Israel
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Palestinian Hamas supporters gather for a rally in Gaza City, Gaza Strip, Thursday, Aug. 7, 2014. Thursday's rally drew several thousand supporters and a senior Hamas official has told supporters at the rally that the war with Israel won't be over until the group's political demands are met. Israel and Hamas were holding indirect negotiations in Cairo, Egypt about new border arrangements for blockaded Gaza and extending a cease-fire. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

Anhänger der Hamas am 7. August. Die im Gazastreifen herrschende Hamas hat sich zum Sieger im Gaza-Krieg erklärt. Tausende Palästinenser gingen am Donnerstag auf die Strasse, um zu feiern. Sie demonstrierten für die bewaffneten Palästinenserorganisationen und deren Forderungen bei den Verhandlungen in Kairo. Bild: Lefteris Pitarakis/AP/KEYSTONE

Islamisten in Gaza

Hamas-Führung entgleitet die Kontrolle 

Die Exilführung der Hamas verliert offenbar die Kontrolle über ihre Kämpfer in Gaza. Während des Waffengangs mit Israel haben die Kassam-Brigaden wohl mehrfach Befehle von Politbürochef Maschaal ignoriert. 

christoph sydow, tel aviv / spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Ein grösserer Gegensatz zwischen zwei Orten ist kaum vorstellbar: Auf der einen Seite Doha, mit seinen gewaltigen Wolkenkratzern, Glasfassaden und Villenvierteln. Hauptstadt von Katar, dem reichsten Land der Welt. Auf der anderen Seite Gaza-Stadt, dichtbebaut, bitterarm und zu grossen Teilen zerstört. 

Zwischen diesen beiden Polen – Doha und Gaza – bewegt sich die Hamas. Und das wird für die islamistische Bewegung zum Problem. Seit mehr als zwei Jahren leben Hamas-Chef Chalid Maschaal und andere Führungsfiguren in Katars Hauptstadt. Zuvor hatte die Organisation ihren Exilsitz in Damaskus aufgegeben – aus Sorge um die sich verschlechternde Sicherheitslage in Syrien und aus Sympathie mit den dortigen Aufständischen. 

Eine Frau geht am 6. Januar 2005 ueber die Corniche in Doha, Katar. Links im Hintergrund ist das Sheraton Hote zu sehen. Der Porsche-Aufsichtsrat will in den kommenden vier Wochen eine Grundsatzentscheidung ueber einen moeglichen Einstieg des Emirats Katar bei dem hoch verschuldeten Autobauers treffen. Dies verlautete am Montag, 15. Juni 2009, aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen.  - A Qatari woman jogs at the corinche as the Sheraton Hotel, left, and the other new towers look at the background in Doha, Qatar, Thursday, Jan. 6, 2005. Fast growing Gulf state of Qatar prepares for 2006 Asian Games in Doha. (AP Photo/Kamran Jebreili)

Doha, Katars Hauptstadt und Wohnsitz des Hamas-Chefs. Bild: AP

A Palestinian man looks out over destruction in part of Gaza City's al-Tufah neighbourhood as the fragile ceasefire in the Gaza Strip entered a second day on August 6, 2014 while Israeli and Palestinian delegations prepared for crunch talks in Cairo to try to extend the 72-hour truce. The ceasefire, which came into effect on August 5, has brought relief to both sides after one month of fighting killed 1,875 Palestinians and 67 people on the Israeli side. AFP PHOTO / MAHMUD HAMS

Gaza City: mausearm und zerstört. Bild: AFP

In Damaskus lebte Maschaal relativ bescheiden in einem streng gesicherten Viertel unter dem Schutz des syrischen Geheimdienstes. Mit seinem Umzug an den Persischen Golf hat sich der Hamas-Chef in puncto Lebensqualität deutlich verbessert. Er residiert nun in einer Villa in einem Vorort von Doha, wird von Bediensteten umsorgt und geniesst weitaus grössere Bewegungsfreiheit als noch in Syrien. Im vergangenen Jahr empfing er den australischen Journalisten Paul McGeough und liess sich beim Tischtennisspielen und Fitnesstraining ablichten. 

«Während unser Volk stirbt, macht unser Führer Dschihad an der Tischtennisplatte in Katar.»

