Islamischer Staat (IS)
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Anhänger der Nusra-Front: Radikale wollen Krieg in die westliche Welt tragen. Bild: AFP

Syrische Nusra-Front

Gotteskrieger kündigen Vergeltung für Luftangriffe an

Die Nusra-Front hat Vergeltung für die Luftschläge der Amerikaner und ihrer Verbündeten in Syrien angekündigt: Die an den Angriffen beteiligten Staaten seien nun Ziel für Gotteskrieger in aller Welt.

28.09.14, 11:33

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Die radikalislamische Nusra-Front hat Vergeltung für die US-geführten Luftangriffe auf ihre Stellungen in Syrien geschworen. Die beteiligten Staaten seien damit zum Ziel für Gotteskrieger in aller Welt geworden, erklärte ein Sprecher in einer am Samstag im Internet veröffentlichten Audiobotschaft. Es werde nicht Krieg gegen die Nusra-Front geführt, sondern gegen den Islam als Ganzes. «Dieser Krieg könnte Jahrzehnte dauern», hiess es weiter.

Es war die erste Reaktion der mit al-Qaida verbündeten Gruppe seit dem Beginn der Luftangriffe am Dienstag. Am Samstag hatten Flugzeuge des von den USA geführten Anti-IS-Bündnisses erstmals Stellungen der Dschihadisten in Dörfern nahe Ain al-Arab angeriffen, bestätigte das US-Zentralkommando in Tampa (Florida). Aufhalten konnten die Bombardements, an denen auch Kampfflugzeuge aus Saudi-Arabien, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten beteiligt waren, den IS bisher allerdings nicht.

Syrische Flüchtlinge warten an der Grenze zur Türkei, während türkische Soldaten die Situation kontrollieren. Bild: SEDAT SUNA/EPA/KEYSTONE

Stattdessen sollen Raketen der IS-Terrormiliz am Samstag die Kurdenstadt Ain al-Arab getroffen haben. Es seien die ersten Raketentreffer seit dem Beginn der IS-Angriffe am 16. September gewesen, sagte der Chef der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Dabei seien ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden.

IS vor den Toren Ain al-Arab

Die kurdische Enklave an der syrisch-türkischen Grenze war vor über einer Woche von IS-Kämpfern umzingelt worden. Bei ihrem Vormarsch hatten die Dschihadisten mehr als sechzig Dörfer im Umland eingenommen. Zehntausende Menschen waren nach Norden in die Türkei geflohen. Die IS-Kämpfer stehen nach Angaben von Augenzeugen bis zu zehn Kilometer vor Ain al-Arab.

Bei den Kämpfen um die syrische Grenzstadt, die von den Kurden Kobani genannt wird, haben IS-Milizen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle in den vergangenen fünf Tagen vierzig kurdische Kämpfer getötet. Darunter seien auch zahlreiche Opfer eines Selbstmordanschlags, der sich in einem westlichen Vorort von Kobani ereignet habe. Der Attentäter sei dabei ein Fahrzeug gefahren, das als Teil eines Hilfskonvois getarnt gewesen sei. Es blieb unklar, wann genau sich der Anschlag ereignet hatte.

Die in Grossbritannien ansässige Beobachterstelle steht den gemässigten Rebellen in Syrien nahe. Bei ihren Angaben stützt sich die Organisation auf ein Netzwerk von Informanten in dem Bürgerkriegsland.

Britische Kampfjets sammeln Aufklärungsmaterial

Bei Angriffen der von den USA geführten Allianz im Irak waren am Samstag erstmals britische Jets im Kampf gegen den IS im Einsatz. Einen Tag nach dem Beschluss des Unterhauses waren zwei «Tornado»-Kampfjets von Zypern aus gestartet und etwa sieben Stunden in der Luft, teilte das Verteidigungsministerium in London am Samstag mit. Die Piloten hätten Aufklärungsmaterial mitgebracht, das nun an die irakischen Bodentruppen weitergereicht werden soll.

Die britischen Flugzeuge waren nach offiziellen Angaben ausgerüstet, um Angriffe zu fliegen, «sobald ein geeignetes Ziel identifiziert» sei. Dies sei am ersten Tag aber noch nicht der Fall gewesen. (mik/cst/AFP/dpa)

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