Kobane
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Ein Milizionär der syrisch-kurdischen YPG – Kalaschnikows bilden die Standardbewaffnung der kurdischen Widerstandskämpfer.  Bild: Getty Images Europe

Ungleicher Kampf

Mit Schrottwaffen gegen das IS-Hightech-Arsenal – wie die kurdischen Kämpfer Kobane verteidigen

Mit Panzern, Artillerie und Nachtsichtgeräten rückt die IS-Miliz auf Kobane vor, oft «made in USA.» Die verzweifelten Verteidiger der Stadt halten mit kaum mehr als maroden Kalaschnikows dagegen. 

09.10.14, 15:50 09.10.14, 18:04

raniah salloum, christoph sydow / spiegel online

Ein Artikel von

Die Aufnahmen sollen einen Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) zeigen. Der Heckenschütze hat Position in Kobane bezogen: Er schießt durch ein Loch in der dicken Außenmauer eines Gehöfts auf die Kämpfer des Islamischen Staates (IS).

Hinter seiner Mauer ist der kurdische Heckenschütze sicher vor Kugeln. Eigentlich. Doch dann sprengt nur wenige Meter von seinem Kopf entfernt ein schweres Geschoss der Radikalislamisten ein Stück der Mauer einfach weg.

Syrisch-kurdische Milizionäre.  youtube/Rojava Xweseriya

Die Szene in dem inzwischen nicht mehr abrufbaren Clip spiegelt exemplarisch das Kräfteverhältnis in diesem Konflikt wider: Die Verteidiger von Kobane kämpfen vor allem mit leichten Gewehren. Oft handelt es sich um hoffnungslos veraltetes Gerät. Ihr Gegner dagegen protzt mit hochmoderner Ausrüstung, teils «made in USA

Besitzt ein Kurden-Kämpfer eine kugelsichere Weste, ist das die Ausnahme. Gleiches gilt für die historisch anmutenden Panzerfäuste und Maschinengewehre, die Kobanes Verteidiger in Videos stolz für die Kamera präsentieren. Nahezu jede Miliz in Syrien hat inzwischen ihre eigene PR-Abteilung, die fürs Filmen zuständig ist.

Die selbstgedrehten Clips dienen Propagandazwecken. Dem Zuschauer verraten sie aber auch viel über den Ausrüstungsstand der Konfliktparteien. In einem Video, das Straßenkämpfe im Zentrum von Kobane zeigen soll, wird das besonders deutlich. Im Vergleich zu den dumpfen, heftigen Einschlägen der IS-Artillerie klingen die Gewehre der Verteidiger fast schon harmlos.

Kurdische Kämpfer lassen sich von einem Ausbildner die Handhabung eines Maschinengewehrs erklären. Bild: X02771

Die Kurden sind Guerilla-Krieger, der IS hat Armeebestände

Die Kurden verfügen über die normale Ausstattung von Guerilla-Kämpfern – veraltete, leichte Feuerwaffen, die auf dem internationalen Schwarzmarkt zu bekommen sind. Wie wohl kein anderes Gewehr steht dafür so symbolisch wie die AK-47, die Kalaschnikow. Ihr Gegner, der IS, ist dagegen ausgerüstet wie eine Armee.

Milizionäre des IS paradieren mit erbeuteten Panzern durch Raqqa, Syrien. Bild: AP/Militant Website

Mit Panzern, die sie von syrischen Militärstützpunkten erobert haben, rücken die Dschihadisten vor. Die Kettenfahrzeuge aus sowjetischer Produktion sind zwar auch schon Jahrzehnte alt, halten den wenigen Panzerabwehrwaffen der YPG aber Stand.

Noch wichtiger für die IS-Kämpfer sind die gepanzerten Humvee-Geländewagen, die sie in den vergangenen Monaten bei ihrem Vormarsch im Irak erobert haben. Die USA wollten mit den Humvees eigentlich die irakische Armee aufrüsten – nun sind die Fahrzeuge in den Händen ihrer Feinde gelandet.

In den Geländewagen sind die Dschihadisten vor kleineren Sprengsätzen und dem Beschuss durch Maschinengewehre geschützt. Der größte Vorteil der Humvees: Sie sind extrem schnell. In der Ebene Nordsyriens können sich die IS-Kämpfer in den Fahrzeugen mit bis zu 100 Stundenkilometern bewegen – und so rasch Nachschub an die Front bringen.

IS-Kämpfer vor einem erbeuteten Humvee – das Geländefahrzeug stammt vermutlich aus Beständen der irakischen Armee. Bild: /AP/KEYSTONE

Für Kobane besonders gefährlich sind die vielen Artilleriegeschütze und Granatwerfer, mit denen die IS-Miliz die Stadt unter Feuer nimmt. Ihr Arsenal ist gewaltig: Während die Kurden von jedem Nachschub abgeschnitten sind, können die Dschihadisten aus dem Hinterland neue Waffen und Munition heranschaffen.

Zwar haben die USA und ihre Verbündeten in den vergangenen Tagen mehrfach Fahrzeuge und Artilleriegeschütze aus der Luft zerstört. Den Vormarsch konnten sie damit jedoch nur unterbrechen – aufhalten lässt er sich so nicht.

Bilder einer angeblichen IS-Attacke. youtube/الحرية نت

Die Kurden wollen Waffenlieferungen vom Westen

Ein weiterer entscheidender Faktor im Arsenal der Dschihadisten: die Nachtsichtgeräte. Mit ihnen sind die Angreifer den YPG-Kämpfern in der Dunkelheit hochüberlegen. Die Geräte kommen aus verschiedenen Quellen: Einen Teil erbeuteten der IS von irakischen Militärs, andere Geräte wurden aus der Türkei nach Syrien und in den Irak geschmuggelt.

Trotz dieses strategischen Vorteils haben sich die IS-Kämpfer nachts bisher zurückgehalten. Denn dann greifen meist die amerikanischen Flugzeuge an. Ihre Bombenflüge sind in der Stadt zwar hochwillkommen – aber letztlich nicht ausreichend. Der IS hat zu viele Kämpfer und Waffen. Er tarnt und verteilt diese zu geschickt, als dass man sie alle bombardieren könnte.

Blick mit einem Nachtsichtgerät – die Israelische Armee rückt in den Gazastreifen ein (Juli 2014). Bild: AP/Israeli Defense Forces 

Kobanes Kurden-Kämpfer fordern daher, dass der Westen sie wie die irakischen Kurden mit Waffen beliefert. Doch Kobane wird von der YPG verteidigt, dem syrischen Ableger der PKK. An diese Gruppe, die von den USA und Europa als Terrororganisation eingestuft wird, will man auch für den Kampf gegen den IS keine Waffen liefern.



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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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