Leben
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Liebe Interior-Blogger, geht mir bitte nicht mehr auf den Zeiger

bild: shutterstock



Will ich mich schlecht fühlen, weiss ich sofort, wo ich hinschauen muss: auf den Instagram-Account einer x-beliebigen Interior-Bloggerin. So, wie einst Frauenmagazine die Messlatte für den Traumkörper höher legten, wissen auch die Annikas und Ninas dieser Welt genau, wie sie mich kriegen: mit selbstgetöpferten Teetassen und dem Versprechen, das selbst hinzubekommen.

Ja genau.  

Alles #handmade, klar oder. bild: shutterstock

Ich sage es ungern, aber: ihr nervt.

Und ihr tut das, wie alles in eurem Leben: überraschend erfolgreich und perfekt organisiert. Warum, fragt ihr euch auf der Chaiselongue in euer 170-Quadratmeter-Wohnung, während ihr auf die Rückseite eures kariert-gemusterten Smartphone-Etuis starrt? Ist doch total unfair, das? Aber nein, liebe Luise. Lass mich ausholen!  

Lifestyle-Druck, der: Wenn es nicht so schön aussieht wie drüben bei Annika

Vor ein paar Jahren, da fand ich dich und deine Betonblumentöpfe noch ganz schick irgendwie. Du hast mir gezeigt, dass lila Filzuntersetzer cooler sind als die Pappe von IKEA, Spiegel physische Tiefe erzeugen und DDR-Möbel ausgezeichnet zu einer minimalistischen Einrichtung passen, sofern man auf den Plastikboden in der Küche verzichtet.

Oder dass ich ein Farbkonzept brauche. Sehr wichtig. bild: shutterstock

Ich war solange von dir und deinem Stil begeistert, bis ich eines durchschaute: Dass die obsessive Beschäftigung mit der eigenen Inneneinrichtung genauso krankhaft werden kann wie jene mit der eigenen Figur.

Niedlich hier, clean dort: Es ist, als ob Frauenzeitschriften ein Thema durch das andere ausgetauscht und dich dafür als Testimonial eingespannt hätten, um die Industrie gleich mit dem Putzwahn mitanzukurbeln.  

Durch den Druck, regelmässig eine fotogene Wohnung zu schmücken, habe ich das Interesse an deinen selbstgebauten Möbeln und der Anleitung für den Midcentury-Chic verloren – selbst, wenn sie schön aussehen.  

Manchmal, da nervst du mich sogar schon frühmorgens, wenn du Fotos von dir und deinem gerade frisch drapierten Bett mit tausend Polstern postest und sie mit «inspirational quotes» untermauerst. Weisst du, für was die bei mir sorgen? Frustration, nicht Inspiration. Lifestyle-Druck. Aber das interessiert dich wahrscheinlich gar nicht. 

Denn: Während du dir Blumen für 100 Euro liefern lässt, spare ich auf einen neuen Toaster.

#Homeiswhereyourbedis. bild: shutterstock

Wer soll sich das bitte leisten können?

Du schreibst, du hättest gerne zwei neue Badezimmerwaschbecken. Geld, es scheint in deinem Leben wie von Zauberhand keine Rolle zu spielen. Ich weiss nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber die neue Deckenbeleuchtung muss man sich erstmal leisten können. Stoffpolsterüberzüge für 50 Franken, you serious?

Farbkonzept! Überall. Sehr wichtig! bild: shutterstock

Du möchtest wirken wie die nette Frau von nebenan, während du in Wirklichkeit keine grösseren Probleme zu kennen scheinst als den seltenen Zustand, in dem die Tagesdecke nicht zur Couch passt.  

Nicht mit mir, Annabel!

Manchmal frage ich mich, wann du dir eine Yacht ins Wohnzimmer stellst und mir das als gute Investition für später verkaufst.

Wenn man erst einmal angefangen hat, sich an dir zu orientieren, ist es wie mit den Tipps für einen Hintern à la Sylvie Meis in der InTouch: man kommt einfach nicht ran. Vielleicht macht das deine Faszination aus.

Nachdem ich mich mühsam von den Nachwirkungen frauenfeindlicher Lektüre erholt hatte («5 geheime Tipps für den Beach-Body»), kamst du plötzlich ganz unschuldig via Social Media um die Ecke und hast mir etwas von richtigen und falschen Gardinenstangen erzählt. Fast so, als ob der Rückzug ins Private die Antwort auf irgendetwas wäre. 

