Leben
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Du musst nicht alles wissen, um in einer Beziehung glücklich zu sein

Blind vertrauen. Bild: public domain

Mehr Information ist nicht gleich mehr Vertrauen ist nicht gleich mehr Liebe. Doch hat eine Beziehung mit Geheimnissen überhaupt eine Zukunft?

25.09.17, 14:08


Wir leben im Zeitalter der Kommunikation. Im Zeitalter des Datenaustauschs. Des Datensammelns und -Hortens.

«Die wertvollste Ware, die ich kenne, ist Information.»

Gordon Gekko aus dem film «wall street»

Die Privatwirtschaft sucht ihren Kunden

In der Unternehmenskommunikation wird auf Transparenz geschworen. Nur auf Basis glaubwürdiger und ausreichender Informationen könne eine Vertrauensbeziehung mit Stakeholdern und Mitarbeitern zugleich aufgebaut werden. 

Die Politik sucht ihre Wähler

Wie die Politik mit dem Gleichgewicht aus Vertrauen und Information kämpft, wird nach jeder Abstimmung deutlich, wenn das Volk mal wieder der Elite das Vertrauen entzogen haben soll, weil sie entweder nicht genügend oder genügend glaubwürdige Informationen erhielt. 

Zwei Menschen bleiben immer ZWEI Menschen. Bild: public domain

Die Welt als Supermarkt

Im Supermarkt lernen wir, dass nur, wer brav seine Kundenkarte über den Scanner zieht auch darauf vertrauen darf, dass der Waren-Algorhythmus ihn auch wirklich treffend einschätzt. Und in der Folge nicht mit unpassender Werbung bombardiert. 

«Es gibt keine Daten, die bestätigen, dass vertrauensvolle Menschen häufiger ausgenutzt werden.»

Julian Rotter,  the social learning theory

Von der Utopie transparenter Beziehungen

Und nun hat Big Data auch in unsere Beziehungen Einzug gehalten. Und die Beweislast hat sich längst umgekehrt. Von Vertrauen wird nicht unausgesprochen ausgegangen. Das muss sich durch potentiell offene Social-Media-Kommunikation erstmal verdient werden.  Wir kennen alle Freunde des Partners, haben seinen Kalender mit unserem Telefon synchronisiert. Schon ein unbekanntes Like in der Timeline sorgt für Verunsicherung.

Der Spruch zum über Jahre aufgebauten aber in Sekunden verlorenen Vertrauen geistert durch die Tagebücher unlängst enttäuschter Ex- und noch Liebender. 

Weisst du alles über deinen Partner? Oder vertraust du ihm? Bild: public domain

Doch hat die Redundanz der Informationen zu einem rationaleren Entscheidungsverhalten beigetragen? Sind wir dermassen durchinformiert, dass jeglicher Fehler ausgeschlossen werden kann? Kaum. Noch immer entscheiden wir aus dem Bauch, geben irrationalen Lastern nach und tun was uns schlecht tut wider besseren Wissens. 

Also hilft uns das Wissen der Welt nicht mal bei den alltäglichsten Entscheidungen. Wir sind nicht in der Lage, das beste Waschmittel zu finden. Aber natürlich soll das bei den emotional unmöglich je vollständig zu überblickenden Dynamiken unserer Beziehungen funktionieren. 

«Vertrauen ist Mut.»

Marie von Ebner-Eschenbach

Vertrauen in den Anderen jedoch gebiert aus Vertrauen in uns selbst. Wer nicht an seine eigenen Stärken und Fähigkeiten glaubt, und aus psychologisch unsicherer Position auf seine Umwelt zugeht, wird sich immer unterlegen fühlen. Aus dieser Perspektive latenten Misstrauens kann nur Angst wachsen. 

Wer sich hingegen sicher ist darin, den täglichen kleinen und grossen Herausforderungen gewachsen zu sein, der steht morgens vertrauensvoll auf. 

Vertrauen wird nicht verdient und verloren. Vertrauen wächst nicht an den Bäumen, wird nicht von einer Institution in Folge guten Betragens vergeben wie Sternchen im Hausaufgabenheft. Vertrauen finden wir in uns und geben wir weiter. Aber eben nur, wenn wir selber darüber verfügen. 

Verzweiflung ist fehl am Platz. Bild: public domain

Ein Beispiel

Mary Eagen fällt aus allen Wolken, als der Mann, den sie am Vortag geheiratet hat, ihr beiläufig von seiner Verhaftung, nur Stunden vor der Hochzeit erzählt. Er berichtete, als wäre doch nichts dabei, dass die gesamte Hochzeitgesellschaft von der Schlägerei in der Nacht davor gewusst hätte, die Braut aber nicht beunruhigen wollte – und ihr darum niemand etwas gesagt hätte. Alles ging schliesslich gut: Der Richter gewährte Kaution, der Bräutigam schaffte es zum Altar, die Braut heiratete den Mann, den sie liebt. 

Doch jetzt sitzt sie im Auto, unterwegs in die Flitterwochen und heult. Davon überzeugt, dass ihre gesamte Beziehung auf einer Lüge basiert. 

«Es war natürlich keine Lüge, nicht wirklich. Es war ein Mangel an Information. Da besteht ein wichtiger Unterschied.»

