Leben
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New York, in diesen Momenten hasse ich dich ein wenig!

alle Bilder: Jennifer Zimmermann

Armut, Menschenmengen, Dreck und Lärm – dass eine Metropole viele solche Unannehmlichkeiten mit sich bringt, war mir klar. New York macht aber so manch anderer Grossstadt Konkurrenz, wenn es um diese und noch ganz andere Dinge geht. 



Knietief überflutete Strassen und Sturzbäche in den Subway-Stationen bei Regen, die Klimaanlage allzeit auf Höchststufe im Sommer, Autogehupe rund um die Uhr, von Abfall übersäte Strassen (Ratten und Kakerlaken lassen grüssen), zu wenig Grünflächen, keine öffentlichen Toiletten, geschweige denn Wasserspender – das alles ist in New York so sicher wie das Amen in der Kirche beziehungsweise das Kokain im Club.

Die Liste nervtötender Grossstadt-Eigenschaften lässt sich beliebig lange weiterführen. Was mir am meisten zu schaffen macht, ist aber die Armut und die Kluft zwischen Arm und Reich, die nicht zu übersehen ist. Jedes Mal, wenn ich unsere chinesische Nachbarin sehe, die ihren übergrossen Einkaufswagen bis oben hin gefüllt mit PET-Flaschen durch die Gegend schiebt, wähne ich mich in einem Dritte-Welt-Land. Wie viel sie wohl mit dem Einsammeln des Abfalls anderer verdient? Wahrscheinlich mehr als die älteren Menschen, die in den Supermärkten Einkäufe in Tüten packen und dafür nur Kleingeld erhalten.

NYC, New York, Mehr Schein als Sein, Rant, NY nervt, Abfall

Ein alltäglicher Anblick: Abfall überall – nur nicht da, wo er hingehört.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Was mich an New York stört, sind aber (noch) ganz andere Dinge. Wer einmal länger hier gelebt hat, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, dass hier überhaupt irgendetwas klappt. Die Arbeitsmoral (um nicht zu sagen Kompetenz) – oder das Fehlen ebenselbiger – macht mich selbst nach bald zwei Jahren immer wieder fassungslos.

Die Nachbarin macht Jagd auf PET-Flaschen, ich mache «Jagd» auf mein Gehalt. Ich kann es kaum mehr an einer Hand abzählen, wie oft mir ein Arbeitgeber schon einmal zu wenig Geld überwiesen hat. Ein «Fehler im System», ein Missverständnis … woran es auch liegen mag, ich traue mittlerweile niemandem mehr. Selbst bei der Rückerstattung der Steuern überwies mir die Stadt zu wenig und auch Hilfsorganisationen buchten gerne mal zu viel von meiner Kreditkarte ab. Dass nicht alles so reibungslos wie in der Schweiz laufen würde, dachte ich mir schon. Dass es aber dermassen laienhaft zu und her gehen würde, hatte ich nicht erwartet.

Apropos Geld: Die erste Erfahrung mit US-Banken machte ich, als ich ein Konto eröffnete. Das ging problemlos über die Bühne – dachte ich zumindest, bis mir meine Kreditkarte geschickt wurde. Darauf prangte in schöner Silberschrift mein Nachname: «Zmmerman». Dass die Amerikaner meinen ich sei jüdisch und darum nur ein «n» am Schluss schreiben, daran habe ich mich gewöhnt. Um das «i» in «Zimmer» zu vergessen, braucht es aber schon eine extra Portion Kreativität.

Kreativ war dann auch die Herangehensweise der Kundenberater, wie ich das Problem beheben solle. Am Telefon sagte man mir, ich müsse in die Bankfiliale. Dort angekommen, sagten diese mir wiederum ich müsse den Kundendienst anrufen. Nach ein paar solcher Schleifen, die zu rein gar nichts führten, gab ich schliesslich auf.

Geldtransfers von Fremden liken

Eine andere Eigenheit der Amis, was das Geld angeht, ist ihr E-Banking beziehungsweise das Fehlen eines eben solchen Systems, das praktikabel ist. Will man jemandem Geld überweisen, zahlt man dafür nämlich eine Gebühr. So werfen viele noch immer mit Checks um sich, um Geldtransaktionen vorzunehmen. Und diese Checks sind wohlgemerkt auch nicht gratis.

