Islamischer Staat (IS)
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Filmen unter Lebensgefahr in Raqqa

Im Herzen des IS: Frau filmt heimlich in der Dschihadisten-Hochburg

25.09.14, 09:57 25.09.14, 14:21

Eine Frau im Niqab spaziert mit ihrem Kind durch eine Stadt, über die Schulter gehängt eine AK-47, französische Frauen im Burka diskutieren in einem Internet-Cafe über Skype mit ihren Familien Zuhause, ein Auto hält am Strassenrand und weist eine Frau an, sich in der Öffentlichkeit züchtiger zu kleiden.

Diese und ähnliche Szenen sind in einem Video zu sehen, das der französische Fernsehsender France 2 vor Kurzem ausgestrahlt hat. Darin filmt eine Frau mit einer Kamera, die sie unter dem Niqab versteckt hat, das Alltagsleben in einer muslimischen Ortschaft. 

Das auf France 2 veröffentlichte Video aus der IS-Hochburg Raqqa. video: youtube/france2

Wer die Frau ist, ist nicht bekannt. Sie wollte ihre Identität laut France 2 aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben.

Gemäss dem Fernsehsender handelt es sich um Aufnahmen aus der nordsyrischen Stadt Raqqa, der Hochburg der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat. Nachdem der IS Raqqa vor gut 18 Monaten überrannt hatte, steht die Stadt vollständig unter Kontrolle der Islamisten, inklusive strenger Sittengesetze. Die Bilder aus dem vorliegenden Video wurden gemäss dem Sender bereits im Februar und April dieses Jahres aufgenommen.

Aufnahme aus Raqqa, veröffentlicht durch das Raqqa Media Center, der Propagandaabteilung des IS. Bild: AP/Raqqa Media Center

Die Stadt Raqqa auf Google Maps

google maps

Gut 150 französische Frauen sollen sich mittlerweile den IS-Milizionären angeschlossen haben, die meisten davon in Gefolgschaft ihrer Ehemänner, so France 2.

Kaum unabhängige Berichterstattung

Das Video ist, falls die Authentizität verifiziert werden kann, eines der wenigen unabhängigen Dokumente aus dem Herzen des IS. Die bisher bekanntesten Aufnahmen aus Raqqa stammen vom Journalisten Medyan Dairieh, der für das Magazin Vice drei Wochen lang mit IS-Kämpfern unterwegs war. Allerdings wird bei Dairieh nicht klar, wie und unter welchen Umständen die Aufnahmen zustande gekommen sind. Der Journalist wurde bei seiner Reportage permanent von einem Informationsbeauftragten des IS begleitet.

Raqqa unter Beschuss der USA

IS-Stellungen nahe der Stadt im Norden Syriens sind seit Montag Ziel von Luftschlägen durch eine Koalition bestehend aus den USA und verschiedenen arabischen Staaten. Der syrische Machthaber Baschar Al-Assad wurde vorgängig nicht über die Angriffe informiert, gab im Nachhinein aber sein Plazet. An der UNO-Generalversammlung kritisierten jedoch sowohl Iran als auch Russland die fehlende völkerrechtliche Legitimation der Luftschläge. (wst)



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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 25.09.2014 13:19
    Highlight Wieso filmen sie dass eigentlich nicht mit unbemannten Drohnen? Die Technik wäre da. ut (dp)
    3 0 Melden
  • Zeit_Genosse 25.09.2014 12:33
    Highlight Kampf der Bilder. Ob sie produktiv sind, oder die Frauen dort noch mehr unter Druck setzen, ist spekulativ. Doch so wie sich Rebellen und Terroristen als Zivilisten verkleiden und mit Kindern umringt schützen, könnten Frauen in Burkas die islamischen Brandherde infiltrieren. Sie sind durch ihre Kleidung "bestens geschützt", können Sprengstoff oder Nachrichtenelektronik mittragen. Das Potenzial einen Dschihad gegen den Dschihad zu führen ergäbe sich daraus. Wie makaber meine Gedanken doch bereits geworden sind.....
    4 2 Melden
  • Swiss Gronkh 25.09.2014 11:51
    Highlight Der Beschuss des IS wird nichts helfen.... Da müssen leider Bodentruppen ran...
    1 1 Melden

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