Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Koksen und kotzen – Barbie ist im 2017 angekommen

Bild: shutterstock

Auf Instagram wird Barbie beim Kotzen und Koksen gezeigt. Alle finden dies extrem fortschrittlich, ja gar feministisch. Doch eigentlich ist es vor allem lustig und nicht viel mehr.

Sie ist eine weisse Frau mit Beinen doppelt so lang wie der Torso. Sie grinst sympathisch über ihr grosszügig mit Rouge bepinseltes Gesicht. Ihr Mann steht, muskulös gebaut und in Sachen Körpergrössenverhältnissen einwandfrei auf sie abgestimmt, neben ihr. Beide haben keine Nippel. Ein perfekt normativer und extrem prüder Traum: Das Erfolgskonzept «Barbie».

This photo provided by Mattel shows the 2011 Barbie and Ken dolls. (Mattel via AP)

Bild: AP/Mattel

Die erste Barbie Puppe wurde 1957 geboren. Sie kam sowohl in blond, wie auch in brünett zur Welt. Ihr Haar war zu einem Rossschwanz zusammengebunden und der Pony fiel ihr gelockt über die Stirn bis kurz vor die anmodellierten Brauen.

This photo provided by Mattel shows the 1959 Teenage Fashion Model Barbie doll. (Mattel via AP)

Bild: AP/Mattel



Mehr zur Entstehungsgeschichte:

Seither erlebte die Plastikpuppe mit US-amerikanischen Wurzeln fast jedes Jahr eine Wiedergeburt. Jeweils am Zeitgeist orientiert, erblickte jede neue Barbie das Licht der Spielzeugwelt mit einem Outfit, das im gleichen Masse modern wie mondän gegen Aussen strahlte. 1965 flog die Astronautinnen-Barbie auf den Mond, beziehungsweise in die Regale der Spielzeugläden. 1980 bekam Barbie ethnisch vielfältige Freundinnen. In den 90ern hat sie sowohl studiert, als sich auch gleichzeitig in von Männern dominierten Arbeitsfeldern integriert. Barbie als Feuerwehrfrau, Pilotin und Wissenschaftlerin. In den 00er-Jahren frönte sie vor allem dem Popstar-Leben, während sie sich im gegenwärtigen Jahrzehnt wieder in Arbeitsbranchen zeigt, in denen Frauen noch immer selten anzutreffen sind. 

Die Evolution der Barbie

Image

screenshot: mattel

Doch egal ob sich Barbie nun in afroamerikanischen, hispanischen oder asiatischen Identitäten präsentierte, egal ob sie Sekretärin, Bauarbeiterin oder Popstar war, das Narrativ blieb stets dasselbe: Eine schöne, schlanke Frau lebt ein erfolgreiches und vor allem konformes Plastikleben.

Abtausch der Idole

Mit dem Einzug des Smartphones ins Kinderzimmer wandert die nippellose Maid im kleinen Haus und Spielzeugauto zunehmend auf den Estrich. Denn sie muss es mit Konkurrenz aufnehmen. Konkurrenz, die echte Autos besitzt und grössere Häuser hat. Und Nippel. 

Der scheinbar perfekte Plastik-Körper der Barbie wird durch Digitalbilder von scheinbar perfekten Fleisch-Körpern ersetzt. Mit Kardashian- und Jenner-Körpern. Mit dem Leben von Miley Cyrus, Taylor Swift, Rihanna und all den hochklischierten Influencerinnen. Mit den Barbies von Instagram, eben.

Miley Cyrus hat Nippel. Barbie nicht.

Die Barbies, die einmal Game-Entwicklerinnen, Pilotinnen oder Wissenschaftlerinnen waren, werden zu Opfer der digitalen Kinderzimmer-Gentrifizierung. Sie gehen vergessen, sterben aus.

Und mit ihnen geht die in letzter Jahre so um Chancengleichheit bemühte Massenerziehung der Firma Mattel den Bach herunter. Barbies fleischliche Nachfolgerinnen besetzten nun die Vorbildspositionen. Doch sie sind keine Pilotinnen. Die neuen Barbies haben eher so einen Job, bei dem man dafür bezahlt wird, dass man existiert.

Die kanadische Künstlerin Annelies Hofmeyr bringt Barbie nun wieder zu ihren Ex-Spielkameraden zurück. Auf dem Instagram-Account @trophywifebarbie inszeniert sie die Puppe, wie ihre Kontrahentinnen. Oberflächlich und vulgär.

