Libyen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Mokhtar Belmokhtar (2013): Dschihadist mit vielen Spitznamen.  Bild: EPA/FBI

Der einäugige Dschihadist ist offenbar tot

Das US-Militär hat in Libyen einen Luftangriff auf einen der meistgesuchten Dschihadisten durchgeführt. Nach Angaben der libyschen Regierung soll Mokhtar Belmokhtar dabei getötet worden sein.

15.06.15, 06:50 15.06.15, 09:07

Ein Artikel von

Mokhtar Belmokhtar ist schon mehrfach für tot erklärt worden. Nun ist es wieder einmal so weit: Die libysche Übergangsregierung meldet in einer offiziellen Erklärung, der Dschihadist sei bei einem Luftangriff der US-Armee in der Hafenstadt Adschdabija getötet worden.

Das US-Militär hat bislang lediglich offiziell bestätigt, dass man in der Nacht zum Sonntag einen Angriff auf Belmokhtar ausgeführt habe. Zwei F-15-Kampfjets sollen mehrere 225-Kilogramm-Bomben auf das Ziel abgeworfen haben. Derzeit sei aber noch unklar, ob der Milizenführer dabei tatsächlich getötet wurde. Dafür brauche es forensische Beweise oder eine Bestätigung seitens der Islamisten.

«Wir prüfen die Ergebnisse dieser Operation und werden weitere Informationen herausgeben, wenn es uns angemessen erscheint», sagte Pentagon-Sprecher Steve Warren. Es war der erste US-Luftangriff in Libyen seit dem Sturz von Langzeitdiktator Muammar al-Gaddafi 2011.

Belmokhtar ist einer der mächtigsten und gefährlichsten Dschihadisten in Nordafrika. In der algerischen Oasenstadt Ghardaia geboren, schloss er sich 1991 den ausländischen Dschihadisten in Afghanistan an, aus denen sich später Osama Bin Ladens al-Kaida entwickeln sollte. Während der Kämpfe am Hindukusch verlor Belmokhtar ein Auge – daher der Beiname «der Einäugige».

1993 kehrte er nach Algerien zurück, das inzwischen in einen blutigen Bürgerkrieg zwischen Militär und Islamisten versunken war. Rasch stieg er dort zu einem der Kommandeure der aufständischen Groupe Islamique Armé (GIA) auf. 1998 schloss er sich der noch radikaleren Salafistengruppe für Predigt und Kampf (GSPC) an, die wiederum später in der Organisation al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM) aufgehen sollte.

Zigarettenschmuggel und Geiselnahmen machten ihn reich

Mit der Entführung ausländischer Touristen in Nordwestafrika machte Belmokhtar in den folgenden Jahren ein Vermögen, ebenso wie mit dem Schmuggel von Zigaretten, was ihm auch den Beinamen «Mr. Marlboro» einbrachte.

Entsprechend selbstbewusst trat Belmokhtar gegenüber der Kaida-Spitze auf: Die Führungsebene der Organisation warf ihm mehrfach vor, eigenmächtig gehandelt zu haben.

Deshalb gründete er 2012 die Miliz «al-Muwaqiun bi-l Dam», was auf Deutsch soviel bedeutet wie «Die mit dem Blut unterschreiben». Belmokhtar hielt zwar seinen Treueeid gegenüber Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri aufrecht, sagte sich aber formal von al-Kaida los.

Die Terrorgruppe «al-Muwaqiun bi-l Dam» war unter anderem für die Geiselnahme auf dem algerischen Gasfeld Ain Amenas verantwortlich, bei der im Januar 2013 mindestens 67 Menschen getötet wurden.

Kurz darauf meldete die Armee des Tschad Belmokhtars Tötung, dies stellte sich als falsch heraus – ebenso wie zahlreiche andere Todesmeldungen über den Dschihadisten. Im Juni 2013 setzten die USA ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Dollar auf Belmokhtar aus. Nun hat das Militär ihn angeblich getötet.

Und doch bleiben auch diesmal Zweifel. Belmokhtar war zwar sehr mobil, bewegte sich in der unwirtlichen Sahara zwischen Algerien, Mali, Niger und Libyen. Doch gehört Adschdabija, eine Stadt am Ufer des Mittelmeers eigentlich nicht zu den Gegenden, in denen der Dschihadist vermutet wurde.

syd/Reuters/AP

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

90 Migranten vor Libyen ertrunken

Vor der Küste Libyens sind nach Erkenntnissen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wohl rund 90 Migranten ertrunken. Am Freitagmorgen sei ein Schleuserboot gekentert, teilte die Organisation mit.

Zehn Leichen seien an Land geschwemmt worden. Es habe mindestens drei Überlebende gegeben. Nach deren Angaben habe es sich bei den Migranten überwiegend um Pakistaner gehandelt, von denen immer mehr nach Italien wollten, sagte IOM-Sprecherin Olivia Headon in Tunis. Die genaue Zahl der …

Artikel lesen