Kunst
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epa04150701 Italian Culture Minister Dario Franceschini (L) and Brigadier General of the Carabinieri (Italian police) of Cultural Heritage Mariano Mossa (R) present the two paintings 'Fruits sur une table ou nature au petit chien' by French artist Paul Gauguin and 'La femme aux deux fauteuils' by French artist Pierre Bonnard, during a press conference in Rome, Italy, 02 April 2014. The two paintings were stolen in London in the seventies and worth several millions of euros, investigators said.  EPA/CLAUDIO ONORATI

Italiens Kulturminister Dario Franceschini (l.) und Einsatzleiter Mariano Mossa enthüllten am vergangenen Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Rom zwei Gemälde, die italienische Fahnder vor einem Monat sichergestellt hatten. Bild: EPA/ANSA

Er hatte zwei gestohlene Kunstwerke in der Küche

«Ich habe mich sofort in die Bilder verliebt»

In der Küche eines italienischen Fiat-Arbeiters hingen jahrzehntelang Meisterwerke von Gauguin und Bonnard – Diebesgut. Dann rückten die Kunstfahnder an, der Mann ist seine Schätze wieder los. Jetzt verrät er, wie er an die Bilder kam. 

04.04.14, 14:47 04.04.14, 15:18

Für die italienischen Kunstfahnder war es ein spektakulärer Erfolg: Vor versammelter Presse enthüllten sie am vergangenen Mittwoch ihren jüngsten Coup, zwei Bilder von Paul Gauguin und Pierre Bonnard, Millionen Euro wert. Sie waren vor mehr als 40 Jahren in London geklaut worden. Und hatten in der Zwischenzeit in der Küche eines Fiat-Mitarbeiters gehangen. 

Gauguins Werk «Fruits sur une table ou nature au petit chien» ist auf das Jahr 1889 datiert. Bild: AP/PRESL

Der Mann, inzwischen Rentner, hatte die Werke 1975 bei einer Auktion von Bahn-Fundsachen gekauft und umgerechnet 28 Schweizer Franken für sie bezahlt. Heute werden die Bilder auf bis zu 37,5 Millionen Schweizer Franken geschätzt. «Sie wurden in bester Absicht gekauft», sagte der Mann nun im Interview mit der italienischen Zeitung «La Repubblica». Und beschreibt, wie er in den Besitz der Gemälde kam. 

«Ich habe Kunst immer gemocht»

Bonnards «La femme aux deux fauteuils» stammt aus dem Jahr 1889. Müsste sich «Herr Nicolò» für eines der Bilder entscheiden, würde seine Wahl auf dieses Gemälde fallen. Bild: EPA/ANSA

«Die Nachtschicht in der Fabrik war gerade vorbei, und ich war wirklich müde», sagte der Kunstliebhaber, der nur «Herr Nicolò» genannt wird. «Aber ich wollte wirklich gerne zur Fundsachen-Auktion der Bahn gehen.» Da habe er sich dann sofort in zwei Bilder verliebt. Zunächst habe niemand für die Gemälde bieten wollen, also sei der ursprüngliche Preis noch einmal herabgesetzt worden. Er habe schließlich 45.000 Lira bezahlt – bei einem Monatseinkommen von 200.000 Lira. «Ich habe Kunst immer gemocht. Statt ins Kino oder in Bars zu gehen, lege ich mein Geld lieber zur Seite und halte Ausschau nach Kuriositäten.» 

Seine neuen Bilder hängte «Herr Nicolò» schließlich in sein Wohnzimmer in Turin und nach der Rückkehr in seine Heimat Sizilien in die Küche. Erst durch seinen Sohn sei ihm bewusst geworden, was genau er da besaß. «Er hat immer sehr viele Fragen gestellt. Er war fasziniert von den Bildern», zitiert die Zeitung «Herrn Nicolò». Sein Sohn habe sich Bücher besorgt und Nachforschungen angestellt. Schlussendlich hätten sie Kunstexperten konsultiert – und so sei die Polizei alarmiert worden. 

Ein Artikel von

Bilder gehörten einer reichen Londoner Familie

Noch befinden sich die Gemälde in der Obhut der Carabinieri, die Untersuchungen zu dem Fall dauern an. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge wurden die Bilder 1970 der reichen Londoner Familie Mark-Kennedy gestohlen und später in einem Zug liegen gelassen. Die Erben der Familie konnten den Kunstfahndern zufolge bisher nicht ermittelt werden. 

Wenn es nach «Herrn Nicolò» geht, hängen die Werke schon bald wieder in seiner Küche. Auch wenn er selbst eingesteht, dass dies wohl ziemlich unwahrscheinlich sei. Müsste er sich für eines der Bilder entscheiden, würde seine Wahl auf den Bonnard fallen, sagte der Mann «La Repubblica». Er könnte sich demnach auch vorstellen, die Bilder einem Museum zu übergeben. «Ich habe meinen Kindern immer gesagt: ‹Wenn ihr Kunst liebt, wird es euch die Kunst zurückzahlen.›»

(aar)



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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