Israel
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A picture taken from the southern Israeli-Gaza Strip border shows an explosion moments after an Israeli air strike on Gaza City, on July 11, 2014. Israel's aerial bombardment of Gaza claimed its 100th Palestinian life as Hamas pounded central Israel with rockets and Washington offered to help broker a truce.  AFP PHOTO / JACK GUEZ

Unerbittlich bombardiert Israel den Gazastreifen. Allein seit Dienstag wurden 1100 Ziele beschossen. Bild: AFP

Israels Bombenstrategie im Gazastreifen

Erst kommt der Telefonanruf – dann der Tod

Israel beantwortet den Raketenbeschuss der Hamas mit systematischen Bombardements. Manchmal werden Zivilisten kurz vorher gewarnt – in anderen Fällen halbe Familien ausgelöscht. So wie jetzt die al-Hadschs. 

11.07.14, 17:32 11.07.14, 19:53

Raniah Salloum, Spiegel Online

Ein Artikel von

Israels Bomben und Raketen sind im Anflug nicht zu hören und nicht zu sehen. Erst die Einschläge lassen urplötzlich die Erde beben. Das Grollen der Explosionen im Gazastreifen dröhnt bis weit nach Israel hinein. Rund 1100 Ziele wurden seit Dienstag beschossen. Das entspricht einem Einschlag etwa alle vier Minuten. 

Unerbittlich bombardiert Israel das kleine Fleckchen Erde, das nicht einmal halb so gross wie Hamburg ist, aber fast zwei Millionen Einwohner hat. Die israelische Luftwaffe sagt, sie bemühe sich, nur militärische Ziele zu treffen und warnt die Bevölkerung vor – im Gegensatz zur islamistischen Hamas. Doch in dem dicht besiedelten Gebiet steigt die Zahl der zivilen Opfer täglich. 

Der östliche Teil von Gaza City. Bild: AFP

Eine Stimme vom Tonband kündigt die Attacke an

Familie al-Hadsch aus Chan Junis im Süden des Gazastreifens hat es am Donnerstagmorgen kurz vor zwei Uhr getroffen, die Eltern Mahmud und Basima al-Hadsch mit ihren sechs Kindern Nadschla, 28, Omar, 19, Tarek, 16, Saad, 13, Asma, 12, und Fatima, 10. Der einzige Überlebende: Sohn Jassir, 25. Er war bei einem Freund zu Besuch. Als er zurückkam, waren sein Haus, seine Eltern und Geschwister ausgelöscht. 

Die israelische Armee hat sich bisher nicht geäussert, warum die al-Hadschs zum Ziel wurde. In der Regel werden die Häuser von Familien zerstört, die ein Hamas-Mitglied in ihren Reihen zählen. Doch soll die Terror-Truppe nach Angaben des israelischen Militärs dazu übergegangen sein, Raketenabschussrampen so dicht wie möglich an Häusern zu errichten. Die Bewohner erhalten eine Risiko-Entschädigung. 

Zerstörte Häuser in Gaza City. Bild: AFP

Bevor die israelische Armee solch ein Gebäude zerstört, wird dort angerufen. Eine Stimme vom Tonband kündigt die Attacke an. Dann bleiben nur noch wenige Minuten zur Flucht. Manchmal wird das Haus auch mit einer kleineren Rakete ohne Sprengkopf beschossen, als letzte Warnung, bevor kurz darauf das zerstörerische Geschoss einschlägt. 

«Die ganze Stadt kann den Angriff fühlen»

«Wenn ein Luftangriff kommt, kann es die ganze Stadt fühlen. Die Häuser stehen dicht an dicht» , sagt Ahmed Hashem, 27, aus Gaza-Stadt am Telefon. «Meinen Kindern sage ich: Macht euch keine Sorgen, die Israelis bombardieren nur die Kämpfer. Aber sie sehen selbst, dass es auch Zivilisten trifft.»

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Gaza sind seit Beginn der israelischen Militäroffensive «Fels in der Brandung» am Dienstag 98 Menschen im Gaza-Streifen getötet worden, davon mindestens 22 Kinder. Knapp 600 Menschen sollen verletzt worden sein. In Israel sind seitdem über 500 Raketen aus dem Gaza-Streifen eingeschlagen. Getötet wurde bisher niemand. 

Anders als in Israel haben die Menschen in Gaza keine Luftschutzbunker. Sie können auch nicht die Koffer packen und einfach Urlaub machen, oder bis das Schiessen aufhört bei Freunden in anderen Städten unterschlüpfen, wie das viele Israelis tun. Die Grenzen des Gaza-Streifens sind seit sieben Jahren abgeriegelt. 

