleicht müsste das deutsche Strafrecht bezüglich Kriegsdienst in fremden Ländern angepasst werden. In der Schweiz kann das mit mindestens 20 jahren bestraft werden. Verlust der Staatsbürgerschaft und Ausweisung sind ebenfalls möglich
    8 1 Melden
    • zombie1969 23.11.2014 09:14
      Highlight Was ist an diesen IS-Schergen europäisch? Nur dass sie sich in einem europäischen Land aufgehalten haben oder dort geboren wurden, wobei sie vorwiegend selbst als Migranten aus dem Mittleren Osten oder Nordafrika nach Europa gelangt sind und aus Grosszügigkeit die Staatsbürgerschaft erlangt haben. Solche Terroristen hat sich kein Land Europas gewünscht. Diese Mörder haben sich gegen die europäische Kultur gewendet und sollten nun ihr Handwerk, dort wo sie sich als Jihadisten eingefunden haben, untereinander ausüben und die übrige Weltgemeinschaft von ihrer Anwesenheit befreien.
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    • Gelöschter Benutzer 23.11.2014 09:36
      Highlight Diese Jihadisten verstossen gegen das Kriegsvölkerrecht und sind somit nicht "Deren" Problem, sondern das Problem der gesamten Weltgemeinschaft. Und gehören somit als Kriegsverbrecher vor ein entsprechendes Tribunal gestellt.
      Ihre Sicht, dass "die da unten selber schauen sollen" ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten. "Die da unten" haben vor allem schwerwiegende Probleme weil "wir hier drüben" den Nahen Osten erst so richtig durcheinander gewirbelt haben. Und nicht zuletzt hat der Westen das Söldnerwesen massivst gefördert, nur hiess das damals Mujahedin statt Jihadist.
      3 0 Melden

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