Islamischer Staat (IS)
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epa04411366 Syrians within a group of refugees wait near the Turkish-Syrian border after fleeing Syria, near Sanliurfa, Turkey, 21 September 2014. Nearly 100,000 Syrian Kurds fleeing the Islamic State militant group have crossed into Turkey in the past three days, a UN official said.  EPA/ULAS YUNUS TOSUN

Flüchtlinge an der syrisch-türkischen Grenze bei Sanliurfa. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte steht der IS kurz vor der Grenze.   Bild: ULAS YUNUS TOSUN/EPA/KEYSTONE

Radikale Kurden gegen IS-Miliz

IS kurz vor der syrisch-türkischen Grenze gestoppt – jetzt soll es die PKK richten

Die Türkei und der Westen sind im Kampf mit dem «Islamischen Staat» überfordert. Helfen soll nun die PKK - die selbst als Terrorgruppe eingestuft wird. 

22.09.14, 08:19 22.09.14, 17:22

Hasnain Kazim, Istanbul / Spiegel Online

Proteste an der türkisch-syrischen Grenze. youtube/ap

Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK greift in Syrien offiziell in den Kampf gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) ein. Per Mitteilung verkündete sie jetzt, Kämpfer aus der Türkei nach Syrien zu schicken. Sie sollen sich dort den IS-Milizen entgegenstellen. Die Extremisten hatten in den vergangenen Tagen mehr als 60 Orte entlang der Grenze zur Türkei eingenommen. 

Überfordert mit dem Ansturm des IS, bittet die in Syrien aktive kurdische Miliz YPG, ein Ableger der PKK, ihre türkischen Mitstreiter um Hilfe. Die rief daraufhin alle Kurden zum Kampf gegen die Islamisten auf und schickte nach eigenen Angaben etwa 300 Kämpfer zur Sofortunterstützung. Sie sollen helfen, die strategisch wichtige Grenzstadt Ain al-Arab vor einer Einnahme durch den IS zu schützen und von den Dschihadisten kontrollierte Orte zurückzuerobern. 

Die immer stärkere Beteiligung der PKK im Kampf gegen den IS wird für die Türkei, aber auch für die USA und die EU zum Problem. Jahrelang bekämpfte die PKK den türkischen Staat, der seit 1984 andauernde Bürgerkrieg kostete rund 45.000 Menschen das Leben. Die PKK rechtfertigt die Gewalt mit der Unterdrückung der Kurden wie etwa dem Verbot ihrer Sprache nach dem Militärputsch von 1980. Offiziell ist die PKK in der Türkei, in den USA und in der EU immer noch als terroristische Vereinigung eingestuft. Doch nun wird sie dringend gebraucht. 

Denn in der eskalierenden Lage im Irak und in Syrien könnte die kampferprobte PKK den IS-Truppen wirkungsvoll entgegentreten. Für die westlichen Staaten ein Vorteil, schliesslich lehnen sie die Entsendung eigener Bodentruppen ab. Die irakische Armee scheint kaum kampfbereit, Syriens Armee steht hinter Diktator Baschar al-Assad, und die syrischen Rebellen sind untereinander zerstritten. Nun soll also die PKK helfen. Schon im irakischen Sindschar waren es eben jene Kämpfer vom Ableger YPG, die den dort bedrohten Jesiden zu Hilfe eilten. 

PKK erhält offiziell keine westliche Hilfe 

epa04411910 Syrian refugees cross the Syrian-Turkish border near Sanliurfa, Turkey, 22 September 2014. Nearly 100,000 Syrian Kurds fleeing the Islamic State militant group have crossed into Turkey in the past three days, a UN official said. Turkish authorities and the United Nations are preparing for the possibility that hundreds of thousands of Syrian Kurds will flee to Turkey in the coming days, UN said. Islamic State fighters have triggered the exodus since seizing dozens of Kurdish villages as they advance towards the centre of the Kabone enclave close to the border with Turkey.  EPA/ULAS YUNUS TOSUN

Syrische Kurden am Grenzübergang Sanliurfa. Die türkischen Behörden rechnen mit einem Anstieg der Flüchtlingszahlen in den kommenden Tagen. Bild: ULAS YUNUS TOSUN/EPA/KEYSTONE

In dieser aussen- und sicherheitspolitisch heiklen Lage müssen die Türkei, die USA und die EU ihre Haltung zur PKK überdenken. In der Türkei hat man damit schon begonnen, der frühere Regierungschef und jetzige Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat einen Friedensprozess angestossen, der zu einem Waffenstillstand geführt hat. In den kurdischen Gebieten in der Türkei darf wieder Kurdisch unterrichtet werden. Führende PKK-Leute hoffen nun darauf, sogar von der Terrorliste gestrichen zu werden. 

