Islamischer Staat (IS)

Jesidische Flüchtlinge im Irak: Zehntausende mussten ihre Heimat verlassen.  Bild: PAZHAR MOHAMMAD/EPA/KEYSTONE

IS-Angriff im Nordirak

Uno fürchtet Völkermord an den Jesiden

Die Uno bestätigt, was seit Monaten offensichtlich ist: Die Terrororganisation «Islamischer Staat» versucht, die Jesiden auszulöschen. Die Vereinten Nationen werfen den Dschihadisten im Irak Kriegsverbrechen vor.

22.10.14, 08:32

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Die Vereinten Nationen werfen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen versuchten Völkermord an der religiösen Minderheit der Jesiden im Irak vor. Dafür sprächen einige Fakten, sagte der für Menschenrechte zuständige Uno-Diplomat Ivan Simonovic nach einer Irak-Reise. 

Es gebe Beweise dafür, dass die IS-Kämpfer versucht hätten, die Jesiden auszulöschen. Die Dschihadisten zwangen die Andersgläubigen zum Übertritt zum Islam. Weigerten diese sich, wurden sie umgebracht. Dieses Vorgehen sei ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte Simonovic. 

Der Uno-Diplomat hatte sich in den Städten Arbil, Bagdad und Dohuk mit Regierungsvertretern und Vertriebenen getroffen, darunter mit 30 Jesiden. Diese hätten unter anderem von einer Massenhinrichtung von Jesiden in einer Schule berichtet, die sich geweigert hätten, zum Islam überzutreten. 

Die Zukunft der Jesiden im Irak ist ungewiss

Vor den IS-Kämpfern waren in den vergangenen Wochen zehntausende Jesiden aus mehreren nordirakischen Städten geflohen. Das Schicksal von hunderten vermissten Frauen und Kindern ist unklar. Die radikalen Sunniten des IS betrachten die Minderheit als Teufelsanbeter, die weder Schutz noch Respekt verdienen und als vogelfrei angesehen werden können. Die Dschihadisten brüsten sich damit, dass sie jesidische Frauen als Sklavinnen verkauft hätten. 

Seit dieser Woche sind erneut Tausende Jesiden in Bedrängnis, weil der IS rund um das Sindschar-Gebirge im Nordirak gegen sie vorrückt. Die Minderheit bat deswegen die USA erneut um Hilfe. 

Die Jesiden haben vor allem in der Gegend um die irakische Stadt Mossul und im Sindschar-Gebirge gelebt. Schon in den vergangenen Jahren sind Tausende vor der Verfolgung ins Ausland geflüchtet, der Vormarsch der Dschihadisten hat diesen Exodus noch einmal rasant beschleunigt. Dass die Religionsgemeinschaft im Irak noch eine Zukunft hat, erscheint derzeit unwahrscheinlicher denn je. (syd/AFP/Reuters)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Efbistan 22.10.2014 12:27
    Highlight Es ist wiedermal sowas von klar was hier abgeht. Die gesamte Welt redet und kritisiert wie der IS Menschen abschlachtet, aber keiner unternimt konkrete Schritte. Die Luftbombardements bringen genau nichts und bringen der US Waffenlobby nur Geld ein, mehr nicht.
    Die Türkei steht tatenlos an der Grenze weil ihre Forderungen nach einer Strategie gegen Syrien nicht beachtet wird und benimmt sich deswegen wie ein Kleines Kind das zu allem nein sagt.
    Genauso kann man aber alle anderen Natostaaten anprangern, hier wird von einem Massaker berichtet, aber keiner geht hin und rettet diese Menschen...
    0 3 Melden
  • zombie1969 22.10.2014 09:30
    Highlight Die Weltpresse sitzt vor Kobane und berichtet aus einem Kilometer Entfernung über die wütenden Attacken von Leuten, die man nur als Abschaum der Menschheit bezeichnen kann.
    Das ist Realityshow in der Extremform. Man stelle sich vor, dies wäre im Kessel von Srebrenica geschehen. Die Weltpresse, die Welt, also auch die Europäer, hätten live das Schlachten dort beobachtet.
    Live-Kämpfe, Live-Mord, Live-Köpfen, Live-Kreuzigen. Man nimmt es zur Kenntnis und stumpft ab. Man vergisst dabei aber, dass sich die Welt nicht nur dort verändert, wo dies geschieht. Sie verändert sich auch in unseren Köpfen.
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  • private 22.10.2014 08:38
    Highlight Ich verstehe bis heute nicht, warum es ständig nur um die Jesiden geht. Die Christen im Irak/Syrien werden auch verfolgt und massakriert! Absolut unverständlich...
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    • Efbistan 22.10.2014 12:23
      Highlight Es sind auch Muslime anderer Auslegungen im Massaker verwickelt, nicht nur andere Religionen
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