Leben
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Es hat auch seine Vorteile, der einzige Schweizer auf dem Campus zu sein

bild: gregor stäheli

31.03.17, 13:35 01.04.17, 12:57


Ich zog los, um von Schweizern in Australien zu berichten. Um Klischees zu sehen. Um «Evelines» zu begegnen ...

In Perth muss ich feststellen: Diese Evelines, diese typischen Schweizer Austauschstudentinnen, die sind ja gar nicht hier! Man könnte meinen, dass das, was Holländer für die Campingplätze dieser Welt sind, die Schweizer und Schweizerinnen im Auslandssemester seien.

Das kann ich so allerdings nicht bestätigen, zumindest nicht an der Uni. Vermutlich sind sie in Sprachschulen und Jugendherbergen der Ostküste anzutreffen. Hier auf dem Campus im Westen sind allerdings Amerikaner die dominierende Kulturgruppe, gefolgt von Singapurern, Briten und Deutschen. Aber keine Schweizer.

Nach dem Einführungstag ist schnell klar: Ich bin in helvetischer Unterzahl. bild: gregor stäheli

«Eigentlich auch mal schön», denk ich mir. Perth gilt (neben Auckland) als die einsamste Stadt der Welt. Über 2100 Kilometer trennen die Hauptstadt Westaustraliens von der nächsten Millionenstadt. Als ich hierher kam, feierte ich diesen Titel. Ich bin nicht nur ans andere Ende der Welt geflohen, sondern befinde mich auch fern vom Touristen-Rummel der Ostküste. 

Hier bin ich also, weit weg von den Bergen, von Schoggi und vom Wein, von den Wäldern, von den Seen und dem Schnee. Isoliert, wie ein stolzes Einfamilienhaus nach neustem Minergiestandard.

Quokka Selfie. Quokkas sind ja sowas wie die australischen Murmelis, immerhin. bild: gregor stäheli

Wie weit weg alles wirklich ist, merke ich in der ersten Semesterwoche.

Als ich mich als Schweizer oute, jauchzt die Dozentin von Tourism 101 freudig auf. Begeistert erklärt sie den Mitstudierenden die Neutralität unseres Landes am Beispiel des Zweiten Weltkriegs und beginnt mit folgenden Worten: 

«Wisst ihr, um die 40er Jahre gab es in Europa so einen grossen Krieg.»

...

«Grossen Krieg.»

Obwohl Australien durchaus am Zweiten Weltkrieg beteiligt war, Truppen nach Europa schickte und vor allem im Pazifikkrieg mitmischte, merke ich, wie marginal vielen jungen Australiern dies vorkommen mag. Zuhause füllt der Zweite Weltkrieg die Hälfte unserer Geschichtsbücher. Etliche Hitler-Dokumentationen flimmerten auf rollbaren Fernsehgeräten durch die Klassenzimmer, wann immer die Lehrperson nichts vorbereitet hatte. Und hier im stark klimatisierten Unterrichtsraum der Murdoch University ist die Rede von «so einem grossen Krieg.»

Hier scheint wirklich alles etwas weiter weg zu sein.

Isoliert und geknickt. bild: gregor stäheli

«Die Einsamkeit ist schön. Aber der Mensch braucht einen, der ihm immer wieder sagt, dass die Einsamkeit schön ist.» 

Honoré de Balzac

Auf einem Ausflug mit dem Austauschprogramm begegne ich zum ersten Mal anderen Schweizern in freier Wildbahn. Als wir zum Aussichtspunkt bei einer Schlucht kommen, erklingt süsses Berndeutsch in meinen Ohren.

Zwei Backpackerinnen fühlten sich von unserer Gruppe etwas überrumpelt:

«Das isch gloub e Schuelklass. Ou nei, iz chöme die und versoue di ganzi Ussicht. Iz chöimer khe Fötteli meh mache.»