Wegen ihres Status erhält die PKK offiziell keine westliche Hilfe im Kampf gegen den IS. Waffenlieferungen aus Deutschland gehen ausschliesslich an die Peschmerga-Armee der irakischen Kurden. Türkische Nationalisten, aber auch westliche Kritiker der Waffenhilfe für die Kurden befürchten, die PKK könnte das Kriegsgerät für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. 

Aber die Zeit drängt, denn aus Furcht vor den Dschihadisten sind seit Freitag mehr als 130.000 Menschen in die Türkei geflüchtet, darunter vor allem Kurden, die in der Region leben. Das kurdische Gebiet sei inzwischen weitgehend unter Kontrolle des IS, sagen Flüchtlinge türkischen Fernsehsendern. Derzeit rückt die Miliz auf die strategisch wichtige Grenzstadt Ain al-Arab vor. «Ain al-Arab ist eine Geisterstadt, jeder verschwindet von dort», sagt ein Mann, der sich mit seiner Familie in der Türkei in Sicherheit gebracht hat. Der türkische Vizepremierminister Numan Kurtulmus klagte am Montag, der Flüchtlingsstrom reisse einfach nicht ab. 

Kämpfer der Miliz in türkischen Krankenhäusern? 

Die kurdische Stadt Ain al-Arab liegt nahe der türkisch-syrischen Grenze. google maps

Iran und Russland wollen gegen den IS vorgehen

Der Iran zeigt sich laut einem Bericht des «Newsweek» bereit, gemeinsam mit den USA den Islamischen Staat zu bekämpfen. Im Gegenzug soll das Urananreicherungsprogramm flexibler gehandhabt werden. Auch der Kreml lässt in einer Medienmitteilung verlauten, dass eine Kooperation mit anderen Staaten gegen den IS in Erwägung gezogen wird. Um welche Staaten es sich dabei handelt, wurde nicht erwähnt. 

Bislang hat die Türkei mehr als anderthalb Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Sie kommen in Lagern unter. Viele landen aber auch auf der Strasse, die Wohlhabenderen leisten sich eigene Wohnungen. An vielen Orten gibt es Spannungen. Auch an der Grenze kam es am Wochenende zu Ausschreitungen, weil manche Flüchtlinge angeblich Steine auf türkische Sicherheitskräfte warfen. Die Grenzsoldaten, behaupten wiederum Flüchtlinge, sollen die Kurden schlecht behandelt haben und hätten sie nicht sofort einreisen lassen. Am Montag berichteten mehrere Flüchtlinge, die türkische Behörde würde die Grenzübergänge nach Syrien schliesen. 

A Turkish soldier gives a bottle of water to a handicapped Syrian refugee waiting at the border in Suruc, Turkey, Sunday, Sept. 21, 2014. Turkey opened its border Saturday to allow in up to 60,000 people who massed on the Turkey-Syria border, fleeing the Islamic militants’ advance on Kobani.(AP Photo/Burhan Ozbilici)

Ein Soldat der türkischen Streitkräfte versorgt Flüchtlinge an der türkisch-syrischen Grenze mit Trinkwasser. Bild: AP/STR

Doch nicht nur die Flüchtlinge sind ein Problem, auch die IS-Kämpfer selbst kommen über die Grenze. Türkische Medien berichten von IS-Kommandeuren, die sich in türkischen Krankenhäusern behandeln lassen. Eine Krankenschwester beklagte, sie habe "keine Lust, diese Leute zusammenzuflicken, damit sie zurückkehren und Menschen köpfen". 

Ein weiteres Problem für Ankara: Der IS rekrutiert in der Türkei junge Kämpfer, auch in Metropolen wie Istanbul und der Hauptstadt. Seit dem Wochenende kursieren zudem YouTube-Videos, die zeigen, wie langbärtige Männer mit IS-Logos auf ihren T-Shirts unbehelligt die Strassenbahn in Istanbul nutzen. 