Mary Eagen Modern love

Diese Anekdote liegt Jahrzehnte zurück. Als Mary Eagen im Podcast Modern Love davon berichtet, hat ihre Ehe unterdessen noch ganz andere Klippen umschifft. Sie selbst ist heute Seelsorgerin in einem Sterbehospiz und erfährt von Menschen auf dem Sterbebett Geschichten, die diese noch nie mit irgendjemandem geteilt haben. 

Sie erfährt von Untreue, Unsicherheit, kleinen und grossen Geheimnissen. Informationen, die nie mit dem Partner geteilt worden waren. Und die die Beziehung nicht im geringsten beeinträchtigten. 

Wir mögen hart daran arbeiten mit der Informations-Taschenlampe jeden noch so dunklen Winkel auszuleuchten. Doch werden wir immer wieder sogar von uns selbst überrascht. Wie können wir erwarten, jemals alle Informationen über den Anderen zu haben? Und wieso ist das überhaupt wichtig? 

Wir werden andere Menschen niemals komplett verstehen können. Das ist allerdings auch überhaupt nicht nötig. Denn eine liebevolle Beziehung beruht auf Vertrauen, nicht Wissen. 

Nicht Big Data sondern Vertrauen: True Love of Old People

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • lilie 25.09.2017 21:24
    Highlight Es gibt Informationen, welche die Beziehung betreffen, und solche, welche sie nicht tangieren.

    Es ist nicht notwendig, jede 'Leiche im Keller' aus der Vergangenheit des Partners zu kennen.

    Aber Dinge, welche einen Einfluss auf die Beziehung haben, sollte man schon offen kommunizieren.
    26 1 Melden
    • Schmirinskis 26.09.2017 05:32
      Highlight Silent Speaker: Wow, so unglaublich gefrustet kann man ja kaum sein. Ich kann verstehen, wie unterschiedliche Vorstellungen zu Beziehungen existieren. Du willst uns allen diese jedoch Madig machen. Traurig. Silent Speaker? Ernsthaft? Du klingts mehr wie ein Beziehubgshassprediger, der verwirrt an der Bahnhofstrasse auf einem Podest steht und den Menschen das Leben schlecht schreien möchte.
      24 3 Melden
    • lilie 26.09.2017 07:27
      Highlight @Silent speaker: Für mich ist eine Beziehung kein Konsumgut, das sich einfach ersetzen lässt. Mit meinem Partner gehe ich eine einzigartige Verbindung ein, da wir beide Individuen sind, also nicht austauschbar.

      Beim Informationsaustausch denkst du offenbar nur an Sex. Es gibt aber viel mehr, was eine Beziehung tangiert.

      Berufliche Entscheidungen etwa. Ferienwünsche. Wunsch nach Kindern (oder gerade nicht). Aber auch Banales, wie etwa wenn man sich verspätet.

      Und sicher ist es auch individuell, was Paare als wesentlich betrachten in der Kommunikation. Das wäre auch ein wichtiger Punkt. ;)
      24 1 Melden
    • Tartaruga 26.09.2017 07:37
      Highlight Konsumgut? Irgendwie hab ich Mitleid
      32 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schmirinskis 25.09.2017 18:20
    Highlight Ich finde das Thema zu sehr vereinfacht. Wegschauen ist einfach und sich Informationen vorenthalten. Ist wahres Vertrauen nicht, über die Fehler bescheid zu wissen und trotzdem zu lieben und zu vertauen? Ich möchte keinen Partner der nicht auch verzeihen kann.
    27 0 Melden
  • Nordurljos 25.09.2017 15:17
    Highlight Mir wurde von meinen Eltern 16 Jahre lang verschwiegen dass ich nicht mit meinem Vater verwandt bin, sondern von einem Seitensprung komme. Erst nach Nachfrage von mir rückten sie mit der Wahrheit heraus. So ein Vertrauensbruch zieht aber weite Kreise, denn die Grosseltern sind ja dann plötzlich auch nicht mehr die "richtigen", gleichzeitig wird man zum Mitverschwörer... Ich denke eine Beziehung, egal mit wem, kann nur bei einer gewissen Grundehrlichkeit funktionieren.
    68 0 Melden
  • Wehrli 25.09.2017 14:16
    Highlight Meine Worte. Vertrauen und sich auch mal anlügen lassen, wenn der Partner der Meinung ist, dass das der beste Weg ist. Eben, dem Anderen Vertrauen.
    27 11 Melden

Diese 18 genialen Cartoons über die Liebe und das Leben haben uns kalt erwischt 😥😍

Die Künstlerin Maria Guadarrama aus Venezuela versteht es, sich in die Herzen ihrer Bewunderer zu bohren. Ihre Werke sind nicht nur schön gemacht, sondern sprechen auch sehr viel Wahres. 

«Ich denke, die Leute, die meine Comics mögen, sind solche, die es mögen in sich und den Ursprung ihrer Gefühle hineinzusehen», so Guadarrama auf dem Künstler-Blog Bored Panda.

Hier nun also einige der bewegendsten Bilder. 

Weitere Werke der begabten Künstlerin findest du auf Instagram.

(sim via …

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