Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Comme des Garçons – ist es schon Mainstream, wenn man es versteht?

Comme des Garçons, Angekommen im Mainstream Bild:

Jeder kennt diese weissen T-Shirts mit aufgenähtem Herz und zwei Augen. Doch Comme des Garçons war mal die zerstörerischste und zugleich kreativste Kraft der Modewelt. Unterdessen ist die Gründerin 74 Jahre alt und kollaboriert mit H&M und NIKE. Ist die Revolution vorbei?

13.07.17, 16:59 13.07.17, 20:38


Anfang der Siebziger ging ein Ruck durch die Modewelt. Plötzlich war da dieses Label Comme des Garçons. Mode für alle – unabhängig von Alter und Geschlecht. Schwarz/Weiss, architektonisch, oft untragbar ...

«For something to be beautiful it doesn’t have to be pretty.»

Damit etwas schön ist, muss es nicht hübsch sein. rei kawakubo, gründerin des Modelabels comme des garçons

Rei Kawakubo, immer in Bewegung

Comme des Garçons, Rei Kawakubo

032c

Dessen Gründerin, Rei Kawakubo studierte Kunst und Literatur. 1964 begann sie, in der Werbeabteilung eines Chemiekonzerns zu arbeiten. Nur schon die Kombination ihrer Weiblichkeit mit der an den Tag gelegten Unabhängigkeit galt in der damaligen Gesellschaft als Tabubruch.

Sie brachte sich nebenher Design bei und machte sich nur drei Jahre später selbstständig. 1969 entstehen ihre ersten Kollektionen und 1973 gründete sie ihr Unternehmen: «Comme des Garçons»wie die Jungs: Ausdruck ihres Missfallens mit den damaligen Modetrends und den darin zum Ausdruck kommenden Rollenbildern.

Von Anfang an gegen den Strom schwimmend, entwickelte sie das Shop-Konzept des Minimalismus und liess sich einen leeren, weiss gekachelten Raum errichten, in dem es immer nur eine kleine Auswahl ihrer Kleidungsstücke zu kaufen gab.

Ihre Kollektionen beinhalteten Jacken mit drei Ärmeln und Rollkragenpullover, die das halbe Gesicht verdeckten. Die Ästhetik fand Beachtung in der Kunstszene und bei schicken Bohemiens. Letztlich beeinflusste sie die gesamte Modeszene. 

Kawakubo’s Kleider unterscheiden nicht zwischen Tag und Abend. Sie sind nicht schmeichelhaft. Sie machen dich nicht schlanker. Sie passen nicht perfekt, bieten dir keinen Trost oder Bestätigung. Aber wenn der Rhythmus stimmt, tun sie all das gleichzeitig. Kawakubo macht nicht einfach Mode. Sie schafft Ideen, suggeriert Gefühle.

Comme des Garçons, Rei Kawakubo, Kyoto Costume Institute

Comme des Garçons, Rei Kawakubo Kyoto costume Institute, Takashi Hatakeyama 

«Meine Kollektionen beginnen als nonverbale, abstrakte Bilder in mir.»

Rei Kawakubo

Comme-des-Garçons ist gleichzeitig konservativ: Schwarz/Weiss, und radikal: Asymmetrisch und unfertig.

Und auch später, als sich langsam etwas Farbe in die Kollektionen schlich, versteckte sich hinter der scheinbaren Normalität stets auch subtile Subversivität. 

Rei Kawakubo und ihre Mode wurden damals von ewig Unangepassten und der Avantgarde mit offenen Armen empfangen.

Commes des Garçons – Anziehsachen zwischen Punk und Mainstream

Heute trägt jeder ihre Shirts. Sie kollaborierte mit H&M und gestaltet einen Turnschuh für Nike. Man könnte meinen, dieser Kniefall vor den Mechanismen der Privatwirtschaft würde Rückschlüsse zulassen auf ihre Motivation. Vorbei seien die Zeiten der puren Anarchie und der Suche nach der Auflösung konventioneller Modesprache. 

Andererseits läuft aktuell eine Retrospektive ihrer Modekunst im Metropolitan Museum of Art in New York. Und in Zusammenarbeit mit einem britischen Detailhändler machte sie ihre gesamte Parfüm-Kollektion der letzen 23 Jahre zugänglich. 

Manche dieser Düfte waren seit Jahrzehnten vergriffen, wurden nur noch in Fanforen unter Hand weitergereicht. 

Sie umfassen Kreationen mit Namen wie Soda, Garage oder Teer und beschäftigen sich mit der Frage was und warum wir uns auf den Körper sprühen.

Das riecht nach ‹gegrillter Zigarette in Verbindung mit Grossstadtgasen und Bergamotte› oder ‹Kerosin, das sich über längere Zeit in einen kalten Betonboden einfrass›.

In einem Gespräch mit dem Magazin «Interview» erklärt Rei Kawakubo ihren Antrieb: 

«Kreation treibt die Dinge vorwärts. Ohne Neues gibt es keinen Fortschritt. Kreation ist gleich Neues. »

Rei Kawakubo interview magazin

Comme des Garçons, Rei Kawakubo, Kyoto Costume Institute

Comme des Garçons, Rei Kawakubo. kyoto costume institute, Takashi Hatakeyama

Sie gibt zu, dass sie mittlerweile auch die Grösse ihres Unternehmens berücksichtigen muss. Dass Mitarbeitern Lohn zu zahlen ist, Geld verdient werden muss. Doch hindert sie das in keinster Weise daran, ihrer inneren Vision stets treu zu bleiben. Letztlich sind das alles nur unterschiedliche Kanäle, ihre Botschaft zu transportieren. Alles kann nebeneinander funktionieren. Denn purer Punk lässt sich nur über eine Idee definieren. Über die dahinterliegende Energie. Und nicht über eine bestimmte Ästhetik oder engstirnige Ablehnung. 

