Luftfahrt
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Germanwings-Absturz: Was die Leiche des Co-Piloten verraten könnte

Warum steuerte Andreas Lubitz das Germanwings-Flugzeug in die Felswand? Ermittler suchen in seinem Umfeld nach einer Erklärung, auch die Leiche des Co-Piloten könnte Hinweise liefern.

29.03.15, 14:20 30.03.15, 09:29

Ein Artikel von

Es ist ein Job, den man macht, weil ihn irgendjemand machen muss. Seit dem Absturz des Germanwings-Airbus A320 in den französischen Alpen am Dienstag versuchen Rettungskräfte, Leichenteile in dem schwer zugänglichen, mehrere Hektar grossen Gelände zu bergen. Dutzende DNA-Spezialisten und Rechtsmediziner arbeiten daran, die geborgenen Überreste der 150 Opfer zu identifizieren.

Den Angehörigen wird der DNA-Abgleich letzte Gewissheit geben und die Möglichkeit, sich bei einer Beerdigung zumindest von einem Sarg oder einer Urne zu verabschieden. Das gilt auch für die Eltern, Verwandten und Freunde des Co-Piloten Andreas Lubitz, der die Maschine offenbar absichtlich abstürzen liess.

DNA-Analyse bisher

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen haben Ermittler inzwischen die DNA von 78 Menschen gesichert. Diese solle zur Identifizierung der Toten mit DNA-Proben von Familienangehörigen abgeglichen werden, sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, am Sonntag.

(sda/afp)

Laut «Bild am Sonntag» haben französische Ermittler bereits Leichenteile des 27-Jährigen entdeckt. Der Fund wird nicht nur die Angehörigen beschäftigen, sondern könnte auch für die Rekonstruktion des Absturzes interessant werden.

Noch sind viele Fragen offen: Nahm Lubitz, der an einer psychischen Erkrankung gelitten haben soll, Psychopharmaka? Hat er kurz vor seiner Entscheidung oder nachdem er den Piloten ausgesperrt hatte, Medikamente oder Drogen geschluckt? Oder war möglicherweise alles ganz anders?

Die Bergungsarbeiten im schlecht begehbaren Gelände der Absturzstelle gehen nur schleppend voran. Bild: YOAN VALAT/EPA/KEYSTONE

Chancen und Grenzen der Rechtsmedizin

Ob sich diese Fragen bei einer Obduktion der Leiche klären lassen, hängt hauptsächlich davon ab, wie viel vom Körper des Co-Piloten übrig ist. «Ein frischer Herzinfarkt dürfte schwer nachweisbar sein», erklärt Wolfgang Huckenbeck vom Institut für Rechtsmedizin der Uni-Klinik Düsseldorf. Prinzipiell solle das aber versucht werden.

Um einen Herzinfarkt nach dem Tod zu erkennen, braucht man möglichst viel Gewebe. So könnten etwa ein verschlossenes oder stark verengtes Herzkranzgefäss oder frühzeitig abgestorbenes Herzmuskelgewebe auf einen Infarkt hindeuten. Herzkranzgefässe versorgen das Herz mit Blut. Verstopfen sie, sterben Zellen des Herzmuskels ab.

Nachweisen liesse sich ein Herzinfarkt auch über eine Blutuntersuchung – falls man genug Blut findet. Funktioniert das Herz nicht mehr richtig, sendet der Körper spezielle Enzyme aus, die dann im Blut zu finden sind. «Beim urplötzlichen Herztod dürfte aber auch das kaum gelingen», so Huckenbeck.

Nachweis von Psychopharmaka

Medikamente, die typischerweise bei psychischen Erkrankungen eingenommen werden, können grundsätzlich nach dem Tod eines Menschen in seinem Körper nachgewiesen werden. Auch dafür brauche man allerdings ausreichend Blut oder Gewebe, erklärt Huckenbeck.

Laut der Staatsanwaltschaft Düsseldorf ist bislang bekannt, dass Lubitz wegen einer Erkrankung in ärztlicher Behandlung war und seinem Arbeitgeber Krankschreibungen verheimlicht hat. Auch haben die Ermittler offenbar Hinweise auf eine psychische Krankheit gefunden. Um welche Erkrankung es sich genau handelte und ob Lubitz medikamentös behandelt wurde, ist allerdings offen.



Gedenkstätte für die Opfer des Germanwings-Absturzes. Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Je nach Medikament und Dosis sammeln sich die Stoffe zunächst im Blut an, treten von dort aber auch ins Gewebe über und sind unter Umständen auch Wochen später noch zu finden. Auch Abbauprodukte von Medikamenten oder Drogen, die entstehen, wenn der Körper die Stoffe verarbeitet, lassen sich teils noch lange nachweisen.

Eine viel diskutierte Möglichkeit, die das plötzliche Schweigen des Co-Piloten im Cockpit erklären könnte, lässt sich dagegen nicht klären. «Bewusstlosigkeit kann nicht nachgewiesen werden», erklärt Huckenbeck. Er geht davon aus, dass andere Organerkrankungen keine Rolle gespielt haben. Wenn man Medikamente nachweisen könne, sei dies das sicherste Ergebnis.

Anmerkung der Redaktion: 

Nachdem wir den Nachnamen des Co-Piloten zunächst abgekürzt haben, schreiben wir ihn nun, wie der «Spiegel», aus. Die bisher veröffentlichten Ergebnisse der Ermittler lassen keine Zweifel zu: Andreas Lubitz führte diese Katastrophe herbei, aus welchen Gründen er auch immer handelte. Der Pressekodex fordert für eine identifizierende Berichterstattung, es müsse «eine aussergewöhnlich schwere oder in ihrer Art und Dimension besondere Straftat» vorliegen. Diese Voraussetzung sehen wir erfüllt.

Was wir auf Spiegel Online auch weiterhin nicht zeigen, sind Nahaufnahmen von Angehörigen der Opfer. Denn dafür gibt es, solange die Personen nicht von sich aus an die Öffentlichkeit gehen, keinen Grund. Wir respektieren ihre Privatsphäre.

Der Absturz von Germanwings 4U9525 in Frankreich

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jme/ Mit Material von AFP

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    Alle Leser-Kommentare
  • Christian Schmid (1) 30.03.2015 07:20
    Highlight Stoppt diese Berichterstattung über den Co-Piloten. Es ist unglaublich tragisch und absolut unnötig und pietätslos, in der Öffentlichkeit nun diesen Menschen, seinen Hintergrund, seine Familie etx breit zu "trampeln".
    1 0 Melden

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