Barbie liebäugelt mit Cannabis fast genauso ästhetisch wie …

... Rihanna sich beim Kiffen inszeniert.

Die Pflanze scheint eine wirklich wichtige Rolle für die Coolness junger Frauen zu spielen:

Gell, Miley?!

Für die «neue» Barbie sind aber auch andere Substanzen von Wichtigkeit.

 Hauptsache regenbogenfarben. 

Lauter bunter Pillen … 

… bis Barbie kotzt.

Deutschsprachige Medien loben das Projekt als rebellischen und feministischen Akt. Und auch die Künstlerin selbst, sieht ihre neue Barbie als progressive Gewalt. Hofmeyr beschmiert ihre Barbie mit Periodenblut, setzt ihr Pickel ins Gesicht und lässt ihr rosarote Schamhaare wachsen. 

Die Künstlerin benützt die Figur, die noch in vielen Köpfen das Symbol für Weiblichkeit verkörpert, als Tabu-Sprengerin. Gleichzeitig stilisiert sie die Puppe wieder zu einem Archetypen: Der vulgären, Drogen konsumierenden jungen Frau, die ein Popstar-ähnliches Leben führt. Wo bleibt die Rebellion? Diese Form von Feminismus mag zwar legitim sein, doch wen holt sie ab?

Wahrscheinlich keine orientierungslosen 13-Jährigen. Die vulgäre Barbie kotzt und kokst und findet Sexismus auf oberflächliche Art Scheisse. Genauso wie die jüngste Generation von Popsternchen und It-Girls, die ein Leben führen, das zwar immer progressiver ist, aber keine Orientierung liefert. Es befriedigt Sehnsüchte, die realistisch gesehen nie befriedigt werden können. Ähnlich wie die klassische Barbie, die den ganzen Tag im Bikini herumhüpfen darf und ein sorgenfreies Leben mit Ken führt.

Wenn Vulgär-sein in ist, dann ist das Tabu gebrochen. Dann ist der Zeitpunkt da, an dem man über strukturelle Diskriminierung zu sprechen beginnen sollte. Denn jedes weitere Periodenbild lässt an dieser Stelle das eigentliche Anliegen an Gehalt verlieren. Dass Kim Kardashian ihren 102 Millionen Followern jeden Tag ihren Hintern präsentiert und dass Rihanna ihren Cannabis-Konsum medial zelebriert, ist völlig okay, wird von präpubertären Kindern aber kaum mehr als Befreiungsakt wahrgenommen. Viel eher kristallisiert sich jenes Verhalten zum Status quo. 

«Love yourself, be who you are, stay true!»

Jeder Popstar, die ganze Zeit

Doch – Hand auf's Herz – von den dünnen, privilegierten Mädchen, die mit zweistündigem Post-Interval zeigen, dass sie gerade total sich selbst sind, gibt es genug. Als Frau Pilotin, Wissenschaftlerin oder Gamentwicklerin zu werden – so unspektakulär es auch tönt – ist noch immer die grössere Revolution, als Person des Öffentlichen Lebens zu werden. Zwar weniger vulgär und auf Instabildern halt auch weniger unterhaltsam, doch schlussendlich viel, viel näher an der Realität.

Dinge, die sich Mädchen vor 20 Jahren zu Weihnachten gewünscht haben

Und apropos Schamhaare, Helen findet diesen Körperkult eh ein bisschen komisch …

«Wer föhnt sich schon die Schamhaare!?!»

Play Icon

Video: watson/Helene Obrist, Emily Engkent

Mehr mint-Geschichten übers Leben, über Design, Food, schöne Orte & Allzumenschliches gibt's hier:

Oder hier:

Ich bin für 1.99 Euro zum Ballermann geflogen – ein 24-Stunden-Report

Link to Article

Diese Filme und Serien dürfen 2019 auf einen begehrten Golden Globe hoffen

Link to Article

Ist ausgerechnet Netflix mit «Roma» das Kinowunder des Jahres gelungen?

Link to Article

Viva la nonna! – weshalb ich mega Fan vom neuen Jamie-Oliver-Buch bin (dazu 5 Rezepte)

Link to Article

«Meine 20 Jahre ältere Affäre erniedrigt mich»

Link to Article

Dieser Junge hat soeben ein 100-jähriges Verbot gekippt – mit einer 1A-Begründung 💪

Link to Article

Harvard-Professor sagt, wie viele Pommes als Beilage gesund wären – und wir so: Tchuligom?

