Julian Assange
WikiLeaks founder Julian Assange has a drink of water during a news conference at the Ecuadorian embassy in central London August 18, 2014. Assange, who has spent over two years inside Ecuador's London embassy to avoid extradition to Sweden, said on Monday he planned to leave the building "soon", without giving further details. REUTERS/John Stillwell/pool (BRITAIN - Tags: POLITICS CRIME LAW)

Assange kündigte heute an, die ecuadorianische Botschaft bald zu verlassen. Bild: POOL/REUTERS

Auftritt in London

Assanges verzweifelte Offensive

Kommt er raus? Seit zwei Jahren sitzt WikiLeaks-Gründer Assange in der Londoner Botschaft von Ecuador fest, nun spricht er vom «baldigen» Ende seines Zwangsexils. Nur, wie will er das anstellen? 

18.08.14, 16:19 18.08.14, 17:31

carsten volkery, london / spiegel online

Ein Artikel von

Julian Assange ist zurück. Mit einem einzigen Satz schaffte er es am Montag, die Aufmerksamkeit der Weltmedien zu wecken. Er könne bestätigen, dass er die Botschaft bald verlassen werde, sagte Assange bei einer Pressekonferenz in der Botschaft von Ecuador in London. Über das Wann und Wie hüllte er sich lächelnd in Schweigen.

Damit hatte der WikiLeaks-Gründer sein Ziel erreicht: Die Welt redet wieder über sein Schicksal. Seit zwei Jahren wohnt Assange bereits auf engstem Raum in der Botschaft. Er hatte im Sommer 2012 politisches Asyl beim Staat Ecuador beantragt, um der Auslieferung von Grossbritannien nach Schweden zu entgehen. Dort sollte er zu Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs zweier Frauen befragt werden. 

Die Nachricht, dass sein Zwangsexil nun nach zwei Jahren ein Ende haben könnte, elektrisierte die Medien. Am Morgen hatte der TV-Sender Sky News bereits berichtet, dass Assange sich womöglich der britischen Polizei stellen wolle, weil er gesundheitliche Probleme habe. Daraufhin machten sich Dutzende Reporter auf den Weg zu dem Botschaftsgebäude direkt neben dem Luxuskaufhaus Harrods, um die Festnahme vor dem Eingang mitzuerleben. 

Die ganze Rede von Assange Quelle: youtube/RT

Die Lage ist unverändert festgefahren 

Doch sie wurden enttäuscht. Assange erschien nicht auf den Stufen, er gab nur im Innern eine Pressekonferenz vor einigen ausgewählten Journalisten. Zusammen mit dem ecuadorianischen Aussenminister Ricardo Patino forderte er erneut eine «politische Lösung» seiner Lage. Europa gelte als Ort, an dem die Menschenrechte geachtet würden, sagte Assange. Und doch werde er von seiner Familie ferngehalten, ohne dass eine Anklage gegen ihn vorliege.

«Wie lange will die schwedische Justiz das noch zulassen?»

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier

Der Auftritt warf mehr Fragen auf, als er beantwortete. Assange machte nicht den Eindruck, als wolle er sich der britischen Polizei stellen. Ein WikiLeaks-Sprecher bestätigte, Assange werde die Botschaft erst verlassen, wenn die "lächerliche Belagerung" vor der Tür aufhöre. Da die britische Regierung dem Australier kein freies Geleit gewähren will, sondern seine Festnahme droht, sobald er einen Fuss vor die Tür setzt, scheint die Lage unverändert festgefahren. 

Eine von Grossbritannien und Ecuador eingesetzte Arbeitsgruppe konnte sich in den vergangenen Monaten ebenfalls nicht auf einen Ausweg verständigen. Patino klagte, die Briten hätten ihnen nur die hiesige Rechtslage noch einmal erklärt, jedoch nicht über eine politische Lösung reden wollen. Man habe keine Fortschritte gemacht, er sprach von «zwei verlorenen Jahren». Der Aussenminister würde Assange gern nach Ecuador ausfliegen lassen. 

Patino erhebt Vorwürfe gegen Schweden 

Mit der Pressekonferenz wollten Assange und Patino den öffentlichen Druck auf Grossbritannien und Schweden erhöhen. Der WikiLeaks-Mann erinnerte daran, dass die Bewachung der Botschaft den britischen Steuerzahler bereits sieben Millionen Pfund gekostet habe.

Hinter diesen Fenstern lebt Assange seit 2012 Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

Patino warf der schwedischen Justiz Nichtstun vor. Die schwedische Staatsanwaltschaft, die 2010 einen internationalen Haftbefehl gegen Assange erwirkt hatte, könne dessen Aussage jederzeit in der Botschaft oder per Videoschalte aufnehmen, sagte er. Dies sei nach schwedischem Recht möglich, und Ecuador habe dies angeboten. Doch Schweden habe abgelehnt. Assange sitze in der Botschaft fest. «Wie lange will die schwedische Justiz das noch zulassen?», fragte der Aussenminister. «Fünf Jahre, zehn Jahre?»

Die Nerven bei der ecuadorianischen Regierung liegen offenbar blank. «Diese Situation muss ein Ende haben», sagte Patino. Er versicherte jedoch, dass man Assange weiterhin Schutz bieten werde.

Inzwischen macht auch die Gesundheit des berühmten Asylanten seinen Gastgebern Sorgen. Weil er sich nur in geschlossenen Räumen aufhält, soll er unter anderem unter Vitamin-D-Mangel leiden. Auch von Lungen- und Herzproblemen wird berichtet. Assange selbst wollte sich dazu nicht äußern. Er sagte nur, jeder Mensch würde in dieser Umgebung «gewisse Schwierigkeiten» haben.

Das Tauziehen geht also weiter, keine der beiden Seiten scheint bereit nachzugeben. Patino kündigte an, er wolle in den kommenden Wochen erneut das Gespräch mit seinem britischen Kollegen Philip Hammond suchen. Auf viel Verständnis kann er nicht hoffen: Die Briten sehen Assange als Flüchtling, der sich ihrer Justiz entzogen hat. 

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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