Kobane
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SANLIURFA, TURKEY -  SEPTEMBER 26: (TURKEY OUT)  A Protection of the Kurdish People (YPG) fighter holds her AK-47 in the Turkish-Syrian border after refugees and Turkish protestors pull down a part of the Turkish-Syrian border fence, near the southeastern town of Suruc in Sanliurfa province September 26, 2014. Nearly 140,000 Syrian Kurds have fled into Turkey since last week, the fastest exodus of the entire three-year civil war. The United Nations refugee agency said on Tuesday it was making contingency plans in case all 400,000 inhabitants of the Syrian Kurdish town of Kobani fled into Turkey to escape advancing Islamic State militants. (Photo by Stringer/Getty Images)

Ein Milizionär der syrisch-kurdischen YPG – Kalaschnikows bilden die Standardbewaffnung der kurdischen Widerstandskämpfer.  Bild: Getty Images Europe

Ungleicher Kampf

Mit Schrottwaffen gegen das IS-Hightech-Arsenal – wie die kurdischen Kämpfer Kobane verteidigen

Mit Panzern, Artillerie und Nachtsichtgeräten rückt die IS-Miliz auf Kobane vor, oft «made in USA.» Die verzweifelten Verteidiger der Stadt halten mit kaum mehr als maroden Kalaschnikows dagegen. 

raniah salloum, christoph sydow / spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Aufnahmen sollen einen Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) zeigen. Der Heckenschütze hat Position in Kobane bezogen: Er schießt durch ein Loch in der dicken Außenmauer eines Gehöfts auf die Kämpfer des Islamischen Staates (IS).

Hinter seiner Mauer ist der kurdische Heckenschütze sicher vor Kugeln. Eigentlich. Doch dann sprengt nur wenige Meter von seinem Kopf entfernt ein schweres Geschoss der Radikalislamisten ein Stück der Mauer einfach weg.

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Syrisch-kurdische Milizionäre.  youtube/Rojava Xweseriya

Die Szene in dem inzwischen nicht mehr abrufbaren Clip spiegelt exemplarisch das Kräfteverhältnis in diesem Konflikt wider: Die Verteidiger von Kobane kämpfen vor allem mit leichten Gewehren. Oft handelt es sich um hoffnungslos veraltetes Gerät. Ihr Gegner dagegen protzt mit hochmoderner Ausrüstung, teils «made in USA

Besitzt ein Kurden-Kämpfer eine kugelsichere Weste, ist das die Ausnahme. Gleiches gilt für die historisch anmutenden Panzerfäuste und Maschinengewehre, die Kobanes Verteidiger in Videos stolz für die Kamera präsentieren. Nahezu jede Miliz in Syrien hat inzwischen ihre eigene PR-Abteilung, die fürs Filmen zuständig ist.

Die selbstgedrehten Clips dienen Propagandazwecken. Dem Zuschauer verraten sie aber auch viel über den Ausrüstungsstand der Konfliktparteien. In einem Video, das Straßenkämpfe im Zentrum von Kobane zeigen soll, wird das besonders deutlich. Im Vergleich zu den dumpfen, heftigen Einschlägen der IS-Artillerie klingen die Gewehre der Verteidiger fast schon harmlos.

Iraqi volunteers from the Yazidi sect take part in a training camp at the Serimli military base, which is controlled by the Kurdish People's Protection Units (YPG), in Qamishli, northeastern Syria on the border with Kurdistan August 16, 2014. The YPG is training 55 Yazidi recruits with skills to help them fight against the Islamic State militant group. Proclaiming a 'caliphate' straddling parts of Iraq and Syria, the radical Islamists have swept across northern Iraq in recent weeks, pushing back Kurdish regional forces and driving tens of thousands of Christians and members of the Yazidi religious minority from their homes. REUTERS/Youssef Boudlal (SYRIA - Tags: CIVIL UNREST POLITICS CONFLICT MILITARY)

Kurdische Kämpfer lassen sich von einem Ausbildner die Handhabung eines Maschinengewehrs erklären. Bild: X02771

Die Kurden sind Guerilla-Krieger, der IS hat Armeebestände

Die Kurden verfügen über die normale Ausstattung von Guerilla-Kämpfern – veraltete, leichte Feuerwaffen, die auf dem internationalen Schwarzmarkt zu bekommen sind. Wie wohl kein anderes Gewehr steht dafür so symbolisch wie die AK-47, die Kalaschnikow. Ihr Gegner, der IS, ist dagegen ausgerüstet wie eine Armee.

