Israel
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Mohammed Bar an seinem Arbeitsplatz. Sein Zuhause hat er verloren. screenshot: youtube

Baywatch im nahen osten

Der letzte Rettungsschwimmer von Gaza

Zumindest am Meer sollen sich die Menschen in Gaza sicher fühlen. Das hat sich Mohammed Bar zur Lebensaufgabe gemacht und bewacht als derzeit einziger Rettungsschwimmer den Strand – ohne dafür bezahlt zu werden.

«Das Meer ist alles für mich: mein Freund, mein Bruder, meine Familie», sagt der 21-Jährige. In schwarzer Badehose und weissem T-Shirt steht er auf seinem Beobachtungsturm und sucht den Horizont ab. Kleine Gruppen Jugendlicher stürzen sich in die schaumige Brandung. Bar versucht sie alle im Blick zu haben, stets bereits, sich in die Wellen zu stürzen.

Normalerweise hat Bar an heissen Tagen weit mehr zu tun. «Der Krieg hat den Sommer zunichte gemacht, die Menschen haben Angst», sagt er. Mehr als 2100 Palästinenser starben in den vergangenen Wochen während der Kämpfe zwischen Israel und der Hamas. 

Auch zwei Freunde von Bar, beide Zivilisten, wurden getötet. Er selbst verlor sein Zuhause im südlichen Stadtteil Seitun. Jetzt ist er bei einem Onkel untergekommen.

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Kurze Doku der Nachrichtenagentur AFP über Mohammed Bar. video: youtube

Leben retten

Gegen Tod und Zerstörung durch Krieg ist Bar machtlos, aber am Strand kann er Leben retten. Die Schwimmkurse, die er bisher gab, musste er zwar ausfallen lassen. Aber sobald die Waffen kurz schwiegen, zog es ihn zum Meer. 

«Ich war auf meinem Motorrad unterwegs, als ich sah, dass ein paar Leute zu ertrinken drohten», erzählt Bar von seiner wenige Tage zurückliegenden jüngsten Rettungsaktion. «Hätte ich sie nicht gesehen, wären sie gestorben.»

Seit Dienstag ist ein unbefristeter Waffenstillstand in Kraft, Bar ist wieder regelmässig im Einsatz. «Normalerweise sollten wir sieben Rettungsschwimmer sein, aber jetzt bin ich der einzige», erzählt er. Er kommt, obwohl ihm seit drei Monaten keinen Lohn mehr bezahlt wurde. Umgerechnet knapp 230 Franken verdient Bar im Monat, jetzt hat die Hamas kein Geld mehr für die städtischen Angestellten.

«Wir leben in einem grossen Gefängnis»

Aber Bar macht seine Arbeit nicht wegen des Geldes. Mit 16 Jahren musste er hilflos zusehen, als sein Nachbar Nasser ertrank. Nie wieder sollte so etwas geschehen, schwor sich Bar – und wurde Rettungsschwimmer. Dutzende Menschen verdanken ihm ihr Leben. Drei bis fünf Mal pro Woche rettet der junge Mann Badende vor dem Ertrinken. «Baywatch»-Star David Hasselhoff wäre stolz auf ihn.

«Das Meer ist der einzige Ort in Gaza, an dem die Menschen durchatmen können. Wir leben in einem grossen Gefängnis», sagt Bar. Im Sand übt ein Junge Rückwärtssaltos, junge Männer führen Pferde für ein kurzes Bad ins Wasser, bevor sie in der Nachmittagssonne über den Strand davongaloppieren.

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Mohammed verdient umgerechnet knapp 230 Franken pro Monat – hat aber schon lang keinen Lohn erhalten. screenshot: youtube

Im Schatten des wackeligen Beobachtungsturms hat sich eine Gruppe Frauen mit einer Kanne Tee niedergelassen, ihre schwarzen Schleier sind voller Sand. «Ich bin nervös und deprimiert, deshalb versuche ich hier ein bisschen Spass zu haben», sagt die 21-jährige Aischa el Sahar. 

Sie kommt aus Schedschaija, einem der am stärksten von den Angriffen betroffenen Stadtteile. Das Haus, in dem sie mit ihren zwei Kindern lebte, wurde völlig zerstört. «Meine Kinder sind verängstigt, nachts wachen sie schreiend auf», erzählt Sahar. Der Strand und das Meer sollen sie ablenken. Doch ins Wasser lässt die Mutter die Kinder nicht, das sei viel zu schmutzig. (dsc/sda/afp)



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