NYC, New York, Mehr Schein als Sein, Rant, NY nervt, Streetart

Gut gibt es Apps wie Paypal oder Venmo, wo mit einem Klick Geld überwiesen werden kann, und man dafür nur die E-Mail-Adresse des anderen kennen muss. Diese Transaktionen können bei Venmo – weiss der Teufel warum – auch geliked und kommentiert werden und sie können entweder privat oder öffentlich angezeigt werden. Wählt man letztere Option, sehen wildfremde Menschen meine Zahlungen und umgekehrt. Eine vorzügliche Möglichkeit also, um Ex-Partner und potenzielle Dates zu stalken.

Dienstleistungsmentalität? – Fehlanzeige

Aber zurück zu den Kundenberatern und Konsorten. Die Dienstleistungsmentalität in New York erinnert mich an diejenige, die ich 2010 während einer Reise nach Kuba kennengelernt habe: Richtig guten Service gibt es nur gegen Bares. In eigens geführten «Casa Particulares» waren die Gastgeber äussert freundlich und der Service top. In staatlich geführten Hotels oder Restaurants hingegen liess dieser zu wünschen übrig – was ich bei einem Monatsgehalt von rund zehn Franken und keinem Trinkgeld auch gut nachvollziehen kann.

Ähnlich verhält es sich in New York: In Restaurants und Bars, wo die Angestellten auf Trinkgeld angewiesen sind, sind sie meist sehr freundlich. Sobald man sich ausserhalb dieser Örtlichkeiten bewegt, sind die Leute grummlig was das Zeug hält und es kümmert sie herzlich wenig, ob sie dir behilflich sein können. Bei Stundengehältern von um die elf bis fünfzehn Franken kann ich ihnen dies wiederum aber auch nicht verübeln.

Wieso ich denn noch hier wohne?

Ganz einfach: Heute eine Lesung von Alec Baldwin (die man sich leisten kann), morgen spontan ein Konzert von Karen Elson für zwölf Franken und tags darauf ein Überraschungsbesuch des Schauspielers und Regisseurs John Turturro («Romance & Cigarettes») beim Gratis-Filmfestival im Park. Zum Glück sind nicht nur die Subways zum Bersten voll, sondern auch das kulturelle Programm in dieser einzigartigen Stadt.

Einmal durch den Dreck ziehen und immer noch lieb haben? Viele New Yorker pflegen eine solche Beziehung zu «ihrer» Stadt.

Es kann natürlich auch schön sein: New York aus der Sicht eines Aargauers

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 28.09.2017 07:26
    Highlight Highlight Vielleicht ist NY gerade deshalb anders, weil die ehemalige Einwanderungspforte sich über die Geschichte wandelte ohne das Gesicht (die Gesichter) zu verlieren und bereit ist mit der Zeit zu gehen ohne an den Wurzeln zu reissen. Sie ist ein Auffangbecken für alle die es dort probieren möchten, lässt aber nur wenige dort glücklich werden. Der Spruch heisst ja, wer es in NY schafft, schafft es überall. Die meisten Zuwanderer schafft die Stadt.
  • Nathiii 27.09.2017 17:08
    Highlight Highlight "was ich bei einem Monatsgehalt von rund zehn Franken und keinem Trinkgeld auch gut nachvollziehen kann" 10.- Monatsgehalt? Nicht eher Stundenlohn?
    • Steampunk 27.09.2017 20:09
      Highlight Highlight ..ne, stimmt so, er redet über Kuba 😎
    • Zerschmetterling 27.09.2017 21:20
      Highlight Highlight Lies doch den Abschnitt nochmals und geb dir die Antwort selber... Kleiner Hinweis : "Kuba"
    • Nathiii 28.09.2017 17:26
      Highlight Highlight Jäsoo, Lesen ist Glücksache 😂 sollte wohl nicht übermüdet lesen 🙈
  • Fanta20 27.09.2017 14:04
    Highlight Highlight Deckt sich mit meinen Beobachtungen. Ehrliche, aber alltägliche und repetitive Arbeiten zählen in den USA relativ wenig und wird dementsprechend schlecht bis sehr schlecht entlohnt, die Wertschätzung gegenüber den Angestellten fehlt. Auch die übrigen Anstellungsbedingungen sind oft alles andere optimal (Ferien, Kündigungsschutz, Höchstarbeitszeit etc.) Darunter leidet dann als Folge die Arbeitsmoral bzw. die Dienstleistungsorientierung und somit die Qualität der Arbeit generell. Wohl mit ein Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in gewissen Regionen.
    • jennyz 28.09.2017 00:14
      Highlight Highlight Schön zusammengefasst. Und oh ja, die Anstellungsbedingungen wären gleich noch einen separaten Artikel wert. Das Geilste finde ich ja die «sick days» – wenn man ca. mehr als 7-10 Tage pro Jahr krank ist (und alle diese Tage «aufgebraucht» hat), wird man einfach nicht mehr bezahlt – oder geht eben krank zur Arbeit ...
  • bcZcity 27.09.2017 14:01
    Highlight Highlight Es ist in gewissem Sinne auch ein Drittwelt-Land, man muss nur genau hinsehen. Und ja, ich wurde in mancher Slice-Pizzeria dort schon richtig mies behandelt, aber meistens netter als in Zürich.

