Islamischer Staat (IS)
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Der jordanischen Kampfjet-Piloten Muaz al-Kasaesbeh und Sajida al-Rishawi  Bild: /AP/KEYSTONE

Geiseltausch mit dem IS

Die unfreiwillige Top-Terroristin 

Jordanien denkt über einen Tauschhandel mit dem «Islamischen Staat» nach. Das Königreich will die Radikalislamistin Sajida al-Rishawi nach neun Jahren Haft freilassen – aber nur unter zwei Bedingungen. 

29.01.15, 18:38

Raniah Salloum / Spiegel Online

Ein Artikel von

Sajida al-Rishawi ist eine gescheiterte Terroristin, denn sie ist noch am Leben. Eigentlich sollte sie sich 2005 in Amman in die Luft sprengen im Auftrag der irakischen Qaida. Doch Rishawi konnte ihren Sprengstoffgürtel nicht zünden, sie flüchtete. Jordanische Sicherheitskräfte nahmen sie fest. 

Nun, nach neun Jahren Haft, steht Rishawi auf einmal im Mittelpunkt eines Gefangenenaustausches. Das jordanische Königshaus hat eingewilligt, Rishawi freizulassen und an den IS auszuliefern – unter zwei Bedingungen. 

Die Dschihadisten sollen im Gegenzug den japanischen Journalisten Kenji Goto und den jordanischen Kampfjet-Piloten Muaz al-Kasaesbeh freilassen. Der Pilot war an Heiligabend über der syrischen Stadt Rakka abgestürzt und vom IS gefangen genommen worden. Die Dschihadisten behaupten, sein Flugzeug abgeschossen zu haben. 

Beten für Muaz al-Kasaesbeh.  Bild: MUHAMMAD HAMED/REUTERS

Von dem jordanischen Piloten gibt es seit seiner Festnahme allerdings kein Lebenszeichen. Der IS hatte zuletzt nur den japanischen Journalisten mit einer Videobotschaft präsentiert. 

Amman forderte am Donnerstagnachmittag, dass der IS erst einmal beweist, dass der Pilot überhaupt noch lebt, bevor weiter verhandelt wird. 

Für das jordanische Königshaus ist es ein guter Deal 

Für Jordanien und Japan wäre der Gefangenentausch ein günstiger Deal. Denn dem jordanischen Königshaus ist die 46-jährige irakische Rishawi ziemlich egal. Dagegen fiebert das ganze Land mit dem Schicksal des Piloten mit. 

Der charismatische Muaz al-Kasaesbeh entstammt einem einflussreichen Familienclan. Sein Vater hat in den vergangenen Wochen grosse öffentliche Unterstützung zusammengetrommelt. 

Warum interessiert sich der IS plötzlich für eine unbedeutende, gescheiterte Terroristin? 

Ob es tatsächlich zu einer Einigung zwischen dem IS und Jordanien kommt, ist noch fraglich. Der IS hatte seine ursprüngliche Frist um 24 Stunden verschoben und gefordert, dass Rishawi am Donnerstagabend zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangsgebets dem IS an der türkisch-syrischen Grenze übergeben werde. 

Doch Amman wird diese Frist nicht einhalten. Rishawi sei noch immer im Gefängnis in Jordanien, sagte am Donnerstagnachmittag ein Sprecher der jordanischen Regierung. 

Der Islamische Staat (IS)



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 29.01.2015 22:21
    Highlight Jede Erpressung und jede Ermordung von Geiseln muss zu kompromisslosen Gegenschlägen führen. Wenn derartige Taten umgehend zu Luftoffensiven führen und Gegenschläge auch nachgelagerte Einrichtungen treffen, wird sich der IS überlegen, ob die Strategie auf Dauer aufrecht zu halten ist. Immerhin ist der IS gerade erst im Aufbau und empfindliche Schläge gegen junge Infra- und Kommandostrukturen würde der IS auf Dauer nicht durchhalten.
    Und bei Selbstmordattentätern, die ihre Tat nicht durchführen können, liesse sich die Frage stellen, ob man denn zwingend Gefangene machen muss.
    2 1 Melden

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