Libyen
epa04334020 Black smoke billows from a fuel storage depot near the airport in Tripoli, Libya, 28 July 2014, after it was hit by a rocket fire. The Libyan government called on rival militias to stop fighting around the Tripoli airport to allow civil defence forces put out a fire that broke out in oil tankers there. Fire broke out in the tankers when a rocket hit a container containing 6.6 million litres of fuel, al-Wasat news website reported. Overall, the tankers in the warehouse contain 90 million litres of fuel.  EPA/STR

Der explodierte Tank in Tripolis. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Grossfeuer in Libyen

Einsatzkräfte flüchten vor brennenden Tanks

«Die Situation ist ausser Kontrolle»: Ein Grossfeuer bedroht die libysche Hauptstadt Tripolis. In einem Treibstoffdepot sind zwei Tanks in die Luft geflogen, Folge eines Gefechts zwischen verfeindeten Milizen.

28.07.14, 23:21 29.07.14, 10:57

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Ein Grossfeuer in einem Treibstoffdepot am Rande der libyschen Hauptstadt Tripolis ist völlig ausser Kontrolle geraten. Die Lage sei «sehr gefährlich», erklärte die libysche Regierung, nachdem am Montag ein zweiter riesiger Treibstofftank Feuer gefangen hatte. Der staatliche Ölkonzern NOC teilte ebenfalls mit, das Grossfeuer sei «ausser Kontrolle» geraten und die Feuerwehr habe das Gelände verlassen.

Das Feuer war am Sonntag im Zuge von Kämpfen zwischen verfeindeten Milizen ausgebrochen. Eine Rakete schlug in einem sechs Millionen Liter fassenden Tank ein. Libysche Einsatzkräfte hatten seitdem versucht, das Feuer in dem Treibstofflager zu löschen – vergeblich. Die Regierung warnte vor einer «Katastrophe» mit «unvorhersehbaren Konsequenzen» für Mensch und Umwelt, sollte das Feuer nicht gelöscht werden. Mehrere Länder boten an, Löschflugzeuge zu entsenden.

Eine Katastrophe für die Bevölkerung von Tripolis. Bild: AFP

Die libysche Regierung forderte alle Bewohner in einem Umkreis von drei Kilometern rund um das Feuer auf, ihre Häuser sofort zu verlassen. An die Milizen gerichtet forderte sie einen «sofortigen Waffenstillstand». Dennoch schlugen in der Gegend am Montag weiterhin Raketen ein, wie ein AFP-Fotograf berichtete.

Keine Ruhe in Libyen

Die Treibstoffbehälter befinden sich entlang der Strasse zum internationalen Flughafen von Tripolis, die im Kampfgebiet rivalisierender Milizen liegt. Diese liefern sich seit zwei Wochen Gefechte um den Flughafen. Dabei wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Samstag 97 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt. Die Gefechte dauerten am Montag an, aus dem Zentrum von Tripolis waren Explosionen zu hören.

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 kommt das Land kaum zur Ruhe. Rivalisierende Milizen kämpfen um die Vorherrschaft und Kontrolle über verschiedene Städte, Landesregionen oder Einnahmequellen. Auch in der östlichen Metropole Bengasi herrschen Chaos und Gewalt. Bei Gefechten zwischen Regierungskräften und islamistischen Milizen wurden allein am Wochenende laut Armee und Rettungskräften 28 Menschen getötet.

Nachdem eine Reihe von westlichen Staaten wie Deutschland, die USA und Frankreich ihre Staatsbürger zum Verlassen des nordafrikanischen Landes aufgefordert hatten, veröffentlichten immer mehr Regierungen ähnliche Aufrufe. Italien und Malta schickten Flugzeuge, um ihre Staatsbürger abzuholen. Kairo appellierte an Hunderttausende ägyptische Gastarbeiter in Libyen, die umkämpften Zonen Tripolis und Bengasi zu verlassen. (jbe/AFP)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 03.08.2014 14:42
    Highlight Der Konflikt wird noch Folgen haben. So ist zu erwarten, dass Algerien und Ägypten in Libyen eingreifen werden. Dies umso mehr, als schon seit einiger Zeit Pläne djihadistischer Formationen bekannt sind, die dort ein Kalifat auszurufen gedenken und Tunesien inzwischen die Grenze nach Libyen abriegelt. Es würde nicht überraschen, wenn die an den Militäraktionen beteiligten Länder um Unterstützung Frankreichs nachsuchen würden, denn in der nordafrikanischen Bevölkerung ist unvergessen, wer mit welchen Mitteln das Chaos in Libyen ausgelöst hat. Auch dafür wird die Rechnung präsentiert werden.
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