YouTube/EretzZen

Turkish Kurdish protesters clash with Turkish security forces during a pro-Kurdish protest near the southeastern town of Suruc in Sanliurfa province September 22, 2014. More than 130,000 Syrian Kurds fleeing an advance by Islamic State militants have crossed into Turkey in the past three days and the authorities are preparing for more, Turkish Deputy Prime Minister Numan Kurtulmus said on Monday.  REUTERS/Murad Sezer (TURKEY - Tags: POLITICS MILITARY CIVIL UNREST CONFLICT)

Kurdische Demonstranten liefern sich Scharmützel mit türkischen Sicherheitskräften. Bild: MURAD SEZER/REUTERS

A man uses a slingshot to throw a stone toward Turkish security forces who were using teargas and water cannons to disperse protesting local people as several hundred Syrian refugees wait at the border in Suruc, Turkey, Sunday, Sept. 21, 2014. Turkey opened its border Saturday to allow in up to 60,000 people who massed on the Turkey-Syria border, fleeing the Islamic militants’ advance on Kobani. (AP Photo/Burhan Ozbilici)

Demonstrant mit Steinschleuder – türkische Sicherheitskräfte liefern sich Kämpfe mit kurdischen Gruppierungen nahe der Grenze. Bild: AP/STR



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • wise 23.09.2014 20:48
    Highlight @sewi
    bitte lesen sie ein Geschichtsbuch, ihre behauptungen sind falsch.

    @infonaut
    danke für die Wahrheit.
    1 2 Melden
  • Too Scoop 22.09.2014 23:56
    Highlight Wer ehrlich glaubt hat keine Zeit "ungläubige" zu verfolgen, zu kritisieren zu hinterfragen etc. Alleine der Mensch bestimmt die Gewalt und die Inakzeptanz nicht die jeweiligen Schriften.
    2 3 Melden
  • Abel Emini 22.09.2014 23:30
    Highlight Die Vereinigung der Kurden steht an!
    0 4 Melden
    • sewi 23.09.2014 10:49
      Highlight Das ist gut. Genug lange wurden sie von allen verarscht. Die Türken werden aber für die Unterstützung des IS noch teuer bezahlen
      2 2 Melden
  • zombie1969 22.09.2014 13:54
    Highlight Während der "Big Brother" von jenseits des Atlantiks um die Welt eilt, um den Terrorismus zu bekämpfen, machen sich derweil saudisch/katarische Kalifat-Unterstützer einen Spass daraus IS, Al-Kaida und Hamas stets mit frischen Finanzmitteln zu versorgen. Das Ganze sollte dann im Endeffekt zu der Überzeugung führen, dass man die arabischen Staaten ihren Müll vielleicht mal selbst wegräumen lassen muss, Sollen sich doch mal andere zum internationalen Buhmann machen lassen. Das wird dann bestimmt interessant, wenn dann durch IS demnächst arabische Reporter von Al-Jazeera vor laufenden Kameras enthauptet werden.
    11 6 Melden
  • Baba 22.09.2014 10:57
    Highlight Zitat: "...türkische Sicherheitskräfte liefern sich Kämpfe mit kurdischen Gruppierungen nahe der Grenze." Ich denke, da kämpfen die Türken gegen die Falschen... Was für eine grauenvolle Entwicklung in Syrien/Irak!
    Es ist eine Schande, was dieser IS im Namen ihres Gottes anrichten - sie diffamieren damit ihre Glaubensbrüder und -schwestern weltweit. Aber die Geschichte wiederholt sich mit umgekehrten Vorzeichen: im Mittelalter haben die Christen im Nahen Osten ähnliches angerichtet, unter dem Namen "Kreuzzüge", mit dem Segen der allerhöchsten Geistlichkeit!
    8 5 Melden
    • sewi 22.09.2014 15:01
      Highlight Die Kreuzzüge waren eine Reaktion auf den islamischen hl. Krieg. Alle heute islamisierten Gebiete waren vorher christlich( mit Ausnahme Irans).
      4 9 Melden
    • sewi 22.09.2014 19:53
      Highlight @infonaut: lesen Sie Geschichtsbücher. Religionsfreiheit unter Moslemherrschaft ist im Koran definiert. Lesen Sie das nach. Und die moslemischen Terrorangriffe wurden kurz nach dem Tod Mohammeds intensiviert. Oder glauben Sie der ganze nahe Osten hätte sich freiwillig dem Islam unterworfen?
      3 4 Melden
    • sewi 23.09.2014 06:51
      Highlight @ Infonaut: Sie sind falsch informiert. Der Djihad ist zenraler Bestandteil des Islams. Nachdem die Terrorhorden 300 Jahre wüteten gab es erstmals eine Reaktion des Papstes. (Ca1089)In Europa waren es die Franken die die Invasoren in Südfrankreich stoppten. Weder das noch die Rückeroberung Spaniens lief je unter heiliger Krieg.
      1 1 Melden

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