Israel
epa04337769 A masked Palestinian brandishes his automatic assault rifle as he and other Palestinians who support eh Hamas movement protest in solidarity with the Hamas militants waging war in the Gaza Strip against Israel in the West Bank city of Hebron, 01 August 2014. Hamas had called for a 'Day of rage' in the West Bank as protests broke out in many places in solidarity with the Hamas movement whose militants are waging war in the Gaza Strip with Israel.  EPA/ABED AL HASHLAMOUN

Die Hamas bestätigt erst die Gefangennahme des Soldaten, dann streitet sie sie ab. Bild: ABED AL HASHLAMOUN/EPA/KEYSTONE

Israel verstärkt Angriffe auf Gaza

Hamas: «Wir wissen nichts über einen vermissten Soldaten»

02.08.14, 06:44 02.08.14, 12:01

Nach dem Scheitern einer Waffenruhe haben die israelischen Streitkräfte ihre Angriffe im Gazastreifen intensiviert. Die Militäreinsätze konzentrierten sich in der Nacht auf Samstag auf die südliche Stadt Rafah, in der ein angeblich entführter Soldat vermutet wird.

Soldaten suchten weiter nach einem ihrer Kameraden, der nach israelischen Angaben von einem Kommando der radikal-islamischen Hamas entführt worden war. Trotz der neuen Auseinandersetzungen kündigte die Palästinensische Autonomiebehörde an, am Samstag eine Delegation zu Verhandlungen über eine Beruhigung der Lage in die ägyptische Hauptstadt Kairo zu entsenden.

Der 23-jährige Leutnant fiel nach Angaben des israelischen Militärs einem Hamas-Kommando in die Hände, als seine Einheit an der Zerstörung eines Tunnels in den Gazastreifen arbeitete.

Der Armee zufolge ereignete sich die Entführung am Freitagmorgen anderthalb Stunden nach Beginn einer dreitägigen humanitären Waffenruhe, die die Vereinten Nationen (UNO) und die USA zuvor zwischen Israel und radikalen Palästinensern vermittelt hatten. Als Reaktion darauf erklärte Israel die Feuerpause für gescheitert.

Verwirrung um Hamas-Kommunikation

Ist der israelische Soldat in den Händen der Hamas? Bild: ALAA BADARNEH/EPA/KEYSTONE

Der bewaffnete Arm der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, bestritt in der Nacht auf Samstag, den Soldaten entführt zu haben. «Wir wissen nichts über einen vermissten Soldaten, seinen Verbleib oder die Umstände seines Verschwindens», hiess es in einer Mitteilung, die an Journalisten versandt wurde.

Nach einer Meldung der palästinensischen Nachrichtenagentur Ma'an hatten die Al-Kassam-Brigaden zuvor allerdings noch bestätigt, Goldin gefangen genommen zu haben.

Die jüngsten Angaben widersprachen auch Medienberichten, in denen es unter Berufung auf eine Mitteilung der Al-Kassam-Brigaden hiess, die Gruppe vermute, der seit einem Überfall vermisste Soldat und seine mutmasslichen Entführer seien bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen.

«Wir haben den Kontakt zu den an dem Überfall beteiligten Kämpfern verloren, und wir vermuten, dass sie alle bei dem Bombardement getötet wurden», zitierte etwa die israelische Zeitung «Haaretz» aus der Mitteilung. Dabei sei wohl auch der Soldat ums Leben gekommen.

Weitere Verschärfung des Konflikts befürchtet

Gaza in Trümmern. Bild: MOHAMMED SABER/EPA/KEYSTONE

Ein Hamas-Sprecher in Katar sagte dem US-Sender CNN, der Überfall habe sich vor Beginn der Waffenruhe ereignet. Ihm lagen nach eigenen Angaben bislang keine Informationen über den verschwundenen Soldaten vor. Er wies darauf hin, dass Goldin möglicherweise von «irgendeiner anderen Organisation» gefangen genommen worden sei.

Zuletzt war 2006 der Soldat Gilad Schalit von einem Kommando unter Leitung der Hamas durch einen Tunnel in den Gazastreifen verschleppt worden. Er kam erst mehr als fünf Jahre später frei – im Tausch gegen mehr als 1000 palästinensische Häftlinge.

Der neue Vorfall droht den aktuellen Konflikt weiter anzuheizen. Bis Mitternacht starben nach Angaben des Sprechers des palästinensischen Gesundheitsministeriums mindestens 104 Palästinenser. Zwei israelische Soldaten starben bei Gefechten mit Hamas-Kämpfern.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Freitag eine harte Reaktion angekündigt. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich nach dem Scheitern der Waffenruhe «schockiert und zutiefst enttäuscht über die Entwicklung». Er befürchtete «ernste Folgen für die Menschen in Gaza, in Israel und darüber hinaus». Die USA forderten die bedingungslose Freilassung des Soldaten.

Kerry ruft zur Ruhe auf

Die Palästinensische Autonomiebehörde gibt ihr Ringen um eine Feuerpause nicht auf. Chefunterhändler Saeb Erekat sagte CNN am späten Freitagabend, Vertreter würden am Samstag zu Verhandlungen nach Kairo reisen.

Er rief US-Aussenminister John Kerry auf, die Israelis zu überzeugen, auch eine Delegation zu entsenden. Eine Deeskalation in dem Konflikt sei zwingend nötig. In Kairo solle auch der Fall des verschwundenen Soldaten zur Sprache kommen.

Die Lage der Zivilbevölkerung im dicht besiedelten Gazastreifen ist laut UNO-Palästinenserhilfswerk (UNRWA) katastrophal. Die Zahl der seit dem 8. Juli getöteten Menschen im Gazastreifen ist nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums bis zum frühen Samstagmorgen auf 1610 gestiegen.

Auf israelischer Seite wurden im Gaza-Krieg mindestens 63 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Militante aus dem Gazastreifen feuerten am Freitag mindestens acht Geschosse auf Israel ab. Drei wurden von der Raketenabwehr abgefangen, die anderen landeten auf freiem Feld. (aeg/sda/afp)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • klugundweise 02.08.2014 09:42
    Highlight Die Besatzer des Gazastreifens bombardieren Schulen und Spitäler und schicken Sonderkommandos die alles wegräumen was ihnen nicht passt. Auch die Gegenseite ist nicht besser. Der volle Wahnsinn! Aber warum ist ein Vermisster so viel publizitätsträchtiger als hunderte Frauen, Kinder und Zivilisten der Gegenseite?
    3 1 Melden

Hören wir auf, dem Westen die Schuld an allen Problemen in Nahost zu geben

Zahlreiche Beobachter aber auch Orientalisten stellen sich auf den Standpunkt, dass die Würzel allen Übels im Nahen Osten in den Interventionen des Westens seit dem Ersten Weltkrieg liegen und sich letztlich immer alles ums Erdöl dreht. Das ist historisch falsch und für die aktuellen Probleme wenig zielführend.

Für den Flüchtlingsstrom aus Syrien und dem Irak gibt es laut dem deutschen Orientalisten Michael Lüders eine Erklärung: Der Westen ist selbst schuld. Indem er sich seit Jahrzehnten immer wieder politisch und militärisch einmischt, hat er die Region nachhaltig zerrüttet. Früher die europäischen Kolonialmächte, heute vor allem die USA. Stellvertretend für diese Haltung der Kommentar eines watson-Users:

Dazu sieben gängige Thesen, entsprechend sieben Gegenthesen und eine deprimierende Konklusion:

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