Musig im Pflegidach

Gauthier Toux Trio bei «Musig im Pflegidach», Muri Foto: Christoph biegel

Leidenschaft ab der ersten Note beim Suisse Diagonales Jazz Festival

Von fast zu spät kommenden Musikern bis hin zu einem vortrefflichen Nachtessen im Restaurant «Bella Vista» – am Sonntagabend war im Pflegidach alles dabei, was für gute Unterhaltung sorgt.

23.01.17, 16:17 27.02.17, 11:23

clemens keusch*

* Der Autor ist Schüler an der Kanti Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Auch wenn der Dachstock trotz der guten Musiker nicht ausverkauft war, wurde den Zuhörern bei diesem Doppelkonzert ein facettenreicher Abend geboten. Dass man sich auf Jazz einstellen konnte, war schon im Voraus klar.

Jedoch unterschieden sich die beiden Gruppen bezüglich ihres Stils enorm. Der Kontrast zwischen den langsamen, strukturierten Stücken des Trios und den eher rhythmischen Liedern von Nojakin wurde deutlich. Dies machte den Abend speziell, da man in zwei verschiedene Welten des Jazz eintauchten konnte. Eine Gemeinsamkeit hatten die beiden Gruppen aber doch: Beide begannen ihre nationale Tournee des Festivals des jungen und aktuellen Jazz in Muri.

Gedanken übers Leben

Die Leidenschaft für Musik war bei den drei Künstlern schon ab der ersten Note zu spüren. Sie kreierten durch ihre Musik eine andächtige Stimmung, die einen dazu verleitete, über das eigene Leben nachzudenken. Die zwei Lieder «Keys» und «tucked in» standen besonders heraus. «Keys» wurde vom Schlagzeuger Maxence Sibille komponiert. Er zeichnete sich vor allem durch seine Diversität am Schlagzeug aus.

„Whatever happens, we are continuing playing music.”

Gauthier Toux, Pianist

Ein weiteres Stück namens «39» hatte vor allem für den Pianisten Gauthier Toux eine besondere Bedeutung. Es entstand nach dem Terrorangriff in Paris. Um seine Trauer zu verarbeiten, kreierte er es. Diese selbstheilende Therapie scheint zu funktionieren. Denn Toux sagte im Anschluss: «Whatever happens, we are continuing playing music.» Das Publikum war gerührt und konnte die Gefühle, die durch die Musik ausgedrückt wurden, noch besser nachvollziehen.

Gauthier Toux Trio

Video: YouTube/SuisseDiagonalesJazz

Den Bassisten Kenneth Dahl Knudsen aus Kopenhagen darf man auch nicht vergessen. Obwohl er erst fünf Minuten vor Konzertbeginn eintraf, konnte man keinen Funken Nervosität in ihm ausmachen. Er hatte stets ein Lächeln auf dem Gesicht und überzeugte die Zuhörer mit seinen Soli.

Chaotische Atmosphäre

Dann wurde gegessen. Und weil das köstliche Menü im «Bella Vista» den Gästen dermassen mundete, musste das zweite Konzert sogar um eine Viertelstunde nach hinten verschoben werden.

Doch das Warten lohnte sich, der Dachstock wurde an diesem Abend ein zweites Mal verzaubert – von der Gruppe Nojakin. Ein Hauptbestandteil dieser sind die Geschwister Corinne Nora (Sängerin) und Christoph Huber (Saxophon). Was diese Band besonders macht, ist die Vielfalt ihrer Lieder und ihr digitales Musikprogramm, das Klänge hervorbringt, die die meisten Zuschauer so noch nie gehört haben. Auch mit ihrer Kreativität überzeugte Nojakin – zum Beispiel mit dem Erzeugen von Klängen bloss mit dem Mundstück des Saxophons.

Summiert ergab dies eine lebhafte, manchmal auch chaotisch wirkende Atmosphäre. Die Band hingegen wirkte dennoch koordiniert, was der ausgezeichneten Rhythm-Section zu verdanken war. Das Konzert wurde passend mit dem Lied «Bring me Home Oh Avenues» beendet. Es war ein Abend der grossen Gefühle, schlicht ein grosser Erfolg. Gut, dass dieses Konzert am Sonntag wiederholt wird – sogar mit zwei weiteren Schweizer Bands.

Suisse Diagonales Jazz, 1. Abend bei «Musig im Pflegidach», Muri

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 6 Grafiken zeigen, in welchem Kanton du für die Autoprüfung am meisten zahlst

Gesichtserkennung beim iPhone X angeblich überlistet

Für 27 Franken nach Berlin? So teuer müsste dein Flug eigentlich sein

«Cookies»-Backen in der Schweiz – ein Drama in 5 Akten

Dem Nachtzuschlag gehts an den Kragen – und Uber ist daran nicht ganz unschuldig

Nico Hischier ist in seiner ersten NHL-Saison besser unterwegs als Auston Matthews

5 Grafiken, die man im No-Billag-Nahkampf kennen muss

Diese Feministin will die SVP aus Debatten (und Taxis) verbannen

Poisson prallte gegen einen Baum: «Als wir am Unfallort ankamen, war er bereits tot»

10 Vorteile, die nur sehr langsame Leute kennen

Wie lit bist du, du sozialtoter Bruh? Wir suchen die Jugendwörter vergangener Jahre

Erfolg für Facebook-Schreck Max Schrems: Datenschutz-Aktivist kann Facebook verklagen

Erwachsensein – wie du es dir vorgestellt hast, und wie es wirklich ist

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Jake Sherman spielt alles, was das Herz begehrt

Am vergangenen Sonntag gestaltete Jake Sherman mit seiner Band einen abwechslungsreichen und interessanten Abend mit vielen verschiedenen Musikstilrichtungen.

* Die Autorin ist Schülerin an der Kanti Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Für Jake Sherman war es das erste Mal im «Pflegidach» in Muri. Er überzeugte vor allem mit seinen Klavier- und Gesangskünsten, spielte jedoch auch aussergewöhnlichere Instrumente während des Konzerts. Mit einem Mix aus Jazz und Pop zog Jake Sherman zusammen mit seinen zwei Bandkollegen das Publikum in seinen Bann. An seiner Seite waren …

Artikel lesen