FILE - In this undated file image posted by the Raqqa Media Center of the Islamic State group on Monday, June 30, 2014, which has been verified and is consistent with other AP reporting, fighters from the Islamic State group sit on a tank during a parade in Raqqa, Syria. The Islamic State group is often described as the most fearsome jihadi outfit of all: a global menace outweighing al-Qaida, with armies trembling before its advance. But while the group has been successful at seizing parts of Iraq and Syria, it is no unstoppable juggernaut. (AP Photo/Raqqa Media Center, File)

Milizionäre des IS paradieren mit erbeuteten Panzern durch Raqqa, Syrien. Bild: AP/Militant Website

Mit Panzern, die sie von syrischen Militärstützpunkten erobert haben, rücken die Dschihadisten vor. Die Kettenfahrzeuge aus sowjetischer Produktion sind zwar auch schon Jahrzehnte alt, halten den wenigen Panzerabwehrwaffen der YPG aber Stand.

Noch wichtiger für die IS-Kämpfer sind die gepanzerten Humvee-Geländewagen, die sie in den vergangenen Monaten bei ihrem Vormarsch im Irak erobert haben. Die USA wollten mit den Humvees eigentlich die irakische Armee aufrüsten – nun sind die Fahrzeuge in den Händen ihrer Feinde gelandet.

In den Geländewagen sind die Dschihadisten vor kleineren Sprengsätzen und dem Beschuss durch Maschinengewehre geschützt. Der größte Vorteil der Humvees: Sie sind extrem schnell. In der Ebene Nordsyriens können sich die IS-Kämpfer in den Fahrzeugen mit bis zu 100 Stundenkilometern bewegen – und so rasch Nachschub an die Front bringen.

FILE - In this Thursday, June 19, 2014 file photo, Islamic State group militants stand with a captured Iraqi Army Humvee at a checkpoint outside Beiji refinery, some 250 kilometers (155 miles) north of Baghdad, Iraq.  The Syrian foreign ministry said Tuesday, Sept. 23, 2014 that Washington informed Damascus' envoy to the United Nations before launching airstrikes against the Islamic State group in Syria, attacks that activists said inflicted casualties among jihadi fighters and civilians on the ground.(AP Photo)

IS-Kämpfer vor einem erbeuteten Humvee – das Geländefahrzeug stammt vermutlich aus Beständen der irakischen Armee. Bild: /AP/KEYSTONE

Für Kobane besonders gefährlich sind die vielen Artilleriegeschütze und Granatwerfer, mit denen die IS-Miliz die Stadt unter Feuer nimmt. Ihr Arsenal ist gewaltig: Während die Kurden von jedem Nachschub abgeschnitten sind, können die Dschihadisten aus dem Hinterland neue Waffen und Munition heranschaffen.

Zwar haben die USA und ihre Verbündeten in den vergangenen Tagen mehrfach Fahrzeuge und Artilleriegeschütze aus der Luft zerstört. Den Vormarsch konnten sie damit jedoch nur unterbrechen – aufhalten lässt er sich so nicht.

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Bilder einer angeblichen IS-Attacke. youtube/الحرية نت

Die Kurden wollen Waffenlieferungen vom Westen

Ein weiterer entscheidender Faktor im Arsenal der Dschihadisten: die Nachtsichtgeräte. Mit ihnen sind die Angreifer den YPG-Kämpfern in der Dunkelheit hochüberlegen. Die Geräte kommen aus verschiedenen Quellen: Einen Teil erbeuteten der IS von irakischen Militärs, andere Geräte wurden aus der Türkei nach Syrien und in den Irak geschmuggelt.

Trotz dieses strategischen Vorteils haben sich die IS-Kämpfer nachts bisher zurückgehalten. Denn dann greifen meist die amerikanischen Flugzeuge an. Ihre Bombenflüge sind in der Stadt zwar hochwillkommen – aber letztlich nicht ausreichend. Der IS hat zu viele Kämpfer und Waffen. Er tarnt und verteilt diese zu geschickt, als dass man sie alle bombardieren könnte.

This image made from video shot through a night vision scope released by the Israeli military on Friday, July 18, 2014 shows troops moving a wall during the early hours of a ground offensive in the Gaza Strip. Israeli troops pushed deeper into Gaza on Friday to destroy rocket launching sites and tunnels, firing volleys of tank shells and clashing with Palestinian fighters in a high-stakes ground offensive meant to weaken the enclave's Hamas rulers. (AP Photo/Israeli Defense Forces)

Blick mit einem Nachtsichtgerät – die Israelische Armee rückt in den Gazastreifen ein (Juli 2014). Bild: AP/Israeli Defense Forces 

Kobanes Kurden-Kämpfer fordern daher, dass der Westen sie wie die irakischen Kurden mit Waffen beliefert. Doch Kobane wird von der YPG verteidigt, dem syrischen Ableger der PKK. An diese Gruppe, die von den USA und Europa als Terrororganisation eingestuft wird, will man auch für den Kampf gegen den IS keine Waffen liefern.



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