Kobane

Luftschlag auf IS-Stellungen in Kobane (18. Oktober). Bild: TOLGA BOZOGLU/EPA/KEYSTONE

Kampf um Kobane

IS startet Grossoffensive

Die Terrormiliz Islamischer Staat versucht offenbar, Kobane von der Grenze zur Türkei abzuschneiden. Berichten zufolge stossen die Dschihadisten in den Westen der Stadt vor. Die Türkei hat derweil 200 Peshmerga-Kämpfern aus dem Irak die Einreise nach Syrien gestattet.

23.10.14, 14:00 23.10.14, 15:26

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Bisher konnten kurdische Kämpfer den Westen von Kobane verteidigen. Nun hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Vorstoss in diesen Teil der nordsyrischen Stadt gestartet. Ziel sei ein rund drei Kilometer langer Korridor vom Hügel Tell Schair bis zur Stadtgrenze, sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. 

Damit versuchen sie, die Enklave von ihrem Grenzzugang zur Türkei abzuschneiden, so Abdel Rahman. Die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG halten somit nur noch den knapp drei Quadratkilometer grossen Stadtkern. 

Augenzeugen berichteten der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw, die Kämpfe seien nachts ausgebrochen. Ein Taxifahrer sagte Rudaw, IS-Kämpfer hätten auf Zivilisten gefeuert, die aus dem Gebiet fliehen wollten. Drei von ihnen seien verletzt worden. Flüchtlinge hätten sich an der türkischen Grenze gesammelt, hätten jedoch nicht passieren dürfen.  

Türkei lässt Peschmerga-Kämpfer passieren

Die IS-Dschihadisten versuchen seit Wochen, den Ort an der syrisch-türkischen Grenze zu erobern. Zuletzt wurden sie von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die am Boden kämpfen, sowie der US-geführten Koalition, die aus der Luft angreift, zurückgedrängt. In der Nacht zum Mittwoch wurden bei Kämpfen im Osten der Stadt mindestens 30 Dschihadisten und elf YPG-Kämpfer getötet.  

Kurdische Kämpfer In der irakischen Stadt Qara Tappa, nördlich von Bagdad. Bild: STRINGER/IRAQ/REUTERS

Unterstützung für die Kurden soll nun aus dem Irak kommen: Die Türkei will rund 200 kurdischen Peschmerga-Kämpfern aus dem Irak die Einreise nach Syrien gestatten. Das sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan im lettischen Riga. Eine entsprechende Übereinkunft sei erzielt worden. Ein direktes Eingreifen in den Konflikt um Kobane lehnt der Nato-Staat Türkei bislang ab. 

Die Türkei steckt wegen des Vormarschs der Islamisten in den syrischen Kurdengebieten im Dilemma: Einerseits kann es dem Land nicht recht sein, dass die Dschihadisten bis an seine Grenze vorrücken. Andererseits scheut sich die Türkei, den syrischen und irakischen Kurden zu helfen, da sie die verbotene Kurden-Partei PKK im eigenen Land nicht stärken will. (vek/dpa/Reuters)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Adonis 23.10.2014 15:21
    Highlight Schande, wie sich Erdogan benimmt. Mal so, mal so. ER müsste doch bedenken, dass ihn die ganze Welt beobachtet. "Ja nu", er ist ja selber Islamist.
    3 0 Melden
  • zombie1969 23.10.2014 14:50
    Highlight Die wahren Spieler im Mittleren Osten sind der Iran und das sunnitische KSA.
    Ayatollah Khomeini legte die Fundamente seines Staates, dem er eine universelle Mission zuschrieb. Damit erhob er den Führungsanspruch in der islamischen Welt und forderte KSA heraus. Der KSA-König reagierte und leitete überall eine Gegenbewegung ein. Er förderte in der islamischen Welt, in Afrika/Asien und in der westlichen Diaspora den strengen Islam sunnitisch-saudischer Prägung.
    Darum geht es in der islamischen Welt und der Iran hat mit seinen Milizen wie Hamas, Hizbollah,Madhi etc. überall seine Finger im Spiel.
    3 0 Melden
  • Sigiss 23.10.2014 14:29
    Highlight Türkei? Vegesst diesen Staat mit Diktator Erdogan.
    6 0 Melden

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