Kunst

«Beastly/Tierisch» in Winterthur – eine Ausstellung über unseren Katzen-Fetisch und die neue Allianz zwischen Maschine und Tier

31.05.15, 07:45 01.06.15, 09:38

Wenn man in ein Brocki geht und nach Tier-Büchern suche, finde man viel aus den 50ern bis 80ern und noch einiges bis ungefähr zum Jahr 2000, aber dann höre es auf, sagt Daniela Janser. Wo die Tiere hingewandert sind? Ins Internet! Und in die Kunst.

Der beachtliche Katalog der Ausstellung glänzt neben niedlicher Front-Katze auf der Rückseite mit Fell-Imitat.

Diesen Weg beleuchtet die Ausstellung «Beastly/Tierisch» im Fotomuseum Winterthur, die vom 30. Mai bis zum 4. Oktober läuft. Janser ist zusammen mit Duncan Forbes und Matthias Gabi Kuratorin der Schau – und hofft, dass der Besucher nicht nur über Tiere nachdenkt, sondern sich auch fragt: Was ist aus dem Mensch geworden?

Daniela Janser, welches Foto der Ausstellung ist Ihnen am meisten geblieben?
Da man natürlich sehr viele Bilder sichtet, bleibt es naturgemäss nicht bei einem. Das unmittelbar herzigste Foto ist sicher das Titelbild des Katalogs – ein Katzenbild.

Stammt dieses Bild aus dem Internet?
Es ist kein Bild aus dem Netz, sondern von einem Künstler, Elad Lassry, der genau reflektiert, was unsere Katzen-Obsession künstlerisch übersetzt bedeuten könnte. Er entlarvt mit seinem Bild die Katze als unser Fetisch-Objekt. Das Tier ist wahnsinnig genau fotografiert, man sieht jedes Härchen. Wenn das herzige Büsi mit dem Titel «Beastly» gekoppelt wird, entsteht natürlich ein Bruch.

Und welches ist für Sie das beste Bild?
Ein interessantes Doppel-Bild ist dieses:

Peter Hujar im Ausstellungskatalog.

Man sieht hier einen Fotograf, Peter Hujar, der unter anderem für seine Portraits berühmt ist. Wenn man, wie wir das in der Ausstellung und im Buch machen, seinem Selbstporträt das Hundebild, das er ebenfalls fotografiert hat, gegenüberstellt, ergibt sich eine unheimliche Ähnlichkeit. Der Hund wird menschlicher, der Mensch wird «tierischer». Man sieht, dass der Fotograf dem Hund auf Augenhöhe begegnen will – ein sehr wichtiger Moment.

Um das Katzen-Momentum kommt man wohl nicht herum ...
Wir wollten das ernst nehmen und nicht einfach als «dieser doofe Internet-Hype» abtun. Es ist nicht der Ausgangspunkt unserer Ausstellung, schwingt aber mit und ergab auch ein gutes Katalog-Cover. Für den haben wir eigens eine Autorin über Tiere im Internet schreiben lassen. Sie hat interessante Thesen aufgestellt.

Katzen mischen das Internet auf. YouTube/Moon Li

Zum Beispiel?
Spannend fand ich ihre Schlussthese, dass es quasi eine «neue Allianz» zwischen Tieren und Maschinen gibt. Es geht nicht nur ums Internet: Die Autorin berichtet von Strassenhunden in Moskau, die die Metro benutzen und von den Aussenbezirken in die Innenstadt fahren, wo es mehr zu fressen gibt. Was sehr anschaulich eine neue Verbindung, oder sogar Interessensgemeinschaft zwischen Maschinen und Tieren aufzeigt, denen man solche Fähigkeiten erstmal gar nicht zutraut.

Womit wir wieder beim Thema Augenhöhe wären ...
Wir haben versucht, vor allem auf Künstler zu setzen, die die Perspektive verändern und nicht so sehr aus der Sicht des Menschen arbeiten. Die sich Gedanken darüber machen, wie wir jahrzehntelang Tiere fotografisch in unsere eigene Sichtweise «eingesperrt» haben. Ein Künstler, Sam Easterson, schnallt beispielsweise Tieren Kameras um: Wir zeigen sein Video aus der Sicht eines Gürteltiers.

«Ich im Zoo». YouTube/jawed

Ist die Ausbeutung von Tieren ein Thema?
Es ist keine dokumentarische Ausstellung. Die Ausbeutung ist indirekt ein Thema, indem wir traditionelle Darstellungsformen und Sichtweisen auf Tiere hinterfragen. Ausserdem haben wir bewusst einen Raum mit nicht-künstlerischen Alltagsfotografien zu Tieren zusammengestellt, mit Büchern, Plakaten und Postkarten. Dazu kommen mehrere YouTube- Clips und über 3000 Bilder aus dem Internet, die die ganze thematische Bandbreite abdecken, auch das Thema Ausbeutung.

Eine nachdenklich stimmende Szene: Ein Gorilla und seine «Besucher» im Zoo von Omaha, Nebraska. YouTube/402craigw

Als ein Wärter den Rüssel von Topsy im Coney-Island-Park in New York anbrannte, tötete der Elefant den Menschen – und wurde allen Wärter gegenüber aggressiv. Das Tier musste das 1903 mit seinem Leben bezahlen. YouTube/Change Before Going Productions

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