Kommentar zu Hamas-Chef Maschaal

Hohn und Spott für den Hamas-Chef 

Tweet: @Patcondell

Diese Bilder werden Maschaal nun zum Verhängnis. Viele Palästinenser haben die Fotos des Hamas-Chefs im eigenen Fitnesscenter in den vergangenen Tagen auf Facebook und Twitter geteilt. Sie sollen als Beweis dafür herhalten, dass der Chef der militanten Islamisten das Gespür für die Situation der Menschen in Gaza längst verloren hat. «Während unser Volk stirbt, macht unser Führer Dschihad an der Tischtennisplatte in Katar», lautete noch einer der freundlicheren Kommentare. 

Dabei ist es noch nicht einmal zwei Jahre her, seit sich Maschaal im Gaza-Streifen von Zehntausenden frenetisch feiern liess. Im Dezember 2012 reiste er anlässlich des 25. Jubiläums der Hamas-Gründung mehrere Tage durch das Küstengebiet. Es war sein erster Besuch in Palästina, seit seine Familie nach dem Sechstagekrieg 1967 aus dem Westjordanland geflohen war. Damals war Maschaal elf Jahre alt. 

Seit dem Sturz des mit der Hamas verbündeten Muslimbruders Mohammed Mursi in Ägypten kann Maschaal nicht mehr nach Gaza einreisen. Die neue Führung in Kairo hat den palästinensischen Islamisten sämtliche Aktivitäten untersagt. Der Bewegungsspielraum der Hamas ist dadurch in den vergangenen zwölf Monaten deutlich eingeschränkt worden. Dadurch dass Ägyptens Armee den Grossteil der Tunnel nach Rafah zerstört hat, sind der Organisation zudem wichtige Einnahmen aus dem Schmuggel weggebrochen. 

TOPSHOTS
A Palestinian man throws an item from a destroyed house in the Al-Shejaea neighbourhood of Gaza City on August 5, 2014, after a 72-hour truce agreed by Israel and Hamas went into effect following intense global pressure to end the bloody conflict. Israel announced that all of its troops had withdrawn from the Gaza Strip after completing a mission to destroy a sophisticated network of cross-border attack tunnels, ending a ground operation which began on July 17. AFP PHOTO/ MOHAMMED ABED

Das zerstörte Gaza City. Bild: AFP

Werden Maschaals Befehle in Gaza ignoriert? 

«Wir sind nicht zwei Teile. Wir sind eine einzige Bewegung. Wenn sich die politischen Führer zu etwas verpflichten, wird das vom militärischen Flügel befolgt.»

Hamas-Chef Maschaal

Die Abriegelung des Gaza-Streifens hat auch Auswirkungen auf die Kommandostruktur der Hamas. Während des jüngsten Kriegs mit Israel kamen Anweisungen der Exilführung in Doha entweder gar nicht oder nur mit grosser Verzögerung bei den Kommandeuren in Gaza an. So hatte sich Maschaal mehrfach zu mehrstündigen Feuerpausen bereiterklärt, die dann von den Kassam-Brigaden – dem bewaffneten Flügel der Hamas – nicht eingehalten wurden. «Entweder die Befehle von Maschaal werden ignoriert, oder sie erreichen Gaza gar nicht. Das macht uns Sorgen», sagte ein US-Beamter dem Wall Street Journal

Der Hamas-Chef selbst bemüht sich, die Gerüchte über einen Zwist zwischen der Exilführung und der Organisation in Gaza herunterzuspielen. «Wir sind nicht zwei Teile. Wir sind eine einzige Bewegung. Wenn sich die politischen Führer zu etwas verpflichten, wird das vom militärischen Flügel befolgt», sagte Maschaal in einem Interview

Israel fordert bei den laufenden Waffenstillstandsverhandlungen in Kairo die Entwaffnung der Kassam-Brigaden und eine Demilitarisierung des Gazastreifens. Die Hamas schliesst dies kategorisch aus. Selbst wenn die Einheitsregierung mit der Fatah wiederbelebt werden sollte, würden die Kassam-Brigaden nicht in den palästinensischen Sicherheitskräften aufgehen. Das hat Musa Abu Marzuk, einer der Hamas-Unterhändler in Kairo, klargestellt. Er widersprach dabei offen seinem Chef Maschaal: «Die Kassam-Brigaden sind eine absolut eigenständige Organisation», sagte Marzuk. 

Wie auch immer die Verhandlungen in Kairo enden: Diese Spannungen innerhalb der Hamas könnten einen dauerhaften Waffenstillstand ernsthaft gefährden. 



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