Migration
Displaced Iraqi children sit inside a UNHCR tent at a temporary camp set up to shelter people fleeing violence in northern Iraq on June 17, 2014 in Aski kalak, 40 kms west of the Kurdish autonomous region's capital Arbil. Militants pushed a weeklong offensive that has overrun swathes of Iraq to within 60 kilometres (37 miles) of Baghdad, as the UN warned the country's very existence was under threat. AFP PHOTO/KARIM SAHIB

Kinder in einem irakischen UNHCR-Lager. Bild: AFP

Mütter im Flüchtlingselend 

Sexuell ausgebeutet, arm und ausgestossen: Syrerinnen mit Familie leiden besonders unter Flucht

Die Verantwortung für die Versorgung von Flüchtlingsfamilien aus Syrien liegt oft allein bei den Frauen. Jede vierte Flüchtlingsfamilie in Ägypten, Libanon, Jordanien und im Irak wird alleine von Frauen durchgebracht.

08.07.14, 07:13 08.07.14, 08:17

Zu diesem Schluss kommt eine Studie des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), die am Dienstag in Genf vorgestellt wurde. Damit gehörten Armut, Not und Angst zum Alltag von 145'000 Syrerinnen, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen sind und ihre Familien ohne Hilfe ihres Mannes versorgen müssen.

«Sie haben alles verloren, werden täglich bedroht und als Ausgestossene behandelt, nur weil sie ihre Männer in einem brutalen Krieg verloren haben.»

UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres

Die Flucht aus ihrem Heimatland sei für diese Frauen erst der Beginn des Elends gewesen, sagte der UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres. «Sie haben alles verloren, werden täglich bedroht und als Ausgestossene behandelt, nur weil sie ihre Männer in einem brutalen Krieg verloren haben.»

Zwei Kinder im UNHCR-Flüchtlingslager. Bild: ARSHAD ARBAB/EPA/KEYSTONE

Armut und sexuelle Übergriffe

Armut stellt demnach das grösste Problem der alleinerziehenden Mütter dar. Nur jede fünfte der befragten Frauen war in der Lage, Arbeit zu finden. Oft müssten Kinder arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen. Die meisten Frauen seien von privater Hilfe in den Aufnahmeländern abhängig.

«Eine Frau, die alleine ist, gilt in Ägypten allen Männern als Beute»

UNHCR-Studie

Viele Frauen klagen ausserdem über eine Häufung von sexuellen Übergriffen. «Eine Frau, die alleine ist, gilt in Ägypten allen Männern als Beute», zitieren die Autoren der Studie eine Syrerin in Alexandria. Der Bericht basiert auf persönlichen Gesprächen mit 135 alleinstehenden syrischen Frauen, die über drei Monate hinweg in ihren Exilländern Ägypten, Libanon, Irak und Jordanien begleitet wurden.

Mehr Geld für Familien nötig

Guterres forderte Geberländer auf, mehr Geld für die betroffenen Familien bereitzustellen. Die bisherigen Mittel reichten bei weitem nicht aus. Ausserdem müsse der Nachzug von Angehörigen erleichtert werden.

Die UNHCR-Sonderbeauftragte und Schauspielerin Angelina Jolie hob die zentrale Rolle der syrischen Flüchtlingsfrauen im Überlebenskampf der Familien fern der Heimat hervor: «Syrische Flüchtlingsfrauen sind das Bindeglied einer zerbrochenen Gesellschaft. Ihre Stärke ist aussergewöhnlich, aber sie sind allein in ihrem Kampf. Ihre Stimmen sind ein Hilfsappell, der nicht ignoriert werden darf.»

Vor dem Bürgerkrieg in Syrien sind nach UNO-Angaben mehr als 2,8 Millionen Menschen auf der Flucht. (pma/sda/dpa/apa)

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 08.07.2014 10:43
    Highlight "Flüchtlingsfrauen"
    Nach wie vor eine Seltenheit in der Schweiz!
    1 0 Melden
    • sewi 08.07.2014 11:10
      Highlight Die haben kein Geld um es bis zu uns zu schaffen. Tragischerweise ist es so. Währenddem verletzte Dschihaddisten durch ihr Netzwerk problemlos bis zu uns gelangen (Insiderinfo) vegetieren die wehrlosesten im Land oder in den Nachbarländern.
      2 0 Melden

Sommaruga sagt Ja: Schweiz nimmt 80 Flüchtlinge aus Libyen auf

Die Schweiz nimmt 80 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge auf, die aus Libyen evakuiert werden. Sie kommt damit einem Ersuchen des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) nach.

Justizministerin Simonetta Sommaruga hat den Bundesrat am Freitag darüber informiert, wie ihr Departement mitteilte. Es handle sich um eine humanitäre Sofortmassnahme, sagte Sommaruga vor den Medien. Die 80 Personen sollen spätestens bis Mitte 2018 umgesiedelt werden.

Sommaruga erinnerte an die katastrophalen …

Artikel lesen