Israel
epa04337977 Religious Israeli reserve soldiers reciting evening prayers near their APCs (Armoured Personnel Carriers) inside southern Israel very close to the Gaza Strip border, near the area of Rafiah where, earlier in the day, 01 August 2013 a Hamas military operation on he border killed two Israeli soldiers and another was captured, the army announced. A 72-hour humanitarian ceasefire between Israel and Palestinian militant groups in the Gaza Strip broke down 01 August less than three-hours after taking effect, with at least 35 Palestinian killed in the south of the enclave.  EPA/JIM HOLLANDER

Israelische Soldaten beten für die beiden getöteten und ihren verschleppten Kameraden. Bild: JIM HOLLANDER/EPA/KEYSTONE

Gaza-Krieg

Was die Entführung von Soldaten für Israel bedeutet

Ein israelischer Leutnant soll während eines Einsatzes gegen die Tunnel der Hamas verschleppt worden sein. Warum sind entführte Soldaten für Israel ein grosses Problem? Und wie geht es nun weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

01.08.14, 23:10 26.08.14, 12:22

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Welche Fakten sind bisher bekannt?

Die Anzeichen dafür, dass militante Palästinenser im Gaza-Streifen einen israelischen Soldaten entführt haben, verdichten sich. Die israelische Armee teilte mit, das Militär suche nach dem 23-jährigen Leutnant Hadar Goldin. Israelische Soldaten hatten einen Einsatz gegen die Tunnel der Hamas vorbereitet, als ein Selbstmordattentäter sich nach israelischen Medienberichten in der Nähe der Truppen in die Luft sprengte. Zwei der Soldaten wurden getötet.

Goldin sei bei einem Angriff verschleppt worden, etwa eineinhalb Stunden nach Inkrafttreten der humanitären Feuerpause, die eigentlich drei Tage lang gelten sollte. Was den Zeitpunkt betrifft, widerspricht ein ranghohes Hamas-Mitglied gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu: Der Soldat sei vor Beginn der Feuerpause gefangen genommen worden, heisst es. Israel habe daher nicht das Recht, die Waffenruhe zu brechen.

Hadar Goldin. Bild: EPA/ISRAELI EMBASSY

Welche Entführungsfälle gab es bisher?

Zuletzt war ein israelischer Soldat 2006 verschleppt worden: Gilad Schalit wurde von einem Hamas-Kommando durch einen Tunnel in den Gaza-Streifen entführt. Erst mehr als fünf Jahre später kam der junge Mann bei einem Austausch frei. Im Gegenzug für seine Freiheit wurden 1027 palästinensische Häftlinge freigelassen, unter ihnen Terroristen und mehrfache Mörder.

In der vergangenen Woche sah es zunächst nach einem neuen Entführungsfall aus: Die Hamas hatte behauptet, einen israelischen Soldaten in ihrer Gewalt zu haben. Sie präsentierte dessen Ausweis. Die Armee erklärte den Soldaten jedoch wenige Tage später für tot.

Der israelische Soldat Gilad Schalit war fünf Jahre lang in der Gewalt der Hamas. Bild: EPA

Warum sind entführte Soldaten für Israel ein grosses Problem?

Die Entführung von Soldaten wird in Israel als schwerer Rückschlag gewertet. Weil das Land seinen Kämpfern zusichert, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um sie im Falle einer Entführung nach Hause zu holen, gelten Verschleppte als wertvolles Faustpfand. Die Armee nennt sie deshalb die «ultimative strategische Waffe» der Hamas. Im Gegenzug für eine Freilassung könnten die Islamisten Israel zu grossen Zugeständnissen zwingen – wie etwa bei den 1027 Freilassungen im Fall Schalit.

In der Praxis hat dies fatale Auswirkungen für die Soldaten. Um sich nicht erpressbar zu machen, versucht Israel Entführungen zu verhindern, und geht nach der umstrittenen «Hannibal-Direktive» vor. Vorgesetzte sollen eher den Tod als die Entführung eines Untergebenen in Kauf nehmen. Soldaten sollen demnach auf Feinde schiessen, die einen Kameraden in ihrer Gewalt haben – auch wenn dies das Leben des eigenen Manns gefährden könnte. Schuki Ribak, ein Oberstleutnant der Golani-Elitetruppe, etwa berichtete, er habe im Einsatz von seinen Männern erwartet, dass sie eher Selbstmord begehen, als sich gefangen nehmen zu lassen.

Weil dieses umstrittene Vorgehen in Israel immer wieder für Diskussionen sorgt, haben Dutzende junger Rekruten inzwischen ein Dokument unterschrieben, mit dem sie den Staat von der Pflicht befreien, alles für ihre Heimkehr zu tun. 

Was bedeutet das für den Kriegsverlauf?

Die mutmassliche Entführung von Leutnant Hadar Goldin löste am Freitag unmittelbar neue heftige Kämpfe aus. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium wurden bei israelischen Angriffen 35 Palästinenser getötet. Damit scheiterte die in der Nacht zuvor vereinbarte Waffenruhe. Anschliessend sagte nach palästinensischen Medienberichten auch die um Vermittlung bemühte ägyptische Regierung die geplanten Gespräche vorerst wieder ab.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte weitere Gegenmassnahmen an: Die radikal-islamische Hamas und andere Gruppierungen müssten die Folgen ihrer Taten tragen, sagte er. «Israel wird alles Notwendige gegen jene unternehmen, die zu seiner Zerstörung aufrufen und die Terrorakte gegen seine Bürger verüben», sagte Netanjahu. Nach anderthalb Stunden Feuerpause am Freitagmorgen sieht es folglich so aus, als würde sich der Gaza-Krieg am Wochenende erneut zuspitzen. (vek/puz/dpa/Reuters)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 02.08.2014 19:53
    Highlight Man weiss nicht, was man mehr verachten soll. Die Dummheit oder die Gewalt der Hamas, sich hinter lebendigen Menschen zu verstecken und so immer grössere Teile ihres Volkes zu opfern in dem Glauben, sie könne dadurch die Weltöffentlichkeit zum Handeln aufrütteln. Alle werden soziale Anteilnahme bekunden, aber kein Mensch wird nach Palästina fahren, sich eine Waffe in die Hand drücken lassen, um für die Sache Palästinas zu kämpfen. Daran zu glauben, so dumm ist nur die Hamas.
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