Ihr liked, ich muss mich übergeben

Let's face it: Mit der perfekten Inneneinrichtung ist es wie mit der perfekten Garderobe – es gibt sie nicht und sie wird nie fertig sein, egal, wie oft man online nachbestellt. Man kann nie genug drapieren, aufhängen, festschrauben, arrangieren. Es wird immer eine Ecke, ein Stück Fussboden, einen schlechten Winkel im Badezimmer geben, der den Flair versaut.  

bild: shutterstock

Also, bei mir, nicht bei dir, liebe Interior-Bloggerin, denn bei dir sieht das natürlich immer so leicht aus. So, als ob die Blumenampeln (was zur Hölle) an der Decke schon immer dagewesen wäre, so, als ob man gerade in einem hippen Café in Berlin Mitte sitzen würde, wo ein Stück Tarte kleiner ist als der grosse Daumen und trotzdem 4,70 kostet. Und nicht seinen gesamten Samstag opfern müsste, um endlich das neue Schuhregal im Flur anzubringen.

Apropos Flur: Wo verstaust du eigentlich deine alten Sachen? Wo ist der Dreck, wenn du Gäste hast? Hast du Gäste? Isst du in deiner Wohnung überhaupt irgendetwas?

Oder bist du so jemand, der seinen Gästen den Teller noch vor dem letzten Bissen wegreisst um ihn rechtzeitig vor dem Dessert in den Geschirrspüler zu stecken?  

Heute werde ich deinen neurotisch inszenierten Instagram-Account entabonnieren, auf dem du mir ein perfektes Leben ohne Chipsbrösmeli in Polsterritzen vorgaukelst. Mich frei machen von dem Gedanken, dass das Leben besser wird, wenn man endlich die Giesskanne aus Kupfer hat.

Also, dann, wenn der Sale vorbei ist, drüben in meinem neuen Lieblingsstore.  

Spätestens!

#InterioDesign oder: Schöne Zimmer, die ich niemals so hinbekommen werde

Bei uns gibt's kein #InterioDesign ... noch nicht. :)

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25
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    Alle Leser-Kommentare
  • Raphael Stein 05.08.2017 13:25
    Highlight Highlight ....Ich sage es ungern, aber: ihr nervt.

    Frau lässt sich offenbar nerven...
    Take it easy. Immerhin hast du was zu schreiben. Und ein wenig nerven ist gut für die Nerven.
  • El Vals del Obrero (ex Meine Senf) 04.08.2017 12:08
    Highlight Highlight Warum brauchen manche eigentlich immer zwei Hände, um eine Kaffeetasse zu halten?
    • El Vals del Obrero (ex Meine Senf) 04.08.2017 12:13
      Highlight Highlight Ich sehe gerade, diese Frage hat man sich auch schon vor 30 Jahren und ohne Blogs gestellt:

      http://www.zeit.de/1988/49/mit-beiden-haenden
    • Raphael Stein 05.08.2017 18:24
      Highlight Highlight da bist du aber tief suchen gegangen...grins.
      Hätten sie drei Hände?
  • solani 04.08.2017 09:14
    Highlight Highlight Man kann solche Blogs auch erst gar nicht abonnieren, wenn man sie nicht mag.
    Ein weiterer Punkt, den du hier vielleicht vergisst: Unterhaltungsmedien sind doch immer inszeniert..
    • Phrosch 04.08.2017 19:58
      Highlight Highlight Oder wieder ab-abonnieren statt sich ärgern. Es soll aber Zeitgenoss(inn)en geben, die es brauchen, sich über etwas aufzuregen...
  • iss mal ein snickers... 04.08.2017 07:57
    Highlight Highlight ....
    Benutzer Bild
  • Urs-77 03.08.2017 23:46
    Highlight Highlight Kein fb, kein instagram, kein gar nix. Somit auch keine negative Beeinflussung durch bloggende hipsters. Bei mir zu hause gilt; es kann jeder wie ich will.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 03.08.2017 22:28
    Highlight Highlight Liebe Instagram-Blogger-"Hatetin", geh mir bitte nicht mehr auf den Zeiger. Das schreiben über Instagramblogger ist die Antithese zum Journalismus und das Paradebeispiel für das Leben in der eigenen Blase. Niemand wird gezwungnen, sich Bloggs von Models oder anderen "perfekten" Menschen reinzuziehen, dies geschieht alles auf freiwiliger Basis. Diese häufig anzutreffende Freiwilligkeit hält diese Bloggs auch erst am leben. Also am besten Handy weglegen und ein Buch lesen.
    Ab und zu frage ich mich, wie ich überhaupt ohne all diese wichtigen SN wie Twitter, Snapchat und Instagram überleben kann.
    • QueenNiin 04.08.2017 15:25
      Highlight Highlight Muss man ja nicht lesen wenn man nicht will. (ANTWORT AUF ARTIKEL UND DICH)
  • ma vaff... 03.08.2017 21:40
    Highlight Highlight Ich hab keine Yacht in der Wohnung, dafür nen Affen und ein Pferd😎
  • River 03.08.2017 21:08
    Highlight Highlight Ich hatte früher eine Freundin, bei der war die Wohnung stylisch wie die einer Bloggerin und beneidenswert sauber und aufgeräumt. Bis ich einmal spontan aufkreuzte..
    Aber ich war schon vorher immer misstrauisch, wenn jemandes Wohnung Top aufgräumt war. Und vorallem wenn sie sich beim reinlassen für die "Unordnung" entschuldigten...
  • Ruefe 03.08.2017 21:01
    Highlight Highlight Schrank unter der Treppe ist so 1997...
    • Lichtblau 03.08.2017 21:44
      Highlight Highlight Schrank unter Treppe ist hammer! Seit ich mir unter der Estrichtreppe vor der Wohnungstüre Regale einbauen liess, ist da endlich Platz für ein wohlsortiertes Getränkesortiment. Der Rest ist viele Stufen tiefer im Keller. Aber okay, ich hätte den vorher ungenutztenRaum auch für einen Hundezwinger brauchen können ;-)
  • Matrixx 03.08.2017 20:44
    Highlight Highlight Ich finde solche Blogs schön zum Anschauen. Aber es ist nichts für mich.
    Für mich gibts nur den Minimalismus. Ich brauche wirklich keine 20 Spiegel, umlmeine Wohnung grösser erscheinen zu lassen. Und auch keine 4 verschiedenfarbige Teppiche, die meinen Raum farblich aufwerten.
    Ich brauch im Wohnzimmer ein günstiges, bequemes Sofa, einen einfachen Tisch und einen Fernseher, that's it.
    • blueberry muffin 04.08.2017 09:43
      Highlight Highlight Und jetzt tust du so als wäre minimalism keine Stilrichtung ;)
    • Matrixx 04.08.2017 12:43
      Highlight Highlight Doch. Minimalismus ist eine Stilrichtung.
      Ich tu aber so, als wäre sie nicht hipstermässig modern.
  • Darth Unicorn *Miss Vanjie* 03.08.2017 20:23
    Highlight Highlight Nennen die sich nicht annika-maria
    Oder luisa-magdalena um besonders "unique" zu wirken 🤔?