Ich hole mein feinstes Baseldeutsch aus dem Keller, staube es sorgfältig ab, drehe mich zu den reizenden Damen um und sage in freundlichem Ton:

«Mir sin kai Schuelklass, mir sin vo dr Uni. Aber kai Angscht, mir sin bald wieder ewäg.»

Ihre Gesichter versteinern. Das ist durchaus ironisch, denn auf eine gewisse Art haben sie ja grad einen Basilisken gesehen. Nur haben sie so weit weg von zuhause wohl nicht damit gerechnet.

Ja, ich wohne in Zürich. Aber wenn ich das Maul aufmache, merkt man eben schon, dass ich ein Basilisk und kein Löwe. bin. bild: wikipedia

Mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt, der einzige Schweizer an der Uni zu sein.

Es hat nämlich auch etwas Erfrischendes:

Er war sehr schnell still.

Ich, auf der Suche nach anderen Schweizern und «Evelines» – bislang erfolglos. Aber die Suche geht weiter!

bild: gregor Stäheli

Übrigens: So stellt man sich die Schweiz im Ausland vor

gregor stäheli australien mint perth gregorstaeheli staeheli

Seine Lehrer sagten früher: «Wenn du ständig überall deinen Senf dazugeben musst, wird nie etwas aus dir.» Diese Herausforderung nahm er dankend an. Heute ist Gregor Stäheli als Slam Poet vor allem auf Bühnen anzutreffen. Ein Austauschsemester in Perth zwingt ihn, diese für ein halbes Jahr zurückzulassen. Da er es dennoch nicht bleiben lassen kann, sich ständig mitteilen zu müssen, nutzt er diese Reise, um das festgefahrene «Schweizer-in-Australien»-Klischee zu renovieren.

Stalke Gregor auf Facebook oder auf seiner Homepage.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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22
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    Alle Leser-Kommentare
  • crik 01.04.2017 09:03
    Highlight Etwas seltsam, aufgrund des Kommentars einer Dozentin auf alle Australier zu schliessen und zu schreiben "wie marginal vielen jungen Australiern dies [der 2. Weltkrieg] vorkommen mag".

    Warte vielleicht mal bis bis am 25. April (ANZAC Day) ab, oder google mal Kokoda-Trail, dann wirst du sehen, wie bedeutend die Weltkriege den Australiern sind (und auch spätere Kriege, bis in die Gegenwart).
    9 1 Melden
  • lily.mcbean 01.04.2017 07:29
    Highlight Hach diesesmal hast du mich aber zum lachen gebracht! 😅 Dieses Argument mit der drittsprache muss ich mir im Geiste notieren !
    20 1 Melden
  • c_meier 31.03.2017 20:25
    Highlight Perth ist wohl die am meisten unterschätzte Stadt Australiens.
    Dabei ist diese Stadt am nächsten zu Europa.
    Ich war 2008 zum ersten Mal dort als der Elisabeth Quay noch ein Rasenfeld war, 2014 wars eine riesige Baustelle und jetzt glaubs fertig... ?
    Ein Besuch lohnt sich auf jedenfall "aus Gründen"... und einer davon heisst Quokka auf Rottnest Island ;)
    9 3 Melden
  • dä dingsbums 31.03.2017 20:00
    Highlight Schon TimTams probiert?
    6 5 Melden
    • lily.mcbean 01.04.2017 07:31
      Highlight Uää jezt mal ehrlich, mögen die wirklich alle oder tun alle nur so weil Tim Tams ja ach so im Trend sind? Als ich in eins reingebissen habe kam eine Staubwolke aus meinem Mund 😒
      5 0 Melden
    • dä dingsbums 01.04.2017 18:15
      Highlight Ja, die mögen wirklich alle.
      0 2 Melden
    • Lami23 02.04.2017 10:03
      Highlight überbewertete Teiler.
      3 0 Melden
  • lilie 31.03.2017 17:57
    Highlight Du gehst nach Australien, um Schweizerinnen zu treffen? Ist das nicht ein wenig umständlich? 🤔