Palästinenser tragen Habseligkeiten aus einem von israelischen Bomben zerstörten Haus in Gaza City. Bild: Hatem Moussa/AP/KEYSTONE

Die Kinder haben sich an die Bomben gewöhnt 

«Jede Familie hier ist betroffen», sagt Hani Mahmud, 31, aus Gaza-Stadt. «Alle kennen jemanden, der verletzt wurde.» Er kam noch glimpflich davon. An seinem Haus zersprangen alle Fensterscheiben, als Israels Luftwaffe ein Gebäude in einigen hundert Meter Entfernung dem Erdboden gleichgemachte. 

Seine Familie bricht abends nicht mehr gemeinsam das Ramadan-Fasten. «Wir setzen uns nicht mehr gleichzeitig alle zusammen an den Tisch. Falls eine Bombe das Haus trifft, wird wenigstens nicht die ganze Familie ausgelöscht», sagt Hani Mahmud. 

Wenn wie an diesem Freitag plötzlich für eine Stunde Stille in Gaza-Stadt herrscht, fragen die Kinder schon: «Wo sind die Bomben?» So sehr haben sich sogar die Kleinsten an das Kriegsgetöse gewöhnt. 

Eine Entschuldigung von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wird es wohl nicht geben: «Wenn unschuldige Zivilisten verletzt werden, liegt das daran, dass die Hamas sich absichtlich hinter palästinensischen Zivilisten versteckt», sagte er. 



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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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    Alle Leser-Kommentare
  • thompson 12.07.2014 01:47
    Highlight Sieht ihr nicht was in Gaza abgeht? Hamas eine perverse Terrororganisation die vor nichts zurück schreckt, die Raketenabwehrrampen bewusst in Wohngebiete installiert. Damit die Vergeltung möglichst viele Zivilisten trifft. Eine Gesetzgebung gleich einem Isis Kalifat den Leuten aufzwingt und Frauen unterdrückt. was würdet ihr in der sicheren Schweiz tun? Wenn von Lichtenstein(ähnlich gross wie Gaza) tausende Raketen auf die Schweiz einschlagen würden?Israel mag viele Fehler haben und sie müssen noch viel für das palästinensische Volk tun und zwar sofort. Aber Israel ist eines von wenig demokratischen Ländern im nahen Osten das funktioniert. Eine Oase umgeben von Staaten die im Kaos versinken. Israel wird sich wehren und hat ein Recht dazu.
    2 3 Melden
  • quark 11.07.2014 22:12
    Highlight Mich nerven die Darstellungen in den Nachrichten: auf Seiten Israels werden zerstörte Autos gezählt (etwa 30) und diese den über 100 Toten auf Seiten Palästina gegenüber gestellt. Perfide.
    3 1 Melden
  • The Destiny // Team Telegram 11.07.2014 19:15
    Highlight Das Wort Genocid ist wohl angemessen. Zudem die Palestinänser haben auch kein ach so teure Luft abwehr wie die Israelis…. das durchschnittliche Alter im Gaza streifen ist 17 der zu erwartende Lebensdurchschnitt beträgt 26 Jahre also in 10 Jahren haben sich die Probleme der Israelis in Erde aufgelöst.

    Man hat das Gefühl dass die Israelis eine auf Opfer machen, ich meine sie haben eine auf dem Technischen-stand-der Dinge Raketenabwehrsystem, Luftschutzbunker und Jets.
    Sie haben bisher 0 Todesopfer obwohl über 400 Raketen auf Israel abgefeuert wurden. Die einzige grosse gefahr für die Bevölkerung sind herabregnende Trümmerteile.

    Die Palestinänser sind wehrlos bis auf die Raketen die sie hinüberschicken (0Todesopfer) ansonsten müssen sie der Siedlungspolitik Israels machtlos zusehen. Die Israelis haben keinen Skrupel bei Ihren Einsätzen auch unmengen an Zivilisten zu töten.
    Das Haus eines Palestinänsers ist sein ganzer Besitz wenn er den nun verlässt und nachher alles dem Erdboden gleich ist da kann so mancher gerade so gut im Haus bleiben.

    Den Menschen im Gazastreifen haben noch nicht mal das Recht Ihr Land zu verlassen denn die Grenzen sind ja geschlossen, sieht irgendwie aus wie ein großes kz lager….hat einfach irgendwie etwas von dem.

    9 2 Melden
  • SandroSommer 11.07.2014 18:11
    Highlight Sieht denn niemand die parallelen zu dem, was die Nazis getan hatten?
    Systematischer Mord, Ghettos/Siedlung errichten etc.
    9 4 Melden

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