Luftfahrt
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Der Absturz von Germanwings 4U9525 in Frankreich

Lufthansa prüft psychologische Pilotentests – Psychiaterin plädiert für mehr Frauen im Cockpit

29.03.15, 03:42 29.03.15, 12:28


Als Reaktion auf den Absturz des Germanwings-Flugzeuges in den französischen Alpen prüft die Muttergesellschaft Lufthansa die Einführung sporadischer psychologischer Tests. Geprüft wird das US-System, bei dem Piloten zufällig ausgewählt und zu medizinischen und psychologischen Tests aufgeboten werden. Dies berichtet die «NZZ am Sonntag». Der Schweizer Verband des Cockpitpersonals, Aeropers, ist offen für solche Ideen: «Kommt man aufgrund der Untersuchung zum Schluss, dass psychologische Tests in regelmässigen Abständen die Sicherheit verbessern können, sperren sich die Piloten nicht gegen die Auflage», sagt dazu ein Sprecher zur Zeitung. 

Die Hinweise verdichten sich, dass der Co-Pilot Andreas Lubitz, der das Unglücksflugzeug wahrscheinlich absichtlich am Berg zerschellen liess, schwere psychische Probleme hatte. Aufgrund der bekannten Umstände schätzt der Schweizer Diplomkriminologe Karl Weilbach Lubitz als extrem selbstbezogenen Menschen ein. Vermutlich sei er depressiv gewesen, naheliegend seien auch narzisstische oder zwanghafte Züge. «Lubitz musste im Falle einer psychischen Erkrankung wohl um seine Karriere bangen. Das war eine tiefe Bedrohung seiner Identität», sagt er in der «NZZ am Sonntag». Der forensische Psychiater Frank Urbaniok spricht von einem möglichen «fanatischen Egotrip».

Frank Urbaniok,  Leiter des Psychiatrischen Psychologischen Dienstes des Kantons Zuerich orientiert an einer Medienkonferenz in Zuerich am Mittwoch, 30. Januar 2008 ueber das Toetungsdelikt des zweifachen Moerders Roland K. an einem 25 - jaehrigen Mithaeftling in der Strafanstalt Poeschwies in Regensdorf (ZH). (KEYSTONE/Walter Bieri)

Ein Archivbild von Frank Urbaniok. Bild: KEYSTONE

Pilotinnen sollen Airlines sicherer machen

Nach dem Unglück werden jetzt unzählige Massnahmen geprüft, um ähnliche Katastrophen verhindern zu können. Dabei gibt es auch eine Geschlechterdiskussion. Vor allem Männer sind als Piloten, Lokführer oder Bus-Chauffeure tätig. Bei der Swiss sind von 1341 Piloten nur gerade 59 Frauen, wie die Schweiz am Sonntag berichtet. 

Ein ähnliches Geschlechterverhältnis zeigt sich bei den SBB und beim Postauto: Von 3500 Lokführern sind 80 Frauen und von 3079 Postauto-Chauffeuren sind 245 Frauen. Diesen Anteil erachtet Gabriela Stoppe als deutlich zu tief. Sie ist Psychiaterin und Vizepräsidentin von Ipsilon, dem Dachverband für Suizidprävention in der Schweiz. «Es wäre nicht nur wegen der Durchmischung sinnvoll, mehr Frauen für den Transport von Menschen zu engagieren, sondern vor allem auch wegen der Sicherheit», sagt Stoppe gegenüber der Zeitung. 

Pilot and copilot fly the aircraft, pictured on May 1, 2013, in an aircraft of Swiss. Swiss, short for Swiss International Air Lines, flies from Zurich to Chicago and back. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Pilot und Kopilot fliegen das Flugzeug, aufgenommen am 1. Mai 2013 in einem Flugzeug der Swiss. Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss fliegt von Zuerich nach Chicago und zurueck. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bei der Swiss gibt es viel mehr Piloten als Pilotinnen. Bild: KEYSTONE

Ihre Aussage begründet sie damit, dass Frauen eine deutlich tiefere Suizidrate haben. «Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch in Europa ein Pilot mit dem Flugzeug Suizid begeht.» Der Suizid ist bei Männern zwischen 15 und 44 Jahren in der Schweiz die häufigste Todesursache. 240 Männer haben sich 2012 das Leben genommen. Zwar ist die Zahl der Selbsttötungen in den letzten zehn Jahren leicht zurückgegangen, doch noch immer nehmen sich dreimal mehr Männer das Leben als Frauen. «Dies sollte bei der Auswahl eines Piloten, Chauffeurs oder Lokführers auch berücksichtigt werden», sagt Stoppe. 

«Emma»-Autorin Luise Pusch schlägt in die gleiche Kerbe. In einer Glosse fordert sie eine Frauenquote fürs Cockpit und schreibt: «Amoktrips sind Männersache» und «Die Opfer sind überwiegend Frauen, die Täter sind männlich.» Damit sorgt die Sprachwissenschaftlerin für eine hitzige Diskussion. Ihr wird vorgeworfen, die Opfer des Absturzes für die Frauenquote auszunutzen.

Die Psyche der Piloten überprüft der Fliegerarzt heute beim Eignungstest. Danach folgen jährlich lediglich medizinische Tests. Vergleichbar ist das Vorgehen bei den SBB und der Post. Angehende Postauto-Chauffeure werden vor allem auf Belastbarkeit, Beobachtungsfähigkeiten sowie auf aggressive Verhaltensweisen geprüft und angehende Lokführer auf berufsbedingte Eigenheiten wie Einsamkeit oder repetitive Tätigkeiten. Das reiche nicht, wie die Psychiaterin Stoppe weiter sagt. Es würde auch im späteren Berufsleben psychologische Tests brauchen. Und zwar von psychiatrisch geschulten Ärzten. Solche, wie sie die Lufthansa nur prüft. Ob die Swiss die Psyche ihrer Piloten künftig einmal im Jahr testet, wird bei der Airline derzeit diskutiert. (feb)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • amazonas queen 29.03.2015 13:50
    Highlight Wie soll das denn konkret gehen? Werden jetzt Frauen dazu verpflichtet, Pilotin zu werden, um genügend Kandidaten zu haben oder werden einfach so lange Flüge gestrichen, bis mit den vorhandenen Pilotinnen eine 50% Quote erreicht wird. Muss jetzt Sonja Zietlow zurück ins Cockpit? Nein ehrlich: eine grosse Errungenschaft der Neuzeit ist die Tatsache, dass niemand mehr zu einen Beruf gezwungen wird. Erstaunlich, dass jetzt Frauen offenbar einen Zwang erhalten sollen, bestimmte Berufe zu ergreifen, damit eine Quote erfüllt wird. Es gibt ja social-freezing...
    6 0 Melden
  • boxart 29.03.2015 11:03
    Highlight Frauen empfinden es nicht als Defizit, wenn sie nicht kochen können. Was meint die Psychologin dazu?
    5 3 Melden
  • MM 29.03.2015 10:59
    Highlight Jawohl! Man sollte Männern das Autofahren verbieten, denn auch auf den Strassen sterben sie 3x so häufig wie Frauen.

    Tut mir leid, aber solche Aussagen/Forderungen kann ich nicht ernst nehmen. Da geht es nur darum, diese Diskussion wieder anzufachen. Und das auf Kosten der Opfer...
    12 0 Melden
  • Androider 29.03.2015 04:50
    Highlight Dass diese Stoppe auf Kosten dieses Unglücks Werbung für eine Frauenquote im Transportwesen macht, ist schlichtweg widerlich!!
    35 0 Melden

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