    😂
    36 1 Melden
  • Palmenwedler 31.03.2017 17:53
    Highlight Ich war die einzige Schweizerin auf einem amerikanischen Campus. Obwohl ich mir ab und zu ein (L)eidgenosse gewünscht habe, war es immer echt lustig, dass ich für einige Leute die einzige Verbindung zu der Schweiz war. Ich hätte alles erzählen können und die hätten mir geglaubt. Das mit dem Fluchen war auch immer toll. Am Ende meiner Zeit dort erhielt ich sogar ein "Zertifikat" für "Fluchen in verschiedenen Sprachen". Man muss es sich dann einfach wieder abgewöhnen, wenn man in der Schweiz ist :)
    19 2 Melden
  • ihrhänddochdeschussnödghört 31.03.2017 17:24
    Highlight Schweizer die sich über andere Schweizer im Ausland auslassen, sind meistens mindestens so schlimm.
    10 21 Melden
    • winglet55 01.04.2017 13:26
      Highlight manchmal hat es schon ein erhebliches Fremschämpotential, da Schweizer immer denken "üsverschtohtehniemer".
      4 0 Melden
  • Anna's Best 31.03.2017 16:21
    Highlight Unterhaltsame, interessante Artikel.☺👍
    26 15 Melden
  • das Otzelot 31.03.2017 15:45
    Highlight Als Berner versteinert das Gesicht IMMER wenn man Baslerdialekt hört.
    Hat nix mit Australien oder weit weg von Zuhause zu tun. :-)
    94 6 Melden
    • blueberry muffin 01.04.2017 15:49
      Highlight Ist ja auch nicht so hübsch wie der Städter dialekt. Züridütsch meini.
      3 5 Melden
  • miro1604 31.03.2017 14:44
    Highlight Schöner Artikel. Interessant zum Lesen. 👍
    22 12 Melden
  • Altweibersommer 31.03.2017 14:20
    Highlight Na, wenn du Eveline nicht siehst, bist dus wohl😁
    125 1 Melden
  • ShadowSoul 31.03.2017 14:12
    Highlight "Alle meinen ich sei reich und könne gut mit Geld umgehen. Hahahaha …(*wischt sich eine Träne mit recyceltem WC-Papier weg*)" - I feel you! hahaha
    64 8 Melden
  • NicoleTa 31.03.2017 13:52
    Highlight Du bist zu früh in Perth, die Schweizer reisen erst ungefähr ab September an... ich spreche aus erfahrung. Wie wahren 2 monate nur 3 Schweizer und ab September kamen "leider" immer mehr dazu, und wie du geschrieben hast... die meisten gehen eh an die Ostküste.
    Grüsse meine Lieblingstadt von mir...
    38 6 Melden
    • Menel 31.03.2017 14:12
      Highlight Kann ich bestätigen, war auch im September da *LACH*....INVASION!!!
      23 1 Melden
    • Namenloses Elend 31.03.2017 17:25
      Highlight Haha ich auch! 😂😂

      Hab weder in Perth noch in Fremantle je irgendeinen Schweizer getroffen. Erst in Alice Springs. Und ab dort erst in Byron Bay wieder. Hab total max. 5 Schweizer getroffen. Und ich bin 4 Monate rumgereist. Ich glaube das können nicht viele behauten. 😂😂

      10 4 Melden
    • Dan Rifter 31.03.2017 19:31
      Highlight Die "Evelines" sind ja auch nicht Auslandsemesterstudis, sondern Maturand/innen im Zwischenjahr..
      Siehe Anstieg September.

      Ergo muss ich da einigen Posts oben recht geben: Die Artikelserie schiesst am Thema vorbei. Gut gemeint.. aber ebe.
      19 1 Melden
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