    Musste einpaar mal sehr lachen :D auf die unperfektheit 😊
  • Menel 03.08.2017 20:21
    Highlight Highlight Kinder sind da die Lösung. 1. man hat weder Zeit solche Blogs oder Magazine zu lesen und 2. hält eine solche Einrichtung den wahren Anarchisten keine 2 Tage stand; sie haben da dann schon umdekoriert 😅
    • JThie 03.08.2017 21:37
      Highlight Highlight Oder Katzen! Meine zwei Miezen lieben es alles zu zerstören, wozu ich minimum 3 Stunden dran gebastelt habe (und alles andere ignorieren sie).
    • iss mal ein snickers... 04.08.2017 06:43
      Highlight Highlight ...oder Hunde; du räumst ihr Spielzeug auf und keine 5min später drapieren sie wieder ihr Zeugs in der ganzen Wohnung gefolgt von einem strafenden Blick...hab langsam das Gefühl das mein Hund heimlich ein "Interior Designer" ist 😅
  • Robi_27 03.08.2017 20:15
    Highlight Highlight Du sprichst mir aus der Seele. Habe seit langer Zeit Frauenmagazin und auch Social Media verbannt, da die eigene Hüft ja immer zu rundlich, der Busen zu klein und der Po zu wenig straff sind. Dachte dann anstatt Frauenmagazine kauft ich mir solche mit Titel wie "schöner wohnen" oder "Raum und Wohnen". War leider auch nicht besser..
    • Menel 03.08.2017 20:53
      Highlight Highlight Spektrum ist toll! 🙌
    • Nausicaä 03.08.2017 22:57
      Highlight Highlight Oder / und das Philosophie - Magazin!
    • Zerpheros {aka Comtesse du Zerph} 04.08.2017 22:20
      Highlight Highlight Mare. 😁

Es begann, als er Raumschiffe in der Bibel fand: Erich von Däniken und die Ausserirdischen

Erich von Däniken (84) ist einer der weltweit bekanntesten Schweizer. Er hat über 75 Millionen Bücher zum Thema «Ausserirdische» verkauft. Im Interview spricht er unter anderem über den Glauben an Gott, das Leben nach dem Tod, er erzählt über seinen Werdegang vom Hoteldirektor zum Bestseller-Autor und was beim Mystery Park schief gelaufen ist.

Feiern Sie auch Weihnachten?Erich von Däniken: Ja, ganz traditionell zusammen mit meiner Familie.

Sie erahnen, warum wir diese Frage stellen?Nein.

Mit ihren Theorien – die Götter waren ausserirdische Besucher, wir stammen von Ausserirdischen ab – kann der Eindruck entstehen, Engel seien bloss Astronauten.So ist es ganz und gar nicht. Ich bin in christlicher Tradition erzogen und nie ein gottloser Mensch geworden. Ich bin nach wie vor Mitglied der Katholischen Kirche und ich bete jeden Tag. …

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