Link to Article

Hast du blöde Augen? Dieses Quiz über alte Krankheits-Begriffe sagt es dir

Link to Article

16 britische Desserts, die einfach nur «BOAH, GEIL!» sind

Link to Article

Machs gut, Saga Norén! Schade, muss es so enden 😢

Link to Article

Kannst du mit einer Party das ganze $$$ der 10 reichsten Schweizer verprassen?

Link to Article

Zum Gruseln: 10 entsetzliche Dinge, die im Namen der Schönheit gemacht wurden

Link to Article

Frau will sich die Haare färben – am Morgen danach sieht sie so aus

Link to Article

So viel Netflix bekommst du im Vergleich zum Rest der Welt – und so kannst du alles sehen

Link to Article

Erkennst du das Skigebiet nur anhand des Pistenplans?

Link to Article

Mit diesem Hashtag ruiniert Twitter gerade Filmklassiker – und es ist 🤣

Link to Article

Die Weihnachtswünsche dieser alten Leute sind so bescheiden, dass es dir das Herz bricht

Link to Article

Der Super-Beau, der in weniger als 15 Minuten alles verkackt!

Link to Article

7 ausgefallene Punsch-Rezepte, die du diesen Winter unbedingt ausprobieren solltest!

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Netflix killt die nächste Superhelden-Serie

Link to Article

Wie funktioniert «Hygge»? 5 Tipps von den dänischen Kuschelexperten

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Welcher «Kevin – Allein zu Haus»-Charakter steckt in dir?

Link to Article

Das ist die kurioseste Wohnungsanzeige, die du heute sehen wirst

Link to Article

Satanisten verklagen Netflix wegen der Serie «Sabrina» – und gewinnen

Link to Article

7 deutsche Serien, die so grossartig sind, dass sie sogar in den USA laufen

Link to Article

Sky lanciert das grösste VoD-Angebot der Schweiz – aber gratis ist das nicht

Link to Article

Tiere sind die besten Komiker – das sind die Sieger der Comedy Wildlife Awards 2018

Link to Article

Ich habe 11 Leute (und das Internet) gefragt, wie man besser einschlafen kann

Link to Article

Anti-Palmöl-Werbung wird im Fernsehen nicht zugelassen – der Shitstorm folgt prompt

Link to Article

Cosplayerin verwandelt sich in die verschiedensten Figuren – erkennst du alle?

Link to Article

7 Kinofilme, welche für die Zuschauer einfach zu heftig waren

Link to Article

5 Spiele, die Weltkriege auf dem Spielbrett thematisieren

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FancyFish - Stoppt Zensur! 15.08.2017 16:54
    Highlight Highlight Ist es jetzt Feminismus, wenn man Drogenkonsum verherrlicht? Mir kommt die Entwicklung der Puppe von den Fünfzigern bis heute mehr vor wie Feminismus als dieses Popstar nachgemache
  • jjjj 15.08.2017 11:05
    Highlight Highlight Der Artikel ist so 2016...
    • Lichtblau 15.08.2017 21:11
      Highlight Highlight Der Artikel ist gut aufgebaut und witzig geschrieben. Als Mutter hab ich ja auch ein zwiespältiges Verhältnis zu der Sippe, aber für amüsante Rollenspiele mit dem Kind eignete sie sich nicht schlecht. Allerdings gab es da die verkommene Verwandtschaft noch nicht - eigentlich schade.
    • jjjj 15.08.2017 21:41
      Highlight Highlight Die Rebellen-Barbie Story ist aber schon min 3 Jahre alt...

13 Bilder eines japanischen Künstlers, die dich nachdenklich stimmen werden

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte... Jedenfalls fühlt man sich so, wenn man die Illustrationen des mysteriösen japanischen Künstlers Avogado6 betrachtet.

Der Illustrator und Video-Cutter teilt nicht viele Informationen über sein persönliches Leben. «Ich bin eine gewöhnliche Person, die gerne Chemie mag», schreibt der Künstler auf Twitter. Aber seine Arbeiten sind weit entfernt von gewöhnlich.

Avogado6 schafft es, gehaltvolle und lebendige Bilder zu erschaffen, indem er Gefühle und Emotionen …

Artikel lesen
Link to Article