Rei Kawakubo lässt sich durch die Entwicklungen unserer Gesellschaft und die Notwendigkeiten, die durch die Führung eines grossen Unternehmens entstehen, nicht einengen. Im Gegenteil. Sie nutzt die Freiheit der globalisierten, intermedialen Gegenwart und bewegt sich ohne Scheu. Nur weil viele Teenager sich gerne mit ihren T-Shirts zeigen, heisst das noch lange nicht, dass sie sich dem Mainstream beugen muss. Und so bleibt das Label Comme des Garçons weiterhin ein sicherer Hafen für all diejenigen, denen das heutige Modeangebot zu gleichförmig und konventionell geworden ist. 

Einmal Punk, immer Punk. 

Denn Punk hat keine Form, Punk ist eine Idee. Und Rei Kawakubo hat noch einige Ideen in petto. 

Japanische Modestyles der 90er und 00er:

Mehr mint gibt's hier:

Vaterschaftsurlaub? Braucht es nicht! Diese 17 Bilder und GIFs sind der beste Beweis!

Die Netflix-Originals aus Nollywood kommen! Ja, du hast richtig gelesen: Nollywood

Sünde, Sex und Superlativen: Die Serie «Babylon Berlin» rollt Richtung Welterfolg

«Ein Befreiungsschlag» – wie ein Zürcher Bauer für eine Beere alles über den Haufen warf

Nun ist es endlich offiziell: Ernie und Bert sind schwul

Was ist eigentlich aus diesen 8 Hollywood-Stars geworden?

Mehr als nur Sex zwischen Bäumen: Wie dieser Wald im Aargau zum «Schwulewäldli» wurde

Studie vom Bund gefordert: Wird die «Generation Praktikum» ausgenutzt? 

Emmy-Awards: «Game of Thrones» und «Mrs. Maisel» räumen ab

«Sie vergass, ihre Hose zu schliessen» – das sind unsere 7 lustigsten Studenten-Erlebnisse

25 ist das neue 30 – und ich erkläre euch gerne, warum

5 Spiele, bei denen ihr nur mit Team-Work gewinnen könnt

Wir haben 5 Menschen über ihr neues Leben mit Hund ausgefragt

Wir haben 6 Leute gefragt, weshalb sie auf Tinder sind – das sind ihre Antworten

Die EU schafft das freie Internet ab – warum das auch Schweizer User betrifft

Die Kult-Sünneler vom Berner Marzili und ihr Sommer-Finale

«Sabrina – total verhext»: So düster ist das Reboot im ersten Netflix-Teaser

Mein Ex, seine Neue, ihr Sex und ich

Warum die «ewige» Sommerzeit keine gute Idee ist – es hat mit der Dunkelheit zu tun 

Paare, die oft streiten, haben die gesündere Beziehung

25 Fakten zu 25 Jahren «Akte X», die du bestimmt noch nicht kennst

Was ist deine unvergesslichste Reiseerinnerung? 9 Passanten erzählen

präsentiert von

15 Witze, die nur wahre Netflix-Junkies verstehen

Lieber Sommer, es ist Zeit für dich zu gehen

Der ÖV ist dir zu teuer? Mit diesen 9 Tricks sparst du super-einfach Geld

«Nimm dir doch ein Schaumbad» – Warum Selbstliebe Frauen auch nicht weiterbringt

Heidi, Pippi oder Peter Pan? Welche Kinderfilm-Figur steckt in dir?

«Ich hab schon eine Knoblauchpresse gekauft, ich geh nicht zurück nach Rumänien»

Diese 20 Illustrationen zeigen, wie schön und schmerzhaft die Liebe wirklich ist

Wer in diesem Quiz nicht wenigstens einen Punkt schafft, ist ein hässlicher Muggel ⚡

«Du bist einsam? Lass dich einsamen!» 21 miese Tinder-Anmachen

12 Filme, deren Ende sich wie ein Schlag in die Magengegend anfühlt

Liebe Expats, so findet ihr Schweizer Freunde

Uni-Dozent in der Tinder-Falle: Ein Fall entfacht einen Sexismus-Streit an Schweizer Unis

Diese 7 Beispiele zeigen, wie du gegen Rassismus vorgehen kannst

Zwischen Empörungs-Hashtags und wahrer Unmenschlichkeit

Und NUN: Der Dry Martini auf 15 Arten zubereitet – Du wirst sie ALLE trinken wollen

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • *sharky* 13.07.2017 19:06
    Highlight Cooles label, coole Frau 😍... und ich liebe meinen CdG Kyoto Duft, war wie beschrieben vor einiger Zeit in der Schweiz schlicht nicht erhältlich.
    8 2 Melden

Who runs the world? 148 Frauen, die ihr euch zum Vorbild nehmen könnt 

Wir haben einen Kanon gemacht. Das ist dieses Ding, in dem normalerweise steht, welche männlichen Künstler, Wissenschaftler, Denker für die Welt notwendig sind. Aber nicht bei uns. #DIEKANON

In Zusammenarbeit mit: Jelena Gučanin, Nana Karlstetter, Mahret Kupka, Julia Pühringer, Theresia Reinhold, Hedwig Richter, Nicole Schöndorfer, Margarete Stokowski und Brigitte Theissl.

Je verwirrender die Welt scheint, um so stärker wird dem Menschen die Sehnsucht nach einer Ordnung. Nach einer Einordnung. Nach anderen Menschen, die ihm Ideen, Anregung und Halt geben. Die ihm Leuchtturm sein können, in der immer wiederkehrenden, scheinbar schrecklichsten aller Zeiten.

Verständlich also die …

Artikel lesen