    Es ist auch schwer wenn man New York nur vom Urlaub her kennt. War jetzt ein mehrmals für insgesammt 4 Wochen dort und liebe die Stadt. Es macht nur Spass wenn man Geld hat, so wie viele Städte.

    Klar gibt es gratis Angebote, auch kulturelle. Aber ohne Kohle und evtl. noch im Winter, macht New York so viel Spass wie ein Spaziergang im Central Park um 3.00 Uhr Nachts mit fetter Goldkette um den Hals.
    • one0one 27.09.2017 16:13
      Highlight Highlight New York macht nur Spass wenn man Geld hat... Man merkt dass du nie laenger als 4 Wochen am Stück da warst.
      Ich habe in dieser Stadt fast 2 Jahre gelebt. Meistens in Hostels gearbeitet damit ich keine Miete zahlen muss und dann noch mit Craigslist irgendwelchen anderen "shit" gemacht. Das hat mir dann ungefaehr ein Einkommen von ca 100 Dollar pro Woche für Essen und "Spass" gebracht. I had the fç%@# time of my life ;)
    • bcZcity 27.09.2017 16:37
      Highlight Highlight Man merkt dass Du aus der Schweiz kommst und "just 4 fucking fun" dort warst. Wer dort mit 100 Dollar pro Woche Leben muss, ohne Rettungsschirm Schweiz hat keinen Spass.

      Und Essen, zumindest in manhattan, ist verdammt Teuer, ausser man drückt sich jeden Tag nur Fastfood rein. In Brooklyn hatte ich auch schon gutes Essen beim Chinesen für 11 Dollar. Du bist/warst wohl einfach noch jung und anspruchslos. Dann kann es überall Spass machen wenn man gute Kontakte hat bzw. kennenlernt.

      Ich dachte einfach eher an Menschen die dort wirklich Leben, nicht nur weil man Tourist ist für bis zu 2 Jahre.
    • one0one 27.09.2017 17:15
      Highlight Highlight du kennst mich jaaaaa so gut... Ich war dort weil ich hier nicht mehr klar kam. Rettungsschirm gab es nicht. Die letzten 4 Monate musst ich mir meinen Rueckflug vom Essen absparen. In Harlem kann man für 5 Dollar beim Chinesen genug Essen fuer den ganzen Tag kaufen.
      Aber Urteile du nur ueber mich. Ich weiss das New York auch ohne Kohle eine der geilsten Staedte der Welt war, auch ohne Kohle. Wenn du dort lebst kennst du bald einmal die Bar welche Dienstags von 8 bis 10pm 25cent Bier hat oder auf welchen Daechern man chillen kann. Sicher waren meine Ansprueche tief. Aber ich war gluecklich...
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Es begann, als er Raumschiffe in der Bibel fand: Erich von Däniken und die Ausserirdischen

Erich von Däniken (84) ist einer der weltweit bekanntesten Schweizer. Er hat über 75 Millionen Bücher zum Thema «Ausserirdische» verkauft. Im Interview spricht er unter anderem über den Glauben an Gott, das Leben nach dem Tod, er erzählt über seinen Werdegang vom Hoteldirektor zum Bestseller-Autor und was beim Mystery Park schief gelaufen ist.

Feiern Sie auch Weihnachten?Erich von Däniken: Ja, ganz traditionell zusammen mit meiner Familie.

Sie erahnen, warum wir diese Frage stellen?Nein.

Mit ihren Theorien – die Götter waren ausserirdische Besucher, wir stammen von Ausserirdischen ab – kann der Eindruck entstehen, Engel seien bloss Astronauten.So ist es ganz und gar nicht. Ich bin in christlicher Tradition erzogen und nie ein gottloser Mensch geworden. Ich bin nach wie vor Mitglied der Katholischen Kirche und ich bete jeden Tag. …

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